Bürogebäude in Top-Lage seit einem Jahr leer – ist Hörde unattraktiv?

dzStrukturwandel in Hörde

Seit mehr als einem Jahr steht die schwebende Etage in Hörde leer. Jetzt soll bald ein neuer Mieter einziehen – doch die Umstände sind widrig, trotz des guten Standorts am Bahnhof.

von Alexandra Wachelau

Hörde

, 23.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was bei Pendlern und Anwohnern ein umstrittener Ort ist, wird von anderen als Top-Lage bezeichnet: der Bahnhof in Hörde.

Bald ziehen am Hörder Bahnhof neue Mieter ein. Und zwar in die schwebende Etage, den markanten Bau über der Rewe-Filiale an der Hörder Bahnhofstraße 8-14. Die Fläche steht seit mehr als einem Jahr leer. Ein Anzeichen für die Folgen des Strukturwandels in Hörde?

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Martin Steinfort vermittelt die 152 Quadratmeter für den Eigentümer des Gebäudes Pink Invest. Die Agentur „Fonfee UG“ hatte sich vorher in dem markanten Gebäude niedergelassen, auch jetzt soll die Fläche wieder als Büro genutzt werden.

Bau kann nur als Büro genutzt werden

Laut Steinfort liege das allerdings nicht an einer Präferenz des Eigentümers, sondern an der Beschaffenheit des Baus: „Da es nur einen Ein- und Ausgang gibt, blieb eine anderweitige Nutzung außer Frage“, sagt er.

Aus Brandschutz-Gründen ist nur eine Büronutzung genehmigt worden – obwohl laut Steinfort rund 90 Prozent der Anfragen aus dem wohnwirtschaftlichen Bereich kämen.

Vorher war in dem Bau die "Fonfee UG" untergebracht.

Vorher war in dem Bau die "Fonfee UG" untergebracht. © Alexandra Wachelau

„Der Markt ist beim Bürogewerbe schon seit Jahren sehr zurückhaltend“, bemerkt Martin Steinfort. Auch sei ein Standort in Hörde nicht besonders attraktiv, zumindest keiner abseits des Phoenix-Sees. „Wir hatten ja die Hoffnung, dass die günstige Situation am Phoenix-See in den Handelsbereich der Hörder Mitte herüberschwappt“, sagt Steinfort.

Hörde sei nicht attraktiv genug

Momentan sehe das aus seiner Sicht nicht so aus, im Gegenteil: „In Hörde sind viele Leerstände zu verzeichnen“, sagt er. Abseits vom Phoenix-See habe es der Handel sowieso nicht leicht: Die Corona-Krise, die Baustelle an der Faßstraße und die stärkere Fokussierung auf den Online-Handel animieren immer weniger Kunden, vor Ort shoppen zu gehen. „Da wird noch in Zukunft mit Leerständen zu rechnen sein“, prophezeit Steinfort.

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Patrik Wutschke vom Aktivkreis Hörde schätzt das anders ein. „Die Mieten am Phoenix-See sind exorbitant, viele können es sich schlicht nicht leisten, am See zu mieten oder kaufen“, sagt er. Vor allem bei Start-ups sei das der Fall.

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Immobilienmakler Thomas Westholt sagt dazu: „Es ist leider so: Der Phoenix-See ist imagemäßig ein super Projekt für Hörde. Aber in der Innenstadt kommt davon leider noch nicht viel an.“

Das liege laut Westholt an zwei Gründen: Auch er nennt die Baustelle an der Faßstraße. „Aber vor allem hat Hörde auch ein Problem mit der Trinkerszene“, sagt er.

Trinkerszene vertreibe Kunden und Verkäufer

Vor allem am Friedrich-Ebert-Platz und am Hörder Bahnhof sei das schon ein langjähriges Problem, das Einzelhändler und Unternehmen vergraule. Was sich dann in den leer stehenden Räumen niederlasse, seien Kioske und Trinkhallen – und die würden das Problem dann weiter befeuern. Ein Teufelskreis.

Am Hörder Bahnhof und am Friedrich-Ebert-Platz gibt es schon seit Jahren eine Trinkerszene. Die ist für fast alle Händler in Hörde ein Ärgernis.

Am Hörder Bahnhof und am Friedrich-Ebert-Platz gibt es schon seit Jahren eine Trinkerszene. Die ist für fast alle Händler in Hörde ein Ärgernis. © Kevin Kindel (A)

Thomas Westholt bleibt dennoch positiv gestimmt. Er ist zweiter Vorsitzender des Aktivkreises Hörde und hat es sich mit dem Verein auf die Fahnen geschrieben, den Strukturwandel möglichst zugunsten der City zu nutzen.

„Eine Abspaltung darf nicht passieren, das wäre sonst eine vertane Chance“, sagt er. Mit „Abspaltung“ meint er die Unterscheidung zwischen der Klientel am Phoenix-See und der Hörder Innenstadt.

Mit dem Brückenfest, dem Hörder Frühling und einem Weihnachtsmarkt am Phoenix-See sollen die unterschiedlichen Menschen und Unternehmen aus Hörde näher zusammengebracht werden. Durch Corona ist das momentan nicht möglich. Doch verworfen werden die Pläne nicht, wie Westholt betont.

Ob die Trinkerszene dafür sorgte, dass über dem Bahnhof ein so langer Leerstand herrschte, kann Westholt nicht sagen. „Die Lage ist top“, sagt Vermögensberater Martin Steinfort. Auch das auffällige Äußere sei attraktiv für die neuen Mieter, die wahrscheinlich in zwei Monaten einziehen. Um wen es sich dabei handelt, verrät er vorerst nicht.

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