Die Vergessenen: Tattoostudios dürfen trotz Lockerungen nicht öffnen

dzCorona-Lockerungen

NRW ist das einzige Bundesland, in dem Tattoostudios die Türen noch nicht wieder öffnen dürfen. Für einen Dortmunder Tätowierer ist das nicht nachvollziehbar.

Dortmund

, 17.05.2020, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tätowiernadeln bleiben vorerst weiterhin im Schrank. Zumindest in Nordrhein-Westfalen. In allen anderen Bundesländern dürfen die Tattoostudios den Betrieb mittlerweile wieder aufnehmen. Für die Dortmunder Tätowierer ist die Entscheidung nur schwer zu verstehen - zumal vergleichbare Branchen wie Kosmetikstudios und Massagepraxen bereits seit mehren Tagen wieder Kundschaft empfangen.

Andreas Hentschel und seine beiden Mitarbeiter nutzen die unfreiwillig gewonnene Zeit in ihrem Tattoostudio an der Märkischen Straße momentan, um notwendige Arbeiten zu erledigen. Im Normalbetrieb wär das nicht ohne weiteres möglich. Doch was ist derzeit schon normal?

Laden schon vor der Verordnung geschlossen

Mitte März gab es die behördliche Anweisung, dass jegliche Geschäfte geschlossen werden müssen, die nicht systemrelevant erscheinen. Da hatte sich Hentschel schon längst gemeinsam mit Dortmunder Kollegen dazu entschlossen, den Betrieb einzustellen.

Schild Tattoostudio Andreas Hentschel

Ein kleines Schild weist in dem Tattoostudio von Andreas Hentschel darauf hin, wer in dem Geschäft nicht erwünscht ist. © Marius Paul

„Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob das Coronavirus auch über das Blut übertragen werden kann. Und da wir doch häufiger mit offenen Wunden zu tun haben, wollten wir schon vorab auf Nummer sicher gehen“, betont der Tätowierer. Mittlerweile steht fest: Durch das Blut kann das Virus nicht weitergegeben werden.

Infektionsschutz ist ohnehin wichtiges Thema

Doch von weitreichenden Lockerungen, wie es sie für andere körpernahe Branchen wie Friseure, Kosmetiker und Masseure gibt, bleiben die Tattoostudios in NRW ausgeschlossen. Der Stufenplan der Landesregierung sieht eine Öffnung erst ab Anfang Juni vor. „Unverständlich“, findet Hentschel.

Und: „Wir schreien bestimmt nicht danach, als erste wieder arbeiten zu dürfen. Wir sind uns auch im Klaren darüber, dass eine Tätowierung nicht systemrelevant ist, aber sind das Behandlungen im Kosmetikstudio oder dem Massagesalon?“

Das Argument der Landesregierung, das für die Tattoostudios zunächst ausreichende Hygienekonzepte entwickelt werden müssten, kann der Dortmunder nicht nachvollziehen.

Jetzt lesen

Da derartige Konzepte für Tätowierer sowieso erforderlich seien, gebe es diese doch bereits. Hentschel: „Die Einhaltung der Hygienevorschriften wird bei uns mindestens einmal im Jahr kontrolliert. Deshalb haben wir ohnehin hohe Standards, was den Infektionsschutz angeht. Außerdem können wir vielleicht Regeln, wie die begrenzte Anzahl der Kunden, besser kontrollieren als anderswo.“

„Erstmal nur unterhalb der Schulter tätowieren“

Die hänge vor allem damit zusammen, dass Laufkundschaft bei Tattoostudios praktisch nicht existiere. Stattdessen könne man die Kundenfrequenz laut Hentschel über die Terminvergabe steuern. „Die Termine werden bei uns immer genau geplant und auf diese Weise kann man dann natürlich auch gewährleisten, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Geschäft sind.“

Jetzt lesen

Unterdessen hat Hentschel durchaus Verständnis für diejenigen, die dem engen Kontakt beim Tätowieren skeptisch gegenüberstehen. Deshalb hat er eine Idee: „Wenn man die Tattoostudios in NRW wieder schrittweise öffnen würde, könnte man beispielsweise zunächst damit beginnen, nur unterhalb der Schulter zu tätowieren. Dann kommt man dem Gesicht der Kunden nicht zu nahe.“

Derweil geht der Bundesverband Tattoo laut Homepage mit einem Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht in Münster gegen die anhaltenden Schließungen vor. Auf der Internetseite heißt es: „Ein solches Verfahren kippt im Erfolgsfall die Verordnung als solches für alle im Bundesland.“

Bis dahin bleibt Andreas Hentschel und seinen Mitarbeitern allerdings nur eins: Abwarten und möglicherweise auch noch die letzten Arbeiten im Studio abschließen, die ansonsten liegen bleiben würden.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt