Haus Beckhoff, Optik Schuhkraft und ein Blumenladen - Brunhilde Esser (76) hat viele Gründe, den Brackeler Hellweg zu mögen. Doch es gibt noch etwas, was sie besonders schätzt.

Brackel

, 28.06.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Brunhilde Esser (76) wohnt seit 45 Jahren an der Cäcilienstraße ganz in der Nähe des Brackeler Hellwegs. Die gebürtige Kasselerin, die dort als Friseurmeisterin gearbeitet hat, ist der Liebe wegen nach Brackel gezogen und hat es nicht bereut. Die Hauptverkehrsader im größten Stadtteil des Dortmunder Ostens, den Brackeler Hellweg, schätzt sie besonders wegen der Freundlichkeit der Menschen, die dort arbeiten. „Selbst in den Discountern wie Tedi und Kik ist das so“, sagt sie, „Früher waren diese Läden ja vor allem als Ramschläden verschrien. Aber das gilt heute nicht mehr. Heute sind sie sauber und freundlich.“ Wobei: Ein bisschen bedauere sie schon, dass es keine hochwertigen Modegeschäfte mehr gebe wie früher.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Keine Ramschläden sind laut Brunhilde Esser die Kik und Takko-Filialen am Brackeler Hellweg. © Andreas Schröter

Wir haben uns mit Brunhilde Esser getroffen und mit ihr einen Spaziergang über den Brackeler Hellweg gemacht. Unsere erste Station ist das Haus Beckhoff der Evangelischen Kirche. Sie kehre dort sehr gerne ein, sagt Brunhilde Esser, man könne sich dort beim Mittagstisch zur Not auch einen Henkelmann füllen lassen. Die meisten Besucher sind Stammkunden. „Und die haben ihre besonderen Gewohnheiten“, sagt Olga Lestschewa vom Mitarbeiterteam. „Wir wissen schon, was bestellt wird, wenn wir sehen, wer das Café betritt.“ Auch die kleinen Veranstaltungen, die dort regelmäßig stattfinden, mag Brundhilde Esser gerne. Dazu gehören Märchenbühne, Kabarett oder Konzerte.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Diese Frauen-Runde frühstückt gern im Haus Beckhoff. © Andreas Schröter

Wir haben Glück, als wir das Haus betreten: Ein Frauenstammtisch sitzt gemütlich beim Frühstück zusammen, und wir werden mit großem „Hallo“ begrüßt. Wir sollen Platz nehmen und ebenfalls etwas essen. Aber wir schießen nur kurz ein Foto und setzen unseren Spaziergang fort. Brundhilde Esser mag generell die Gegend um die Evangelische Kirche als Ort der Ruhe im sonstigen Trubel des Hellwegs. „Früher haben wir auf dem Kirchenvorplatz immer einen Weihnachtsbaum gekauft und ihn uns anschließend im Haus Beckhoff schön getrunken“, sagt sie lachend. Schade sei lediglich, dass das Haus Beckhoff nicht barrierefrei sei.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Ein Blick über den Brackeler Hellweg in Höhe der Kommende © Andreas Schröter

Nächste Station ist Optik Schuhkraft am Brackeler Hellweg 129 und danach der Brackeler Blumenladen gegenüber des dm-Marktes. In beiden Geschäften hat Brunhilde Esser sowieso noch etwas zu erledigen.

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Unser Spaziergang über den Brackeler Hellweg führt langsam wieder zurück zur Cäcilienstraße, aber unterwegs hat Brunhilde Esser noch viele weitere Tipps: Das Fischrestaurant Wahl-Fisch gehört genauso dazu wie der Lottoladen Lohsträter („der füllt mir auch mein Feuerzeug“) oder der Bio-Laden. „Dort habe ich neulich eine Pflanze für 14 Euro gefunden, die im Supermarkt 19 Euro kosten sollte, aber lange nicht mehr so frisch war wie die im Bio-Laden.“

