Ute Kersting betreibt ein Blumenfachgeschäft an der Lindemannstraße. Obwohl sie zwar keine Deko-Artikel, aber weiterhin Blumen und Pflanzen verkaufen darf, wird für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen die Lage immer besorgniserregender. © (A) Dieter Menne
Corona-Pandemie

Blumenhändlerin in Dortmund: „Wir drohen Corona-Verlierer zu werden“

Obwohl Blumenfachgeschäfte im Lockdown bisher geöffnet bleiben dürfen, gehen ihre Umsätze zurück. Blumenhändlerin Ute Kersting aus dem Kreuzviertel erzählt, womit sie zu kämpfen hat.

Immer die gleichen Fragen am Telefon: „Haben Sie geöffnet?“ „Kann ich bei Ihnen ohne Termin Blumen kaufen?“ „Brauche ich einen Test?“ Ute Kersting spürt jeden Tag die große Verunsicherung bei ihren Kundinnen und Kunden.

„Ich könnte eine Bandansage laufen lassen. Die Verbraucher sind einfach nur noch irritiert. Es ist ja nicht verständlich, warum ich beim Besuch eines Juweliers ein negatives Testergebnis vorweisen muss, im Blumenladen aber nicht“, sagt die Geschäftsfrau aus dem Kreuzviertel.

Dass das Geschäft in diesen Tagen dementsprechend nur so lala läuft, kann man sich denken. „Die Leute“, sagt Ute Kersting, „wissen nicht, was gilt und trauen sich sowieso kaum aus dem Haus.“

Blumenläden spüren, dass keine Feiern stattfinden

Und das ist nur ein Problem, mit dem die Floristin in dieser Corona-Pandemie zu kämpfen hat. Hinzu kommen steigende Preise für Blumen und Pflanzen, wachsende Konkurrenz durch den Blumenversandhandel und vor allem weggebrochene Absatzmöglichkeiten.

Wer meint, Blumenläden seien doch die Gewinner der Krise, weil sie in der Corona-Schutzverordnung vermeintlich bevorzugt behandelt werden und weitestgehend geöffnet bleiben dürfen, dem sagt Ute Kersting: „Blumenläden drohen zu den Verlierern der Pandemie zu werden.“

Und die Gründe für die Probleme, mit denen sie ebenso zu kämpfen hat wie viele der rund 8000 Fachgeschäfte in Nordrhein-Westfalen, rattert die 59-Jährige schnell runter: „Es gibt keine Geburtstagsfeiern, keine Hochzeiten. Geschlossene Hotels und zugesperrte Restaurants fallen als Kunden für Blumen und Dekoration weg.

Zudem gibt es wenig Laufkundschaft, der Online-Handel nimmt zu und die Einkaufspreise für Schnittblumen sind gestiegen. Die Erzeuger halten die Ware knapp, weil sie sie nicht tonnenweise vernichten wollen. Wir können aber den Preisanstieg auch nicht 1:1 an die Kunden weitergeben.“

Händlerin: „Wir machen ein Drittel weniger Umsatz“

Ihren Betrieb Blumen-Company an der Lindemannstraße 51 führt Ute Kersting seit 1989. Eine solche Krise hat sie in den über 30 Jahren noch nicht erlebt. „Wir machen ein Drittel weniger Umsatz, während die Kosten für Mieten und Personal weiter laufen. Die Kurzarbeit hilft allerdings und wir können uns so über Wasser halten“, sagt die Unternehmerin.

Den Umsatzrückgang macht sie an einem Beispiel anschaulich: Für eine große Beerdigung würde sie normalerweise etliche Kränze verkaufen. Dazu Schnittblumen an den Gastronomen, bei dem die Trauergemeinde später einkehrt. „Jetzt ist eine Beerdigung mit einem Kranz schon groß“, so Ute Kersting. Und ihr Umsatz ist entsprechend klein.

„Obwohl Blumenfachgeschäfte in Nordrhein-Westfalen zwar bisher fast immer öffnen durften, weil sie verderbliche Ware anbieten und sie mit Blumen und Pflanzen ein absolutes Bedürfnis der Menschen befriedigen, trifft es die Blumenfachgeschäfte sehr, dass unsere Partner in der Hotellerie und Gastronomie im Lockdown sind“, sagt Nicola Fink, Sprecherin des Fachverbandes Deutscher Floristen (FDF) in NRW.

Für die Branche war 2020 ein gutes Jahr

Gleichwohl hat die gesamte Branche ein durchaus gutes Jahr hinter sich. „Ja, wenn man rein auf den Umsatz mit Pflanzen und Blumen schaut, dann war 2020 ein sehr gutes Jahr“, sagt Christoph Rönnecke, der Geschäftsführer des FDF-Landesverbandes.

Man müsse allerdings auch sehen, wo dieser Umsatz stattgefunden hat. „Und dann sieht man, dass die Menschen stark in Gartencentern und Baumärkten, in Supermärkten und auch im Onlinehandel ihre Blumen und Pflanzen kauften“, so Christoph Rönnecke.

Weil Blumen eine emotionale Wertstellung haben, werden sie gerade jetzt in der Pandemie häufig über einen Lieferdienst wie Fleurop verschickt. Das hilft den klassischen Blumenfachgeschäften, die ansonsten deutliche Umsatzeinbrüche zu verkraften haben – weil zum Beispiel keine Feiern stattfinden. © picture-alliance/ dpa © picture-alliance/ dpa

Die Zahlen des Industrieverbands Garten stützen das. Der Marktanteil dieser drei Absatzkanäle erhöhte sich 2020. Für die Blumenfachgeschäfte dagegen ging der Umsatz zurück. Ihr Marktanteil schrumpfte von 15,1 auf 13,7 Prozent.

„Blumen haben immensen emotionalen Wert“

Dennoch hofft man beim Fachverband, dass die Blumenfachgeschäfte auch mit dem geplanten Bundesinfektionsschutzgesetz geöffnet bleiben dürfen. Blumen, so sagt Nicola Fink, hätten einen immensen emotionalen Wert.

„Die Wertstellung der Blume“, bestätigt Ute Kersting, „ist in der Pandemie gewachsen. Das merken wir daran, dass der Lieferdienst mit dem kontaktlosen Zustellen und Bezahlen – etwa über Paypal – stärker in Anspruch genommen wird. Weil man sich nicht besuchen und in den Arm nehmen kann, drückt man die Zuneigung zu jemandem sehr stark mit Blumen aus.“

Immerhin das lässt die klassischen Blumenläden einigermaßen überleben. „Die Floristik-Geschäfte hingegen, die zu 80 Prozent die Event- und Messeschiene bedienen“, sagt Christoph Rönnecke, „sind stark betroffen und einige mussten auch schon aufgeben.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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