Warum die Bücher einer verstorbenen Tante in Eving so viel gelesen werden

dzBücherschrank-Diskussion

In Eving gibt es einen Bücherschrank. Dessen Geschichte ist eine besondere. Das Prinzip grundsätzlich: ein Buch rausnehmen, eins reinlegen. Jetzt gibt es Diskussionen um einen zweiten.

Eving

, 24.05.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einem Jahr gibt es in Eving einen Bücherschrank: im Pued-Gebäude an der Deutschen Straße 7. Dort steht der Bücherschrank vor dem Eingang zur Arztpraxis mit Lektüre von Noah Gordons Medicus bis hin zum Reiseführer über Zypern.

Die Geschichte dieses Bücherschranks ist eine besondere: Dr. Ulrich Schmidt-Rosenbaum, Arzt in der Praxis, erzählt: „Das Ding ist ganz einfach so entstanden: Meine Tante ist gestorben, und die hatte viele schöne Bücher.“ Davon hörte Marion Kleinofen, leitende medizinische Fachangestellte der Praxis. Und sie hatte gleich eine Idee: den Bücherschrank.

Auch den Schrank für die Bücher gab es noch irgendwo. Also schleppten sie gemeinsam die Bücher ins Pued. Mitgebracht haben sie auch gleich die passenden Sitzmöbel der Tante, um gleich vor Ort die Bücher anlesen zu können. Schmidt-Rosenbaum ist begeistert: „Andere hätten das auf den Sperrmüll geworfen, für sie war das retro.“ Also zogen die Sessel mit den Büchern nach Eving. Und auch Marion Kleinofen freut sich: „Ich hätte nie gedacht, dass das so gut läuft.“

Diskussionen um einen zweiten Bücherschrank

Nun gibt es Überlegungen, einen zweiten Bücherschrank für Eving einzurichten. Der entsprechende Antrag stand in der Mai-Sitzung nicht zum ersten Mal auf der Tagesordnung der Evinger Bezirksvertretung. Stehen soll die Lektüre auf dem August-Wagner-Platz zwischen der Bezirksverwaltungstelle und dem „Real“.

Grundsätzlich hat niemand etwas gegen die Idee – und doch kommt die Sache nicht voran.

Warum die Bücher einer verstorbenen Tante in Eving so viel gelesen werden

Hier auf dem August-Wagner-Platz zwischen Bezirksverwaltungsstelle und Einkaufszentrum soll ein zweiter Bücherschrank hin. © Britta Linnhoff

CDU und Bündnis 90/Grüne hatten den Antrag in der Bezirksvertretung gemeinsam gestellt. Er scheiterte, weil die Sozialdemokraten ihre Zustimmung versagten. Fraktionsvorsitzende Gabriele Hammacher: „Wir lehnen das ab, weil die Stadtverwaltung uns gesagt hat, dass es dafür einen Trägerverein braucht. Und den haben wir nicht.“

Paten gibt es, einen Trägerverein nicht

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Frommeyer zeigte sich überrascht: Sie war der Ansicht „dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“. In dem Antrag der beiden Fraktionen sind auch zwei Paten benannt, aber es gibt eben keinen Förderverein. „Ich habe noch nie gehört, dass eine Bezirksvertretung für einen Bücherschrank verantwortlich ist“, sagte SPD-Fraktionschefin Hammacher. „Warum sollen wir nicht die erste Bezirksvertretung sein, dies das so macht“, entgegnete Bezirksvertreter Detlef Münch (Freie Bürger), und fuhr fort: „Wir haben die Angelegenheit schon so oft verschoben, wir können das nicht schon wieder tun.“

Doch genau so kam es: Sowohl CDU als auch Grüne kündigten an, sich „noch mal schlaumachen zu wollen“. Der Bücherschrank wird im Juni erneut auf der Tagesordnung stehen.

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