CDU, Grüne oder SPD: Spannendes Rennen ums Amt des Bezirksbürgermeisters

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Wer nimmt zukünftig auf dem Stuhl des Bezirksbürgermeisters Platz? Mehr als drei Wochen nach der Kommunalwahl ist im Stadtbezirk Lütgendortmund das Rennen um das begehrte Amt noch völlig offen.

Lütgendortmund

, 07.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kann Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) noch eine weitere Legislaturperiode im Amt bleiben? Oder muss er für die erfahrene Karin Neumann (CDU), bislang seine Stellvertreterin, Platz machen? Oder macht gar Neuling Julia Kowal (34, Grüne) das Rennen um den begehrten Posten?

Über drei Wochen nach der Kommunalwahl und rund fünf Wochen vor der konstituierenden Sitzung samt Wahl des Bezirksbürgermeisters und seines Vizes ist in dieser Frage weiterhin alles offen. Erste Gespräche haben wohl schon stattgefunden, weitere sollen folgen. Über mögliche Allianzen schweigen sich die drei Fraktionen aus.

Keine Fraktion schafft es aus eigener Kraft

Fakt ist: Aus eigener Kraft wird es keine schaffen, sich das Amt des Bezirksbürgermeisters oder der Bezirksbürgermeisterin zu schnappen. Dafür fehlt jeder die nötige Mehrheit im 19-köpfigen Vorort-Parlament. Die SPD wird zukünftig sieben, CDU und Grüne jeweils vier Sitze haben. Hinzu kommen vier Einzelkämpfer mit je einem Sitz: Die Linke, Die Partei, FDP und AfD.

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Alle drei Parteien stehen nach eigener Aussage noch am Anfang der Verhandlungen. Zunächst, betonen sie unisono auf Anfrage dieser Redaktion, ginge es aber um inhaltliche Übereinstimmungen, erst danach um die Personalien.

Julia Kowal ist erst 34 und dreifache Mutter: Das Amt der Bezirksbürgermeisterin traut sie sich trotzdem zu.

Julia Kowal ist erst 34 Jahre und dreifache Mutter: Das Amt der Bezirksbürgermeisterin traut sie sich trotzdem zu. © Die Grünen

Denkbar und realistisch sind mehrere Konstellationen: Gelingt der SPD als stärkste Fraktion eine Allianz mit der CDU oder den Grünen, dürfte einer weiteren Amtszeit von Heiko Brankamp als Bezirksbürgermeister nichts im Wege stehen. Winken CDU und Grüne ab, kann die SPD nur mit drei der vier Einzelkämpfer die nötige Mehrheit holen.

„Unsere Türen stehen für alle offen, außer für Rechts“, sagt die SPD-Stadtbezirksvorsitzende Carla Neumann-Lieven. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt sie aus.

Wasserstandmeldung Ende nächster Woche

„Unser Wunsch ist es, dass Heiko Brankamp Bezirksbürgermeister bleibt. Das werden wir so in die Waagschale werfen, was als stärkste Fraktion auch durchaus legitim ist“, so Neumann-Lieven. Die SPD beginne erst in der laufenden Woche mit den Gesprächen. „Ende der nächsten Woche hoffen wir, eine Wasserstandsmeldung verkünden zu können.“

Verbünden sich CDU und Grüne, kommen sie zusammen auf acht Stimmen. Damit wären sie zwar stärker als die SPD, aber nicht stark genug, um die Wahl zu gewinnen. Auch sie bräuchten die Unterstützung von mindestens zwei weiteren Bezirksvertretern.

Karin Neumann (CDU) ist bislang stellvertretende Bezirksbürgermeisterin.

Karin Neumann (CDU) ist bislang stellvertretende Bezirksbürgermeisterin.

Karin Neumann oder Julia Kowal?

Damit wäre dann aber noch immer nicht die Frage geklärt, wer Heiko Brankamp beerben wird. Denn sowohl Karin Neumann als auch Julia Kowal haben Ambitionen.

In einem früheren Gespräch drückte es die CDU-Bezirksvertreterin und Vize-Bezirksbürgermeisterin so aus: „Man würde gerne alles werden, sonst hätte man nicht kandidiert.“ Konkreter wird auch der Stadtbezirksvorsitzende Dr. Arne Küpper nicht: „Jede Partei mit einem gewissen Sitzanteil kann ihren Wunsch für diese Position äußern.“

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Auch Grünen-Sprecherin Julia Kowal, 34 Jahre alt und dreifache Mutter, will sich im Fall der Fälle der Herausforderung stellen: „Ich traue mir die Aufgabe zu, weil ich einen starken Ortsverband im Rücken habe.“ Man müsse aber erst alle Gespräche abwarten und sich dann mit der Basis abstimmen, erklärt sie. „Inhalte gehen vor Posten“, betont auch die gelernte Redakteurin.

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