Bierexperte Max Zellmer hat den Durchblick: Was hat das Mindesthaltbarkeitsdatum mit der Qualität des Bieres zu tun? © Irina Höfken
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Bier abgelaufen: Noch trinken oder wegschütten? Ein Experte gibt Tipps

Tausende Liter Bier sind dem Corona-Lockdown schon zum Opfer gefallen. Wie zuverlässig ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum aber überhaupt, wenn es Bier betrifft? Ein Experte klärt auf.

Dass Tausende Liter Bier in Deutschland wegen des Lockdowns anstatt die Kehle den Gully hinabflossen, mag Bierliebhabern einen Stich versetzen. Für Brauer, Getränkehändler und Gastronomen bedeutet das bittere Verluste. An den eingelagerten Bierfässern tickt weiter unerbittlich die Zeitbombe des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum für die Qualität des Bieres?

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von Bier aber überhaupt mit einem Verfallsdatum gleichzusetzen? Darauf hat Max Zellmer eine klare Antwort: „Nein“. Der 37-Jährige ist Storemanager des Dortmunder Bierfachgeschäfts Bierothek in der Thier-Galerie und Fachmann für den goldgelben Tropfen.

Er führt aus: „Es gibt kein Gerät, das man in das Bier hält und wovon sich ein Datum für die Mindesthaltbarkeit ablesen lassen könnte. Auch eine bestimmte Frist ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Jede Brauerei legt das nach ihren Erfahrungen fest.“

Zwischen 150 und 300 Sorten Bier verkauft Bierkenner Max Zellmer in der Bierothek in der Thier-Galerie.
Zwischen 150 und 300 Sorten Bier verkauft Bierkenner Max Zellmer in der Bierothek in der Thier-Galerie. © Max Zellmer © Max Zellmer

Laut Zellmer hängt die Haltbarkeit der Bieres von mehreren Faktoren ab: Von der Qualität der verwendeten Rohstoffe wie Wasser, Malze und Hopfen und der Hygiene bei der Verarbeitung. Industriebrauereien etwa pasteurisieren ihr Bier. Das heißt, sie erhitzen das Bier beim Brauen stark, um es haltbarer zu machen und Keime abzutöten. „Der halbe Geschmack ist dann leider auch mit abgetötet, haltbarer wird‘s aber dadurch“, sagt der Experte.

Dortmunder Brauereien wollen Hunderte Liter Bier retten

In Dortmund haben die Brauereien jüngst beschlossen, die Haltbarkeitsfrist ihres im Oktober abgefüllten Fassbiers von sechs auf acht Monate zu verlängern. Das betrifft die Marken Brinkhoff‘s No. 1, Dortmunder Kronen, Dortmunder Actien-Brauerei, Dortmunder Union, Ritter, Dortmunder Stifts, Dortmunder Hansa und Dortmunder Thier Pils.

Muss man sich deshalb als Verbraucher Gedanken machen? Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist das Umetikettieren und der Verkauf dann kein Problem, wenn Unternehmen die Sicherheit der Produkte geprüft haben.

Gegenüber unserer Redaktion teilte Uwe Helmich, Geschäftsführer der Brauereien mit: „Wir haben die Rückstellproben der besagten Fassbier-Chargen ausgiebig analytisch und sensorisch geprüft, um unerwünschte Qualitätsabweichungen wie beispielsweise beim Geschmack zu vermeiden.“

Ist abgelaufenes Bier gesundheitsschädlich?

Und genau darum gehe es: Um den Geschmack, nicht um Gesundheitsgefährdung, so Max Zellmer. „Wer schlecht gewordenes Bier gerne trinkt, der hat einen an der Birne, wird aber nicht krank. An einer bestimmten Frist hängt das aber nicht.“

Nicht geschüttelt und das Bier schäumt trotzdem? Das könnte ein erstes Zeichen sein, dass das Bier „gekippt“ ist. In 90 Prozent der Fälle komme einem das Bier dann schon entgegen, so Zellmer.

Woran erkenne ich „gekipptes“ Bier?

Die Farbe ändert sich laut Experte meistens nicht. Aber am Geschmack kann sich einiges tun. In der Bandbreite von zu süß, über zu sauer und zu bitter sei alles möglich. Hopfenbetonte Biere könnten sogar erdig schmecken. Durch zu viel Lichteinfluss etwa könne das Bier zudem ausflocken, am Geschmack ändere das allerdings nicht unbedingt etwas.

Neben den Rohstoffen und der Hygiene beim Brauen und Abfüllen, ist die Lagerung laut Bierothek-Chef das A und O. Je weniger das Bier Kontakt zur Außenwelt bekommt, desto länger hält es sich. Lichtgeschützt und dunkel sollte es sein. Ein Keller ist also der ideale Aufbewahrungsort.

Das aufgedruckte Datum auf Fass oder Flasche spielt dabei keine Rolle. Es ist als Empfehlung und Qualitätssicherung zu verstehen, nicht als Angabe des definitiven Verfalls. Aber eins stellt der Fachmann klar heraus: „Bier ist ein Frischeprodukt, das sollte schnell getrunken werden.“ Dieser Empfehlung folgen Bierliebhaber doch sicher gerne.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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