Zu Spitzenzeiten stehen hier auf dem Randstreifen der Brackeler Straße über 40 Sattelschlepper dicht an dicht. Das Parken ist dort grundsätzlich nicht erlaubt und birgt Gefahren für den fließenden Verkehr. Ganz in der Nähe ist das Logistikzentrum von Amazon. Ist der Online-Handel an dem riesigen Lkw-Aufkommen schuld? © Oliver Schaper
Verkehrsgefährdung

Bis zu 45 Lkw am Straßenrand: Gefahr für den Verkehr nahe Amazon

Parkende Lkw sorgen an der Brackeler Straße in Höhe von Amazon für Gefahr. Dabei gilt ein allgemeines Parkverbot. Die Polizei musste dort schon mehrmals eingreifen.

Bis zu 45 parkende Sattelschlepper entlang der Brackeler Straße sorgen dort für gefährliche Situationen. Vor allem das Ein- und Ausparken der dicht an dicht stehenden Brummis gefährdet den fließenden Verkehr. Das Parken auf dem Seitenstreifen der Schnellstraße ist daher grundsätzlich verboten. In der vergangenen Woche griff die Polizei ein.

Die Fahrer wurden auf das bestehende Parkverbot hingewiesen, zwei Sattelauflieger mussten aus dem Gefahrenbereich abtransportiert werden und vier Anzeigen wurden geschrieben.

Aus welchem Grund aber kommt es Tag für Tag aufs Neue zu einem solchen Lkw-Lindwurm an der Brackeler Straße? Ein Blick rüber von den Lkw auf die andere Straßenseite legt die Antwort nahe: dort befindet sich das Warenverteilzentrum von Amazon.

Erhöhter Lkw-Verkehr vor Weihnachten

„Ja, wir beobachten, dass einige Lkw-Fahrer, die Amazon oder andere Unternehmen ansteuern, ihre Rast auf markierten Seitenstreifen machen oder auch falsch parken“, sagt Thorsten Schwindhammer, der Sprecher des Online-Händlers. Erfahrungsgemäß führe das Weihnachtsgeschäft zu einem erhöhten Warenumschlag, der auch mit einem erhöhten Lkw-Verkehr einhergehe.

Ein Blick auf das Amazon-Logistikzentrum auf der Westfalenhütte in Dortmund
Ein Blick auf das Amazon-Logistikzentrum auf der Westfalenhütte zeigt die Dimension der Warenverteilung. Hier reiht sich Lkw-Ladung an Lkw-Ladung. Rechts im Bild ist ein Verteilzentrum des Paketdienstleisters DHL zu sehen. © Luftbild Blossey © Luftbild Blossey

Da man dies wisse, habe man zwei Dinge zur Bewältigung des größeren Warenumschlags organisiert. „Wir vereinbaren mit den Logistikunternehmen ein Zeitfenster zur Anlieferung. Dieses Zeitfenster sollte wie vereinbart von den Logistikunternehmen eingehalten werden und wir weisen wie jedes Jahr vor dem Weihnachtsgeschäft noch einmal deutlich darauf hin“, sagt Thorsten Schwindhammer.

Als zweite Maßnahme wurden auf dem eigenen Areal 78 zusätzliche und kostenfreie Stellplätze geschaffen, zu denen, wie zum ohnehin vorhandenen Lkw-Parkplatz, auch Sanitäreinrichtungen (Duschen und Toiletten) gehören. „Aufgrund der Distanzregeln haben wir zwei große Zelte aufgebaut“, so der Amazon-Sprecher.

Direkt gegenüber von den auf dem Randstreifen falsch parkenden Lkw an der Brackeler Straße liegt das Logistikzentrum von Amazon in Dortmund
Direkt gegenüber von den auf dem Randstreifen falsch parkenden Lkw an der Brackeler Straße liegt das Logistikzentrum von Amazon. „Dort wo es Behinderungen durch Fahrzeuge gibt, die uns ansteuern, sind wir willens diese abzustellen“, sagt ein Unternehmenssprecher. © Schaper © Schaper

Offensichtlich reicht das aber alles noch nicht aus, um den Lieferverkehr vor Weihnachten bewältigen zu können. „Wir versuchen, unser Möglichstes zu tun“, sagt Thorsten Schwindhammer und erklärt, dass man auch aus organisatorischen und Sicherheitsgründen nicht jeden Fahrer zu jeder Zeit auf das Gelände lassen könne.

Er versichert: „Dort, wo es Behinderungen durch Fahrzeuge gibt, die uns ansteuern, sind wir Willens, diese abzustellen. Wo es angebracht ist, kontaktieren wir seitens Amazon die Ordnungsbehörden und bitten um Hilfe, ungünstige Parksituationen aufzulösen.“ Das sei auch im Fall „Brackeler Straße“ schon geschehen.

Thorsten Schwindhammer betont dabei noch einmal, dass aber längst nicht alle diese Lkw-Fahrer Amazon ansteuern, sondern viele auch für andere Unternehmen auf der Westfalenhütte unterwegs seien. Und er sagt auch: „Unseres Ermessens nach ist die Situation in diesem Jahr vergleichbar zu den Vorjahren.“

Polizei und Stadt sind in Kontakt

Die Polizei will weiterhin an der Brackeler Straße Kontrollen vornehmen, um das Falschparken zu unterbinden. „Wir haben aber auch Kontakt zur Stadt aufgenommen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden“, sagt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt.

In der Stadtverwaltung will man mit vereinten Kräften das Problem angehen. „Wir wollen mit der Wirtschaftsförderung, dem Bereich Stadtplanung, dem Ordnungs- und dem Tiefbauamt sowie im Gespräch mit Amazon überlegen, was getan werden kann“, sagt Stadtsprecher Maximilian Löchter.

Die Brackeler Straße in Dortmund
Direkt hinter den Lkw liegt an der Brackeler Straße der Parkplatz vom Freibad Stockheide. Kann der im Winter nicht genutzt werden? © Schaper © Schaper

Sozusagen im Schatten der Lkw liegt an der Brackeler Straße der Parkplatz des Freibades Stockheide, der im Winter nicht genutzt wird. Dass er Teil der gesuchten Lösung sein kann, ist eher unwahrscheinlich. Zum einen gehört der Parkplatz nicht der Stadt Dortmund, zum anderen ist auch fraglich, ob er für das Befahren durch schwere Brummis ausgelegt ist.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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