CDU-Mann bringt sich als Chef ins Spiel - und will Neuwahlen für alle Spitzen

dzNeuer CDU-Parteichef?

Die „Datenschutz-Affäre“ ist weiter Thema: Die beschuldigten CDU-Parteivize halten an ihren Ämtern fest. Derweil bringt sich ein Kandidat für die Nachfolge von Parteichef Kanitz ins Spiel.

Dortmund

, 06.10.2020, 14:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Strafanzeige der Jungen Union (JU) gegen die beiden Parteivize Middendorf und Hofmann führt in Dortmunds CDU seit Tagen zu heftigen Debatten. „Unabhängig davon, ob die Staatsanwaltschaft nun ein Ermittlungsverfahren eröffnet oder nicht – der politische Schaden für die Partei ist da“, resümiert ein CDU-Vertreter, der öffentlich nicht genannt werden möchte. Darüber werde in den Gremien zu reden sein, heißt es.

Das soll kommenden Montag (12.10.) geschehen. Die CDU hat eine Vorstandssitzung einberufen, bei der offenkundig Tacheles gesprochen werden soll. Dabei dürften vor allem die Parteivize Thorsten Hofmann und Claudia Middendorf im Mittelpunkt stehen.

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Beide sehen sich einer Strafanzeige der JU ausgesetzt. Die Nachwuchsorganisation wirft Hofmann und Middendorf vor, im Zusammenhang mit der Wahl von Sarah Beckkhoff als JU-Chefin unerlaubt auf Kontaktadressen der JU-Mitglieder zurückgegriffen und in der Folge versucht zu haben, die Wahl mit einem Gegenkandidaten beeinflussen zu lassen.

Datenschutz-Affäre: CDU-Vorstand berät über Konsequenzen

Sascha Mader, ebenfalls Partei-Vize, mochte sich auf Anfrage zu den Vorwürfen inhaltlich nicht äußern. Mader ist mit Blick auf den für Montag (12.10.) angekündigten Rücktritt von Parteichef Steffen Kanitz derzeit bemüht, vor Ort die Fäden zusammen zu halten. „Ich erwarte, dass es bei der Vorstandssitzung zu Diskussionen kommen wird“, sagte Mader auf Anfrage.

„Dabei wird es auch um die Frage gehen, welche Konsequenzen aus den Vorwürfen zu ziehen sind“, formulierte Mader, der auf Vorschlag von Kanitz den CDU-Vorsitz in einem ersten Schritt kommissarisch übernehmen soll.

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Wie Mader weiter ausführte, soll „für die zweite Novemberhälfte“ ein ordentlicher Parteitag einberufen werden. Er kündigte an, dass er sich den Delegierten für das Amt des Parteichefs und somit als Nachfolger von Kanitz zur Verfügung stellen werde. „Ich bin dazu bereit“, sagte Mader.

Delegierte sollen auch über die Stellvertreter neu bestimmen

Was er ebenfalls sagte: Er werde in der kommenden Vorstandssitzung vorschlagen, den Parteitagsdelegierten im November die Möglichkeit zu geben, den gesamten CDU-Vorstand neu zu wählen – inklusive der drei Stellvertreter. Insider verstehen das als klare Ansage an die Delegierten, für frischen Wind in der CDU-Führung zu sorgen.

Rein formell bedürfte es eigentlich keiner Neuwahl der drei Partei-Vize: Sie waren zuletzt im Juli 2019 für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt worden. Hofmann wollte unter Hinweis „auf das laufende Verfahren“ keine Stellung nehmen, wie er auf Anfrage erklärte. Claudia Middendorf war trotz mehrfacher Versuche nicht zu erreichen.

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