Scheidender Cityring-Chef fordert von Politik mehr Mittel für City

dzDirk Rutenhofer

Sechs Jahre lang war Dirk Rutenhofer Vorsitzender des Cityrings - am Montag tritt er ab. Zum Abschied haben wir mit dem Noch-Vorsteher der City-Händler über seine fünf Top-Themen gesprochen.

Dortmund

, 26.10.2020, 08:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Den Regenschirm eingespannt, fix die Hände desinfiziert und dann sitzt er pünktlich zum Gespräch am Tisch. Dirk Rutenhofer kandidiert nach sechs Jahren nicht erneut für das Amt des Cityring-Vorsitzenden. Es ist vor der Mitgliederversammlung am Montag (26.10.) also sein letztes Pressegespräch in dieser Funktion. Und dafür hat er sich seinen Lieblingsort in der City ausgesucht.

Wie immer adrett und mit buntem Einstecktuch im feinen Sakko tauscht er noch einmal fix die Rollen und ist mit Gesprächsbeginn im Café Strickmann nicht mehr der Geschäftsführer der Firma Weckbacher Sicherheitssystem GmbH, sondern eben noch einmal auch der Vorsitzende des Cityrings. „Viele meinen ja, das wäre mein Hauptberuf. Aber, das ist nicht so. Vorstand und Beirat engagieren sich komplett ehrenamtlich“, sagt er.

Weil das so ist, soll mit der Doppelbelastung jetzt Schluss sein. Die rund 240 Mitglieder des Cityrings müssen am Montag ab 20 Uhr im Nachtclub Nightrooms an der Hansastraße einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende wählen.

Nach sechs Jahren an der Spitze des Cityrings geht Dirk Rutenhofer jetzt in die zweite Reihe der Kaufmannschaft aus Dortmunds Innenstadt. Die Interessengemeinschaft wählt am Montag einen neuen Vorsitzenden bzw. eine neue Vorsitzende.

Nach sechs Jahren an der Spitze des Cityrings geht Dirk Rutenhofer jetzt in die zweite Reihe der Kaufmannschaft aus Dortmunds Innenstadt. Die Interessengemeinschaft wählt am Montag einen neuen Vorsitzenden bzw. eine neue Vorsitzende. © Oliver Schaper

Bilanzierend hat Dirk Rutenhofer im Café Strickmann über seine fünf Top-Citythemen gesprochen - und dabei auch verraten, warum dieses Café sein Lieblingsort in der City ist.

Was zur Bewältigung der Corona-Krise in der City wichtig wird

„Corona hat die notwendigen Antworten und Maßnahmen ja nur beschleunigt aber nicht verursacht“ ist Rutenhofer überzeugt und verweist mit einem Augenzwinkern auf die alljährliche City-Ring-Verleihung, die der Verein seit 45 Jahren stets dazu nutzt, auch mahnende Worte an den Handel und die Kommunalpolitik zu richten.

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„Aber in der jetzigen Situation ist es Chefsache und gehört federführend in die Hände des Oberbürgermeisters, der die Zügel der Zukunft unserer Stadt in seinen Händen hält“. Dass die Zeit längst reif für ein professionelles und mit ausreichend finanziellen Mitteln und den klügsten Köpfen ausgestattetes City-Management ist, verbindet er mit der Hoffnung, dass alle Beteiligten beherzt mitmachen.

„Dieses dicke Brett kann der Cityring alleine nicht bohren“ weiß Rutenhofer und wiederholt die mehrfach ausgesprochene Forderung des Vereins zu einer „konzertierten Aktion“ von Politik, Handel, Handwerk, Gastronomie, Wissenschaft, Kultur und Stadtgesellschaft.

Darum kann man sich beim Thema Hansaplatz leicht den Mund verbrennen

Als Dirk Rutenhofer 2014 den Vorsitz des Cityrings übernahm, war es seine Grundidee, die Plätze in der Innenstadt zu beleben und so für mehr Attraktivität und Aufenthaltsqualität zu sorgen. Da er im Propsteihof wohnt und der Hansaplatz damit quasi vor seiner Haustür liegt, hatte er vor allem diesen Platz im Visier.

„Ich hatte immer schon gedacht, dass da doch neben dem Wochenmarkt viel mehr stattfinden kann, als nur Dortmund á la carte und der Weihnachtsmarkt. Der Platz ist hinreißend und liegt in der Mitte unserer Stadt“, sagt Rutenhofer.

Im Keller der Weinhandlung Hilgering am Westenhellweg ventilierte er im Rahmen eines Pressegesprächs schließlich den Gedanken, dass man den Wochenmarkt vielleicht auch vom Hansaplatz verlegen kann.

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„Das ist mir sofort um die Ohren geflogen. Ich wurde als der Totengräber des Wochenmarktes beschimpft“, erinnert sich Rutenhofer. „Der Wochenmarkt ist natürlich ein Juwel für Dortmund, aber ich wusste nicht, dass das ein so emotionales Thema ist. Ich dachte, es muss doch eine Diskussion erlaubt sein und man muss doch den Argumenten die Ehre geben.“

Über neue Veranstaltungen auf dem Hansaplatz wurde bis heute allerdings nicht mehr nachgedacht.

