„Containern“ bleibt verboten - Warum eine Dortmunderin es dennoch wagt

dzLebensmittelabfälle

Genießbare Lebensmittel aus Müllcontainern von Supermärkten zu nehmen, bleibt verboten. Eine Dortmunderin findet das falsch und erklärt, warum sie selbst seit Monaten „containert“.

von Niklas Wolter

Dortmund

, 24.08.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Genießbare Lebensmittel aus Müllbehältern zum Beispiel von Supermärkten fischen, um sie noch zu verwerten: Das sogenannte „Containern“ bleibt weiterhin verboten. So hat das Bundesverfassungsgericht über eine darauf bezogene Verfassungsbeschwerde entschieden.

Eingereicht hatten sie 2018 zwei Studentinnen aus Olching in Oberbayern, die beim Containern erwischt und wegen Diebstahls zu einer Verwarnung mit Strafvorbehalt verurteilt worden waren. Nachdem eine Revision am Bayrischen Obersten Landesgericht scheiterte, reichten die beiden Frauen Verfassungsbeschwerde ein. Das Ergebnis: Der Gesetzgeber darf auch das Eigentum an wirtschaftlich wertlosen Sachen strafrechtlich schützen, entschied das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen: 2 BvR 1985/19).

Auch Annika (Name von der Reaktion geändert) aus Dortmund „containert“ - seit März etwa 15 Mal. Sie bezeichnet das Urteil als „Quatsch“. Lieber solle es verboten werden, dass diese Lebensmittel überhaupt erst im Müll landen dürfen.

Um zu sparen und aus Trotz

Annika zeigt Verständnis dafür, dass man das Gelände, auf dem sich die Behälter befinden, nicht betreten darf. Trotzdem macht sie es. Zum einen, weil sie nicht so viel Geld zur Verfügung habe und zum anderen aus Trotz: „Ich sehe es nicht ein, dass man genießbare Lebensmittel nicht aus Containern nehmen darf.“

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Sie sei bereits einmal erwischt worden. Die dortigen Sicherheitsbeauftragten hätten sie dann allerdings lediglich des Geländes verwiesen. Einen Tag später seien Freunde von ihr auf demselben Gelände erwischt worden. In diesem Fall sei die Polizei alarmiert worden. Diese habe es bei einer Verwarnung belassen, da die betreffenden Personen zum ersten Mal auffällig geworden seien.

Fallzahlen werden nicht nachgehalten

Wie oft es zu solchen Fällen kommt, könne die Polizei Dortmund nicht beantworten. Denn in den Akten der Polizei werde das Schlagwort „Containern“ schlichtweg nicht geführt. Dies falle dann unter Delikte wie Diebstahl oder Hausfriedensbruch.

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Über die Höhe der Strafforderung für das Containern entscheide gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft, sofern es zu einer Anzeige seitens des Supermarkts komme. Falls es - wie im Falle der beiden Studentinnen aus Bayern - zu einem Prozess kommt, entscheidet am Ende ein Gericht.

Laut der Studie „Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015“ des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, die im September 2019 veröffentlicht wurde, entstehen in Deutschland jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Eine halbe Million seien dabei auf den Groß- und Einzelhandel zurückzuführen.

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