Buchhandlung kommt gestärkt durch die Krise

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Seit Corona läuft einiges anders in der kleinen Dortmunder Buchhandlung. Aber es läuft, vor allem im Online-Shop. Dass sich die Buchhandlung auch ohne Kurzarbeit hält, hat seinen besonderen Grund.

Hörde

, 06.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sobald sich hinter den Schaufenstern von Transfer in Hörde etwas bewegt, stehen Kunden vor der Tür. Dabei öffnet Transfer derzeit erst mittags. Die Buchhandlung reagiert sehr vorsichtig und mit eingeschränkten Öffnungszeiten auf die Lockerungsmaßnahmen für den Einzelhandel.

„Wir haben nicht sofort wieder geöffnet, sondern uns erst einmal Zeit genommen, den Laden umzuräumen und die nötigen Vorkehrungen zu treffen“, sagt Inhaberin Birgit Lange-Grieving.

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Inzwischen weisen rot-weiße Klebestreifen den Weg zwischen den Bücherregalen hindurch, Abstandsmarkierungen schützen den Info- und den Kassen-Bereich, am Eingang steht ein Tisch mit Hinweisen auf die Regeln und Desinfektionsmittel. „Das funktioniert alles sehr gut“, sagt die Chefin. Die Menschen seien inzwischen schon geübt.

Im Eingangsbereich gibt es Hinweise, Desinfektionsmittel und Wegweiser.

Im Eingangsbereich gibt es Hinweise, Desinfektionsmittel und Wegweiser. © Susanne Riese

Fünf Wochen lang hatte Transfer komplett geschlossen. „Unser Online-Shop hat uns gerettet“, sagt Birgit Lange-Grieving ganz klar. Ihn gab es auch vor der Krise, aber jetzt wurde er extrem genutzt, auch von vielen neuen Kunden. „Wir hatten das Zehnfache des normalen Volumens.“

Transfer

Geänderte Öffnungszeiten

  • Transfer bietet zunächst eingeschränkte Öffnungszeiten: Montag bis Freigtag von 14 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr.
  • Online-Shop: transfer-dortmund.de
  • Bestellung auch telefonisch unter Tel. (0231) 286 58 39-0 oder per Mail an info@transfer-dortmund.de

So konnte die Hörder Buchhandlung mit vier Vollzeitmitarbeitern plus einer Auszubildenden anders als einige große Mitbewerber auf Kurzarbeit verzichten. Und das, obwohl Transfer nicht kostenlos ausliefert, wie einige Versandhandel und manche Ketten.

Ohne Versandkostenbeitrag geht es nicht

Erst ab einer Summe von 60 Euro werden die Bücher kostenfrei nach Hause gebracht. Auch das ist eine Besonderheit: Innerhalb von Dortmund stellt die Hörder Buchhandlung die Ware persönlich zu.

Dabei helfen zwei Minijobber und Stammkunden, einfach weil sie den Buchladen in der Krise unterstützen wollen. „Wir haben uns in den fast zehn Jahren hier etwas erarbeitet“, sagt Birgit Lange-Grieving. Die Menschen wissen das offenbar zu schätzen und halten ihrer Buchhandlung die Treue, auch wenn sie woanders versandkostenfrei bestellen könnten. Auch das Abholgeschäft wurde gut angenommen. „Die Schlange ging teilweise bis zur Schlanken Mathilde.“

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Einfach ist es aber auch nach der Wiederöffnung des Ladenlokals nicht. Das Online-Geschäft laufe noch immer auf hohem Niveau und gleichzeitig sei auch im Laden viel zu tun. Dort sei mindestens eine Kraft mehr nötig, um die Kunden zu bedienen und auf das Einhalten der Regeln und Abstände zu achten. „Es kommen doch immer wieder Leute ohne Mundschutz, etwa um mal eben etwas abzuholen. Dann müssen wir wieder diskutieren.“

Bestellungen wurden aus dem Bestand bedient

Für Transfer war es hilfreich, auf einen großen Bestand zurückgreifen zu können, den die Liefersituation sei noch immer etwas schwierig. Die Verlage seien noch nicht ganz aus ihrer Corona-Starre erwacht.

„Viele haben sehr radikal die Neuerscheinungen zurückgehalten.“ Niemand habe gewusst, ob und wann die neuen Titel erscheinen, die eigentlich für das Frühjahr angekündigt waren. „Es fehlte einfach die Sichtbarkeit, die Neuerscheinungen wurden gar nicht wahrgenommen.“

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Das habe gezeigt, wie wichtig der stationäre Buchhandel ist. Dort sehen die Menschen die neuen Bücher im Fenster und auf den Tischen, sie können darin herumblättern und sich informieren.

So hat die Krise bei allen negativen Auswirkungen also auch etwas Gutes gebracht. Trotzdem hoffen auch bei Transfer alle, dass bald wieder alles normal läuft.

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