Coronavirus

Corona-Erkrankungen bei Schwangeren: „Man hat gleich zwei Patienten“

Zuletzt wurden mehrere schwangere Frauen im Klinikum wegen des Coronavirus behandelt. Eine Frau starb. Die Situation sei besonders belastend, berichtet ein Intensivmediziner.
Für schwangere Frauen ist das Risiko deutlich erhöht, einen schweren Corona-Verlauf zu bekommen. © picture alliance/dpa

Vor gut einer Woche ist eine schwangere 25-Jährige im Klinikum Dortmund am Coronavirus gestorben. Weitere schwangere Frauen sind schwer an Covid-19 erkrankt. Ihre Kinder sind wie das Kind der Verstorbenen mit einem Notkaiserschnitt entbunden worden.

Auch für die Mitarbeiter der Intensivstation sind diese Situationen besonders schwierig, berichtet Dr. Bernhard Schaf. Er ist Leiter der Intensivmedizin und Spezialist für Infektions- und Atemwegserkrankungen. „Wenn schwangere Frauen im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist das für uns natürlich besonders belastend. Zum einen, weil die Patientinnen in der Regel junge Frauen sind und zum anderen, weil man es gleich mit zwei Patienten zu tun hat“, sagt Schaaf.

Während der Schwangerschaft kann die Lunge eingeengt werden

Die Frauen kämen nach einer Covid-Infektion häufig mit schweren Lungenentzündungen auf die Stationen. Sie bekämen dort hoch dosierten Sauerstoff und müssten beamtet werden oder eine sogenannte Lungenwäsche bekommen. In besonders schweren Fällen müssen sie intubiert werden. Je nach Schwangerschaftswoche werden deshalb die Kinder vorher entbunden, weil sonst die Beatmung erschwert sei, erklärt Schaaf.

Während der Schwangerschaft benötigen Frauen mehr Sauerstoff, da sie nicht nur sich, sondern auch ihr Kind mitversorgen müssen. Zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft kann auch die Lunge eingeengt werden, da das Baby mehr Platz benötigt.

Impfempfehlung von Gynäkologen-Verband

Der Arzt appelliert angesichts der Erfahrungen aus der Intensivstation sich impfen zu lassen: „Sie schützen dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen, wie Schwangere, zu denen Sie Kontakt haben und die ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben.“ Das Risiko eines schweren Covid19-Verlaufs ist bei Schwangeren 26 Mal höher als bei Nicht-Schwangeren.

In einem Interview mit unserer Redaktion empfahl auch Dr. Thomas Schwenzer, Chef der Frauenklinik am Klinikum Dortmund, eine Impfung gegen das Coronavirus für schwangere Frauen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt ebenfalls die Impfung schwangerer und stillender Frauen. Sie sollen priorisiert mit mRNA-Impfstoffen gegen das Coronavirus geimpft werden.

Noch keine Empfehlung der Stiko

In der Empfehlung des DGGG heißt es unter anderem, dass eine Impfung „nicht vermehrt zu schwangerschaftsspezifischen Komplikationen“ führe, aber vor schweren Verläufen schützen könne.

Eine allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es für Schwangere noch nicht. Wie unsere Redaktion erfuhr, könnte eine Entscheidung auf Grundlage neuer Daten aus den USA aber noch bis Ende August gefällt werden.

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