Und noch etwas sei schön am Brackeler Hellweg: Wenn sie „ins Dorf“ gehe - so nennen die Brackeler ihre Ortsmitte um den Hellweg, „treffe ich jede Menge Leute.“ Unter anderem liege das an ihren beiden Tibet-Terriern Matze und Lemmi sowie an Vorgänger Fritze, ebenfalls ein Tibet-Terrier. Esser: „Wenn man Hunde hat, kommt man ganz schnell mit den Menschen ins Gespräch. Oder es liegt an meiner lockeren Art, ich weiß nicht.“

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Erinnerung an alte Zeiten: Die Gaststätte „Zur alten Post“ steht seit Langem leer. © Andreas Schröter

Brunhilde Esser lobt besonders auch die gute Verkehrsanbindung des Brackeler Zentrums. Man sei mit dem Auto im Nu auf der B1 oder auf der B236. Und in die Innenstadt fahre sie nur mit der Stadtbahn, die bekanntlich mitten über den Hellweg rauscht. Von dem Vorhaben der Brackeler SPD, auf dem Hellweg Tempo 30 zu erlassen, hält sie allerdings nicht viel: „Hier kann man doch meist eh nicht schneller fahren als 30, und wenn es doch mal geht, soll das doch auch erlaubt sein.“

Das ist der Brackeler Hellweg

Der Brackeler Hellweg verläuft in west-östlicher Richtung von der Einmündung zur Hufelandstraße - vorher heißt er Wambeler Hellweg - bis etwa zum Rewe-Zentrallager - danach heißt er Asselner Hellweg. Er ist Teil des Westfälischen Hellwegs. Dabei handelt es sich um eine über 5000 Jahre alte, aus vorrömisch-germanischer Zeit stammende Verbindung vom Rhein bei Alt-Homberg über Duisburg, Essen, Dortmund, Unna, Werl, Soest, Erwitte, Geseke, Salzkotten, Paderborn bis Corvey.

Tipp 1: Optik Schuhkraft, Brackeler Hellweg 129

Unabhängig voneinander sind Ulrike und Uwe Schuhkraft in Augenoptiker-Familien aufgewachsen und haben schon früh ihr Handwerk kennengelernt. Ihr erstes eigenes Geschäft haben sie bereits im Jahre 1995 in Brackel eröffnet, nur wenige Häuser vom jetzigen Standort entfernt. Auch hier werden wir freundlich begrüßt, und die Inhaber Ulrike und Uwe Schuhkraft sind gerne bereit, sich mit ihrer Kundin fotografieren zu lassen. Brunhilde Esser soll Bescheid geben, wie sie mit ihrer neuen Brille zurechtkommt.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Ulrike und Uwe Schuhkraft beraten Brunhilde Esser. © Andreas Schröter

Tipp 2: Brackeler Blumenladen, Brackeler Hellweg

Brunhilde Esser sagt über dieses eher kleine Blumengeschäft: „Wenn Sie mal einen schönen Strauße für Ihre Frau für 4,50 Euro suchen, sind Sie hier genau richtig.“ Inhaberin Silke Schwarz ist gerne bereit, sich für ein Foto mit ihrer Kundin ablichten zu lassen. Und als diese fragt, ob eine bestimmte Pflanze, die gerade nicht vorrätig ist, später auch nach Hause geliefert werden könne, ist das natürlich gar kein Problem.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Freundlich begrüßt Silke Schwarz ihre Kundin Brunhilde Esser im Blumenladen. © Andreas Schröter

Tipp 3: das Zanolli-Edoardo-Eiscafé, Brackeler Hellweg 107

Brunhilde Esser mag das Zanolli-Edoardo-Eiscafé als Fleckchen für eine kleine süße Sünde zwischendurch - zum Beispiel auf einem Einkaufsbummel - auf dem verkehrsumtosten Brackeler Hellweg. Und von dem bekommen man gar nicht mehr viel mit, wenn man einmal einen Sitzplatz gefunden habe und bei den leckeren Eiskreationen problemlos den Alltag vergessen könne. Auch hier mag sie das freundliche Personal.

Brackeler Hellweg: Brunhilde Esser (76) verrät, warum es sich hier so besonders gut lebt

Ein Tipp für Eis-Liebhaber ist das Zanolli-Edoardo-Eiscafé. © Andreas Schröter

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