Corona-Krise: Dortmunds Bier wird schlecht

dzProbleme bei Brauereien

Die Brauereien in Dortmund stehen vor einem großen Problem: Teile ihrer Bier-Vorräte drohen schlecht zu werden - Schuld ist die Corona-Krise. Nun werden drastische Maßnahmen ergriffen.

Dortmund

, 06.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gastronomie ist während der anhaltenden Corona-Krise weitestgehend zum Erliegen gekommen. Restaurants, Kneipen und Gaststätten sind geschlossen und somit bleiben vielerorts die Zapfhähne still. Das führt auch in Dortmund dazu, dass sich in den Lagern der Brauereien das Fassbier sammelt und droht, schlecht zu werden. Die Folge: Manche Vorräte müssen vernichtet werden.

Davon betroffen ist unter anderem die Bergmann-Brauerei auf Phoenix-West, wie Gründer Thomas Raphael bestätigt: „Es ist leider so, dass wir vermutlich einige unserer Vorräte vernichten werden müssen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wird.“ Die betroffene Ware werde dann unter Aufsicht des Zolls fachgerecht entsorgt.

Suche nach neuen Verwertungswegen

Wann genau das Bier ablaufe und welche Mengen davon betroffen sein werden, könne man aktuell noch nicht sagen. „Wir werden uns einen Überblick verschaffen.“ Das momentane Problem ist laut Raphael, „dass wir noch wirklich handwerkliche Biere verkaufen. Das Bier wird also nicht pasteurisiert und ist demzufolge häufig nur einige Wochen haltbar.“

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Um die zu vernichtende Menge allerdings so gering wie möglich zu halten, entwickle man derzeit neue Verwertungswege. So wolle man das Fassbier nach Möglichkeit in Flaschen umfüllen, oder den Sud an Schnapsbrennereien weiterverkaufen.

Thomas Raphael von der Bergmann-Brauerei in Dortmund.

Laut Dr. Thomas Raphael von der Dortmunder Bergmann-Brauerei müssen bald Teile des Bier-Vorrats vernichtet werden. © Archiv

„Dort kann aus dem Sud noch Bierbrand hergestellt werden. Wir müssen auf jeden Fall unterschiedliche Dinge ausprobieren“, betont Raphael.

Auch Brinkhoff‘s und Kronen betroffen

Dass das Thema „Mindesthaltbarkeitsdatum“ für die Getränke- und Brauwirtschaft durchaus drängend ist, unterstreicht auch Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien, aus denen die großen Marken wie Brinkhoff‘s und Kronen kommen: „Es wird weder Fass- noch Flaschenbier nachgefragt und das spüren auch wir sehr deutlich.“

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Vor allem die fehlende Planungssicherheit sei ein großes Problem. Außerdem gehe er davon aus, dass auch erste Lockerungen in der Gastronomie nur bedingt helfen. Das liege vor allem an den Abstandsgeboten. „Durch die dann geringere Auslastung der Restaurants werden nicht die Umsätze von vor der Corona-Krise erreicht, und damit auch die Bierabsätze nicht“, betont Helmich.

Weitere Absatzeinbußen werden erwartet

Die Folge: Noch mehr Bier muss kontrolliert entsorgt werden. Helmich zufolge können auch die Dortmunder Brauereien derartige Maßnahmen nicht ausschließen. Doch auch hier ist die genaue Menge ungewiss. „Dazu sind die Rahmenbedingungen einfach zu schwankend“, sagt Helmich.

Mit dem Vernichten von eigenen Vorräten gehen jedoch nicht nur Rohstoffe und Ressourcen verloren, so Helmich weiter, man rechnet außerdem mit zusätzlichen Absatz- und Umsatzverlusten. Hinzu komme, dass zuvor „viel Aufwand, Mühe und Herzblut“ in die Produktion geflossen sei und der Ertrag am Ende ausbleibe.

Problem auch bei Gaststätten bekannt

Unterdessen ist das Problem auch bei Gaststätten durchaus präsent. Das Ausmaß ist allerdings weitaus geringer, wie beispielsweise Philip Winterkamp, einer der beiden Geschäftsführer der Muto Heimatgastronomie, zu der unter anderem das Restaurant Balke im Kreuzviertel gehört, erzählt: „Da wir unsere Warenhaltung ohnehin meistens für knapp zwei Wochen planen, haben wir nicht so große Mengen an Bier im Lager. Bei uns betrifft das Problem eher die Anbruchfässer.“

Davon habe er momentan noch rund zehn Stück, die auch entsorgt werden müssen. „Aber wir haben das Problem auch darüber hinaus im Auge. Wir werden demnächst die Bestände durchgehen und müssen dann schauen, inwieweit wir die Schubladen wieder auffüllen müssen“, unterstreicht Winterkamp.

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