Das Seniorenheim "Weiße Taube" in Dortmund. © Marc Wernicke (Archiv)
Covid-19

Corona-Ausbruch kurz vor Impfung: Aufregung in Dortmunder Pflegeheim

In einem Pflegeheim im Dortmunder Süden ist es kurz vor dem Corona-Impftermin zu einem Covid-19-Ausbruch gekommen. Auch nach der Impfung kamen neue Fälle hinzu. Es gibt zwei mögliche Gründe.

Die Bewohner des Seniorenheims „Weiße Taube“ in Kirchhörde hatten ein besonders einsames Weihnachten und Silvester: Nachdem kurz vor Weihnachten der Corona-Test eines ihrer Mitbewohner positiv gewesen war, durften sie ihre Zimmer nicht verlassen.

Doch da hatte sich das Virus schon verbreitet: In den Tagen darauf wurden mehrere weitere Menschen in der „Weißen Taube“ positiv getestet.

Ein Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim ist immer brisant. Menschen über 80 Jahren sind besonders gefährdet, an Covid-19 zu sterben. Was in der „Weißen Taube“ aber noch zusätzlich für Aufregung sorgte: Der Ausbruch fand kurz vor dem Termin für die erste von zwei Corona-Impfungen im Heim statt.

45 Bewohner und 27 Mitarbeiter geimpft

In den Tagen vor dem landesweiten Impfstart am 27. Dezember hatte es zwischenzeitlich Pläne gegeben, Seniorenheime von der Impfliste zu streichen, sollte dort kurz zuvor Corona ausbrechen, erinnert sich der Dortmunder Impfkampagnen-Koordinator Dr. Reinhard Büker.

Dieser Gedanke sei aber relativ schnell wieder verworfen worden: „Wenn wir nur Altenheime impfen, die keine Corona-Fälle haben, könnten wir demnächst gar nicht mehr herausfahren.“ Also hielt das mobile Impfteam am 29. Dezember doch vor der „Weißen Taube“ in Kirchhörde.

In voller Schutzmontur wurden an diesem Tag 45 Bewohner und 27 Mitarbeiter geimpft – nicht aber die an Corona erkrankten Menschen und jene, deren Testergebnisse zum Zeitpunkt der Impfung noch nicht bekannt waren. Beide Gruppen sind laut den Richtlinien von der Impfung ausgenommen, so die Stadt auf Nachfrage.

Verwirrung um Infizierten-Zahlen

Nach dem Impftermin gingen im Pflegeheim weitere positive Testergebnisse ein – wie viele, darüber gibt es unterschiedliche Angaben von Seiten der Stadt und der Heimleitung:

  • Laut Heimleitung gab es bis zum Freitag (8.1.) noch sechs weitere Neuerkrankungen. Insgesamt haben sich ihr zufolge 16 Menschen in der „Weißen Taube“ mit Covid-19 infiziert.
  • Nach Angaben der Stadt hingegen kamen einen Tag nach der Impfung noch fünf positive Testergebnisse zurück, die definitiv aus der Zeit vor der Impfung stammten. Darüber hinaus seien am Freitag (8.1.) acht weitere Neuerkrankungen festgestellt worden. Mit ihnen gebe es nun insgesamt 23 Corona-Fälle in der „Weißen Taube“.

Neben diesen Zahlen gibt es noch eine große Unklarheit rund um den Corona-Ausbruch in der „Weißen Taube“: Wann haben sich die Erkrankten angesteckt?

Medizinisch sind Neuinfektionen auch nach der ersten Impfung möglich. Die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs bildet sich laut Robert-Koch-Institut erst nach 7 bis 14 Tagen aus, und selbst dann liegt sie erst bei 50 bis 80 Prozent. Die volle 95-prozentige Wirksamkeit stelle sich erst nach der zweiten Impfung einige Wochen später ein.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Laut Impf-Koordinator Büker könnten bis zu acht Tage vergehen, bis die Viruslast bei den Infizierten hoch genug sei, dass ein Test anschlägt – und der muss dann auch erst noch ausgewertet werden. Es könnte also auch sein, dass alle festgestellten Infektionen in der „Weißen Taube“ aus der Zeit vor der Impfung datieren.

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1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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