Leere Klassenzimmer - das ist für die Elternvertreter keine dauerhafte Perspektive (Symbolbild). © dpa
Pandemie

Brandbrief an Merkel: Eltern stellen Forderung zum Corona-Schutz an Schulen

Wie geht es in den Schulen ab Mitte Februar weiter? Elternvertreter wie die Dortmunder Stadtelternsprecherin Anke Staar erheben in einem Brief an die Bundeskanzlerin klare Forderungen.

Normalerweise macht Anke Staar als Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern und als Vorsitzende der Landeselternkonferenz etwa in Videokonferenzen gegenüber dem NRW-Schulministerium ihr Wort. Jetzt gehört sie zu den Unterzeichnern eines Brandbriefes an Bundeskanzlerin Angela Merkel – verbunden mit scharfer Kritik an der Corona-Politik der Länder.

Die Bundeskanzlerin gilt als Verfechterin einer klaren Linie bei den Corona-Maßnahmen, die vor allem den Präsenzunterricht an Schulen in voller Klassenstärke kritisch sieht. Vor diesem Hintergrund hoffen die Elternvertreter jetzt auf Unterstützung von Angela Merkel.

Sie fragen, wie es nach dem Ende des aktuellen Lockdowns Mitte Februar weitergeht. Das Schreiben wurde von Landeselternverbänden verschiedener Bundesländer, darunter auch aus Nordrhein-Westfalen auf den Weg gebracht.

Sie ärgern sich über die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern und vermissen vor allem langfristige und einheitliche Konzepte für den Schulunterricht unter Corona-Bedingungen.

Langfristige Konzepte werden vermisst

„Seit Monaten fordern wir – inzwischen geradezu verzweifelt – von den zuständigen Landesministern die Erstellung stringenter Konzepte für den Schulbetrieb in Pandemie-Zeiten“, heißt es in dem Brief.

„Leider müssen wir konstatieren, dass auch 11 Monate nach Beginn der Pandemie keine einheitlichen Standards zur Umsetzung hinreichenden Infektionsschutzes existieren – in keinem Bundesland.“

Vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von Schulen und den psychosozialen Folgen von Schulschließungen für Kinder und Familien sei es schlicht nicht hinnehmbar, dass immer noch „keine dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand entsprechenden Rahmenbedingungen konzipiert sind, geschweige denn tatsächlich umgesetzt werden“.

Kritik an Landesregierungen: „beratungsresistent“ und „mangelnde Bereitschaft“

Hart ins Gericht gehen die Eltern dabei mit den Landesregierungen. Ihnen halten sie eine „nachhaltige und beratungsresistente Realitätsverdrängung“ und „mangelnde Bereitschaft die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen“ vor.

„Die Pandemie führt inzwischen zu einer deutlich wahrnehmbaren sozialen Spaltung der gesamten Gesellschaft, welche sich durch den Umgang mit den Schulen weiter verfestigen wird“, heißt es in dem Brief.

Die Eltern fordern einen Mittelweg zwischen Präsenzunterricht ohne ausreichenden Infektionsschutz und geschlossenen Schulen. Eine Betreuung in Präsenz sei vor allem für junge Kinder und Kinder mit besonderem Förderbedarf „essentiell“. Mit den an den Schulen „bislang existierenden, unzureichenden Schutzvorkehrungen könne aber ein dauerhafter Schul- und Betreuungsbetrieb in Präsenz nicht sichergestellt werden.

Eltern stellen drei klare Forderungen

Die Kritik gipfelt in drei Forderungen: Es sollen einheitliche, dem Infektionsschutz angepasste Rahmenbedingungen für einen Schul- und Betreuungsbetrieb in Präsenz geschaffen werden. Dazu sollen neben der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln mobile Luftfilter, Plexiglastrennwände und FFP-2-Masken gehören.

Wenn die Infektionslage Präsenzbetrieb in den Schulen nicht zulasse, solle es zum Distanzunterricht mit Unterstützungsangebote für Familien und alternative Modelle vor Ort geben.

Nicht zuletzt fordern die Eltern, dass Tests und Prüfungen an den Umstand angepasst werden, dass das Schuljahr 2020/2021 kein „normales“ Schuljahr sei.

Fragen rund um das Thema Schule beantworten wir in unserem kostenlosen Live-Talk am Dienstag, 2. Februar, um 18.30 Uhr unter www.ruhrnachrichten.de. Zu den Experten gehört unter anderem Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium. Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@ruhrnachrichten.de.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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