Die Corona-Krise hat in jedem Sportverein andere Auswirkungen

dzCoronavirus

Die Corona-Krise hat die Sportvereine im Dortmunder Westen hart getroffen. Doch jeder Verein geht anders mit der Situation um. Einige könnten sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Lütgendortmund, Mengede, Huckarde

, 24.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich bin mittlerweile Quarantäne-Fachmann“, berichtet Michael Schulz, der Vereinsvorsitzende von Mengede 08/20. Er kenne jede Regel, Verordnung und Frist. Denn Schulz musste alle drei Senioren-Mannschaften corona-bedingt aus dem Spielbetrieb nehmen.

In der vergangenen Woche wurde ein Spieler der ersten Mannschaft positiv auf Corona getestet. Zwei Tage vorher hatte er noch mit der Mannschaft trainiert. „Deshalb sind jetzt 25 Mann in Quarantäne. Spieler, Trainer, Physios“, zählt Schulz auf.

Drei Mannschaften zurückgezogen

Als in dieser Woche ein Spieler der zweiten Mannschaft ebenfalls positiv getestet wurde, fackelte Schulz nicht lange und zog auch diese Mannschaft zurück, obwohl der Betroffene vorher keinen Kontakt zum Team hatte.

Nun ist auch die dritte Mannschaft nicht mehr im Spielbetrieb. Die Mutter eines Spielers hatte einen positiven Test. Auch da ging Schulz auf Nummer sicher. „Man ahnt ja gar nicht, was da alles dran hängt. Viele Mitglieder haben Angst vor der Quarantäne und den wirtschaftlichen Folgen.“

Kontakt-Nachverfolgung per App

Der Schutz der Spieler und der Gäste erfolgt nun digital. Jeder, der das Vereinsgelände betritt, muss sich per App registrieren. Auf dem Sportplatz sind Bereiche für Sportler und Zuschauer strikt getrennt.

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Corona-Fälle gab es beim TV Eintracht Bodelschwingh bislang nicht, berichtet zumindest Ullrich Wesselmann, der sportliche Leiter des Vereins. Doch die sportlichen Angebote wurden trotzdem in der Pandemie drastisch eingedampft.

Das Herz des Vereins sind Gesundheitsangebote für Senioren. „Fast alle unsere Mitglieder gehören zu Risiko-Gruppen“, berichtet Wesselmann. Die will er nicht gefährden.

Vor allem Senioren sind gefährdet

In der vergangenen Woche gab es noch eine Seniorenwanderung. „Aber die Gruppe fährt dann mit dem engen Bus zur Wanderroute und nachher können wir uns nicht mehr zusammensetzen, weil die Gastronomien nicht so viele Gäste aufnehmen können. Das fühlt sich nicht mehr gut an. Da macht man sich nur noch Sorgen um die Gesundheit der Teilnehmer.“

Vermutlich weil das Miteinander durch Corona abhanden kommt, musste der TV Eintracht einen starken Mitgliederschwund verzeichnen. „Zu Beginn der Krise hatten wir 500 Mitglieder, jetzt noch 440“, verrät Ullrich Wesselmann.

Keine Kontakte und kein Sport

Senioren leiden nach Meinung von Wesselmann besonders unter den Corona-Bestimmungen: „Die Senioren können ihre Sozialkontakte nicht pflegen und dann verpassen sie auch den Sport, der sie fit halten soll.“

Einen Mitgliederschwund muss Karl-Martin Dittmann, der Vorsitzende des KS Kirchlinde nicht vermelden. Dafür ist er seinen Mitgliedern sehr dankbar. Denn weder die Ringer noch die Sportakrobaten konnten seit Beginn der Pandemie an Wettbewerben teilnehmen. Alles abgesagt.

Nach jeder Trainingsgruppe die Halle lüften

Der Verein hält momentan nur den Trainingsbetrieb aufrecht. Mit strengem Hygiene-Konzept. Jede Gruppe darf nur noch alleine trainieren. Zum Trainingsbeginn der nächsten Gruppe gilt eine zeitliche Distanz von 15 Minuten, um die Halle zu lüften und zu desinfizieren.

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Wer in den Herbstferien im Ausland Urlaub gemacht hat, darf erst nach zwei Wochen Pause wieder am Trainingsbetrieb teilnehmen. Kinder dürfen nur mit einer Begleitperson zum Training gehen.

Ordner sorgen für Maskendisziplin

Streng geht es auch beim DJK Oespel-Kley zu. Bei Wettbewerben mit Zuschauern sorgen externe Ordner dafür, dass alle ihre Masken tragen. Die Sportler sind angehalten, bereits umgezogen in die Halle zu kommen, damit es in den Umkleiden nicht zu eng wird. Abstände müssen eingehalten werden.

„Sportler, die sich nicht an die Regeln halten, bekommen Trainingsverbot“, sagt Geschäftsführer Dominic Thiel. „Wir halten uns streng an unser Hygiene-Konzept, so als ob im nächsten Moment das Ordnungsamt vorbei kommt.“

Bis auf den TV Eintracht Bodelschwingh meldet keiner der aufgeführten Vereine Mitgliederverluste. Trotz der Einschränkungen bei Training und Wettbewerben scheinen nur wenige Menschen daran zu denken, sich den Mitgliedsbeitrag auch sparen zu können.

Mitgliederzuwachs bei den Juniorenteams

Im Gegenteil: Hellweg Lütgendortmund meldet im Jugend-Bereich Mitgliederzuwächse. Unter anderem wurden neue Mini-Kicker-Mannschaften aufgemacht, berichtet Herbert Marquart, Geschäftsführer von Hellweg Lütgendortmund. „Die Jungs lassen sich auch von Corona nicht vom Training abhalten.“

Ähnlich sieht es bei Mengede 08/20 aus. Dort wurde die A- und B-Jugend neu aufgestellt. „60 Neue Mitglieder gab es seit Beginn der Corona-Krise“, so Michael Schulz.

Corona bedeutet Stress für ehrenamtliche Entscheidungsträger

Somit hatte Corona unterschiedlichen Einfluss auf die Vereine im Westen. Nur eines sagen alle Befragten gleichermaßen: Die Ehrenamtler wollten eigentlich nur gute Arbeit für ihre Vereine leisten.

Jetzt betreffen ihre Entscheidungen die Gesundheit der Vereinsmitglieder. Das setzt alle Vorsitzenden und Geschäftsführer unter enormen Druck.

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