Corona-Auswirkungen auf Wirtschaft in Dortmund: „Das ist brutal“

dzIHK zum Coronavirus

Wegen der Corona-Krise stehen die Telefone von IHK und Wirtschaftsförderung nicht mehr still. Die neueste IHK-Umfrage liefert niederschmetternde Ergebnisse. Doch es gibt Hilfe.

Dortmund

, 21.03.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Drittel der Unternehmer in der regionalen Wirtschaft gehen davon aus, dass die Corona-Krise die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens verschlechtern wird. Fast 45 Prozent erwarten sinkende Beschäftigtenzahlen, fast die Hälfte wird ihre Investitionstätigkeit zurückschrauben, und von denen, die im Exportgeschäft tätig sind, glauben mehr als die Hälfte, dass die Ausfuhren in diesem Jahr zurückgehen.

Das sind Zahlen aus einer aktuellen Umfrage (16.-19.3.), die die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund bei ihren Mitgliedsunternehmen in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna gemacht hat. „Die Stimmung ist extrem trübe“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber die Zahlen. Fast neun von zehn der Befragten erwarteten, dass die Weltwirtschaftsentwicklung sich erheblich verschlechtern werde. Schreiber: „Das ist eine Lage, die wir noch nie erlebt haben.“

Corona-Hotlines eingerichtet

Unternehmer, Händler und Solo-Selbstständige haben viele Fragen und nackte Angst um ihre wirtschaftliche Existenz. Bei der IHK und der Wirtschaftsförderung laufen die Telefone heiß. Beide haben je eine Corona-Hotline eingerichtet. Die 20 Mitarbeiter, die am anderen Ende der Corona-Hotline der IHK sitzen, bekommen immer wieder dieselbe Frage gestellt: „Wann kommt das Geld von Bund und Land?“

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2000 Anfragen habe es allein bei der IHK in den letzten Wochen zum Thema Kurzarbeitergeld und außenwirtschaftlichen Fragen gegeben, berichtete am Freitag (20.3.) der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Wulf-Christian Ehrich.

Ex- und Importe seien zwar eingebrochen, aber es gebe sie noch, und die IHK helfe, dies aufrechtzuerhalten, in dem man die Unternehmen beim Dokumentengeschäft unterstütze. So gebe es beim Warenverkehr eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen, die unbürokratisch ausgestellt würden.

„Jetzt geht es um Schnelligkeit“

Der Arbeitsbereich von IHK-Geschäftsführer Ulf Wollrath erhält 1000 Anrufe pro Tag mit Fragen zum Prozedere, wie Händler, Gastronomen und Solo-Selbstständige an Gelder aus dem 25-Milliarden-Topf kommen, der am Donnerstag (19.3.) auf NRW-Ebene angekündigt wurde. Wollrath: „Es geht jetzt um Schnelligkeit. Wir versuchen, den Unternehmen zu erklären, welche Unterlagen sie beibringen müssen.“

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Schnelle Kredite und Express-Bürgschaften seien gut und schön, so Wollrath, „doch was Unternehmen jetzt brauchen, sind Liquiditätszuschüsse. Ein Gastronom kann den Essensverkauf nicht nachholen“.

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Schreiber drängt auf schnelle Soforthilfe von Bund und Land: „Wir hoffen, dass wir insgesamt nicht so viele Unternehmen haben, die den Engpass nicht überbrücken können.“ Man setze auf Bundes- und Landesmittel und die Verlängerung von Kreditlinien auch bei den heimischen Geldinstituten, sagte Schreiber.

Der Ankündigung der Bundesregierung indes, es solle kein Unternehmen wegen des Coronavirus in die Insolvenz gehen, mag der IHK-Geschäftsführer nicht recht glauben: „Das ist ein schöner Wunsch, den man haben kann. Doch das ist brutal, was da abgeht“.

Kurzarbeit rückwirkend beantragen

Die Anzeigen auf Kurzarbeit sind aufgrund der aktuellen Lage bundesweit „rasant angestiegen“, meldet auch die Bundesagentur für Arbeit (BA). Bei den Informationen zum Kurzarbeitergeld unterstützt die IHK die überlasteten Hotlines der Arbeitsagenturen. „Wir spüren den Bedarf an Informationen auch bei unseren Hotlines“, sagt Michael Schneider, Sprecher des Jobcenters Dortmund.

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IHK-Geschäftsführer Michael Ifland hat für Unternehmen den Rat, bis zum 31. März Kurzarbeitergeld zu beantragen, um es rückwirkend für den gesamten März zu bekommen. Für Auszubildende wird es allerdings bislang nicht gewährt. Ifland: „Das wird noch auf Bundesebene mit dem Arbeitsminister besprochen.“

Die Wirtschaftsförderung hat sich angesichts der vielen Fragen und krassen Existenzängste mit der Industrie- und Handelskammer abgestimmt. Darüberhinaus, so Dortmunds Wirtschaftsförderungs-Chef Thomas Westphal, habe man Videokonferenzen geschaltet – für die Fragen von Hoteliers mit Dortmund-Tourismus und für die Fragen der Cityrunde mit Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Westphal: „Wir hoffen, dass es jetzt die schnelle Soforthilfe gibt mit Bürgschaften, Beteiligungen, Steuerstundungen und Zuschüssen. Wir denken dabei nicht nur an die Großen.“

Aldi und Lidl stellen ein

Es gebe aber auch gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt, stellte Stefan Schreiber fest. Die Discounter Aldi und Lidl suchten dringend Mitarbeiter, die die Regale einräumen.

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IHK und Wirtschaftsförderung haben spezielle Informationen zu Corona jeweils auf ihrer Homepage freigeschaltet. Die IHK bietet Infos auch unter internationalen Aspekten. Bei der Wirtschaftsförderung gibt es ein Fragen und Antworten.

Die Hotline der Wirtschaftsförderung für Unternehmer, Gewerbetreibende und Soloselbstständige ist seit Donnerstag (19.3.) unter der Nummer 0231/5022860 zu erreichen oder via E-Mail an wfdo-hotline@stadtdo.de. Die Hotline der IHK ist mit 0231 5417-444 zusätzlich zur normalen telefonischen Erreichbarkeit freigeschaltet.

Fast 2800 Prüfungen hatte die IHK in dieser Woche abgenommen wollen. Davon wurden 1900 Zwischenprüfungen ersatzlos gestrichen. Bei den übrigen, für die Abschlussprüfungen relevanten Teilprüfungen gehe man davon aus, sie bis zum 24. April abschließen so können, sagte IHK-Geschäftsführer Michael Ifland.
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