Darum sind die Cityring-Konzerte so wichtig

Es war sein größter Coup: Dass Dirk Rutenhofer die Cityring-Konzerte aus der Taufe gehoben hat, war eine herausragende Leistung. Sie geht zurück auf eine Äußerung gegenüber den Ruhr Nachrichten am Tag nach seiner Wahl im Mai 2014.

„Damals hatte ich gesagt, dass ich mir Platzkonzerte auf den Plätzen unserer Stadt wünschen würde. Das war die Geburtsstunde der Cityring-Konzerte“, sagt Dirk Rutenhofer.

Große Bühne, große Show - wie hier beim Musical-Abend im vergangenen Jahr. Die Cityring-Konzerte auf dem Friedensplatz in Dortmund hat Dirk Rutenhofer 2016 aus der Taufe gehoben.

Große Bühne, große Show - wie hier beim Musical-Abend im vergangenen Jahr. Die Cityring-Konzerte auf dem Friedensplatz hat Dirk Rutenhofer 2016 aus der Taufe gehoben. In diesem Jahr hätte die Veranstaltung zum fünften Mal stattgefunden, musste aber wegen Corona abgesagt werden. © Stephan Schuetze

Während das Konzept für eine solch hochwertige Kulturveranstaltung auf dem Friedensplatz relativ schnell entworfen war, stellte sich die Frage, wie sie bezahlt werden kann. „Viele denken ja, wir wären die Stadt, aber das sind wir nicht. Wir brauchten großzügige Sponsoren. Ich habe dann mit Daria Schmitz von Wempe im Café Strickmann gesprochen - und sie sagte das Anker-Sponsoring noch vor der Sparkasse, der Thier-Galerie und anderen sofort zu. Spätestens seitdem ist das Café Strickmann mein Lieblingsort in der City“, so Dirk Rutenhofer.

Dass die Cityring-Konzerte - der Name war für Dirk Rutenhofer übrigens von Beginn an gesetzt - wichtig sind für den Einzelhandelsstandort, steht für ihn außer Zweifel: „Wir brauchen Ereignisse, die Dortmund unverwechselbarer machen und dazu beitragen, dass Menschen in die Stadt kommen. Der City-Handel braucht Menschen.“

Darum wird das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ unterstützt

An der Seite der Stadtverwaltung unterstützt der Cityring das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“. Das Ziel diese Projekts ist es, Menschen dazu zu bewegen, möglichst viele Wege in die Innenstadt zu Fuß, per Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder E-Autos zurückzulegen.

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„Der Begriff ‚emissionsfrei‘ ist unglücklich. Wir wollen natürlich keine autofreie Innenstadt, sondern eine emissionsärmere Innenstadt. Es ist doch klar, dass wir uns den Anforderungen, die der Klimaschutz an uns stellt, anpassen müssen. In diesem Zusammenhang bin ich natürlich auch für einen kostenlosen Nahverkehr im Innenstadtbereich. Nur: So etwas ist leicht gefordert, aber wer soll das bezahlen?“, sagt Dirk Rutenhofer.

Darum ist der Boulevard Kampstraße immer noch ein Grund zur Freude

Für Dirk Rutenhofer ist es ärgerlich, dass der geplante Boulevard Kampstraße zwischen Petri- und Reinoldikirche sich immer weiter verzögert. „Aber“, sagt er ganz schnell, „die Stadt Dortmund kann nichts dazu. Zuletzt gab es auf eine Ausschreibung kein Angebot. Darum musste der letzte Bauabschnitt erneut ausgeschrieben werden.“

Seit vielen Jahren gibt es Pläne für einen Boulevard Kampstraße zwischen der Reinoldi- und der Petrikirche in Dortmund.

Seit vielen Jahren gibt es Pläne für einen Boulevard Kampstraße zwischen der Reinoldi- und der Petrikirche. Die Neugestaltung der Straße verzögert sich jedoch immer wieder. Nach aktuellem Stand ist eine Fertigstellung nicht vor 2024 möglich. © Archiv

Vorgesehen ist ein Boulevard mit einem Lichtband und einer Wasserachse. „Es ist ein Leuchtturmprojekt für die City. Irgendwann wird es fertig - und dann ist es auch schön und ein städtebauliches Meisterstück“, so Rutenhofer.

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Dass ihm die Anlieger der Kampstraße leid tun, hat er während seiner Amtszeit schon häufiger gesagt. „Es braucht Geduld“, sagt er einmal mehr und verweist auf die bereits fertiggestellten Bauabschnitte und den immerhin schon sichtbaren Neubau des BaseCamps auf dem ehemaligen Grundstück des Karstadt-Technikhauses.

„Dass hier neue Gewerbeflächen im Erdgeschoss entstehen und junge Menschen in die rund 430 Appartements des Studentenwohnhauses einziehen, ist wunderbar. Besser geht‘s doch gar nicht“, so Rutenhofer.

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