Dat Prinzip Miet-Grün gibts eigentlich schon seit übba 100 Jahre

dzWenn Sie Günna fragen...

Wenn Sie Günna fragen, hat Günna immer eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Immer ehrlich, immer direkt, immer Dortmund. Thema diesmal: Kleingärten in Zeiten einer Pandemie.

von Bruno "Günna" Knust

Dortmund

, 22.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hömma, Fritz, man sacht dat jeder 6. Deutsche seine Freizeit am liebsten im Kleingarten verbringt und wegene Pandemie mittem bösen C-Wort iss dat heute vom Stellenwert sogar noch wichtiger geworden und ausse Not heraus suchen die Leute widda verstärkt dat Glück im Kleinen.

In Zeiten von Reisewarnung und schwer an Kohlerar erkrankte Girokontos iss dat fast widda so wie früher wo wir Kinder unsere Ferien auch nur im Schrebergatten verbracht ham und ohne Aufpasser frei rumtoben durften. Ich denk da noch oft dran zurück weil die Vereinigten Hüttenwerke mit all den Mini-Lauben und Normhecken für uns viel mehr als Büllerbü für Ruhrpott-Blagen war.

Und darum versteh ich auch gut dat in Zeiten der Krise bei Großstädtlern der Wunsch nach Erholung und Stressabbau inne Natur vorhanden iss und Familien mit Kinder die Mehrzahl der Bewerber stellen fürde Neuverpachtung von Kleingärten.

Alteingesessene Blümchen-Macchiavellis

Dat Prinzip Miet-Grün gibts eigentlich schon seit übba 100 Jahre und während du früher Lebensmittel fürn Eigenverzehr angebaut hass iss dat heute beinah schon Schrebergatten 2.0 weil sich die Bedingungen im Laufe der Jahre natürlich verändert ham.

Dat Gärtnern steht nich mehr bei alle Nutzer im Vordergrund und man könnte fast glauben dat dat alte Klischee vonne Spiessichkeit jenseits der Hecken längst Vergangenheit iss abba richtiger Vereins-Mief klebt woll wie Kaugummi und führte jetz anne heissen Hundstage in Doatmund sogar zum Zoff am Gattenzaun. Alteingesessene Blümchen-Macchiavellis gegen schwitzende und nach Abkühlung lechzende Neu-Sommerfrischler die es gewagt hatten ihre Parzelle mit nem Wasser-Pool aufzupimpen um sich inne Ferien damit ein Hauch von Schrebergatten-Malle zu gönnen.

Der Erfinder der Schwarzen Pädagogik

Abba die Vorstellungen von wat geht und wat nich sind unta Laubenpieper woll sehr ungleich denn der kleingärtnerische Geist im Stadtverband der Gartenvereine sprach sich trotz odda wegene Hitze gegen die Urlaubs-Option Gatten aus und verhängte für die 119 Schrebergärten in Doatmund ein striktes Pool-Verbot.

Ich glaub der alte Moritz Schreber als Namensgeber vonne Vereins-Gärtnerei hätte an diese Überregulierung mit Paragraphentreue seine wahre Freude gehabt denn der war ja auch der Erfinder der Schwarzen Pädagogik wo Zucht und Ordnung als ein ganz spezielles Erziehungsmittel galt.Hömma, Fritz, Gehorsam und Drill sind zum Glück Vergangenheit und der vorgestrige Stadtverband sollte jetz ma inne Erntezeit die Erkenntnis pflücken dat für Jägerzäune im Oberstübchen dat Gleiche gilt. Prost.

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