Dieser Mann soll sich als Polizist ausgegeben und ältere Damen betrogen haben. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Betrug per „Polizeitrick“: Opfer fühlte sich „wie ferngesteuert“

Der sogenannte Polizeitrick greift immer mehr um sich. Erneut hat vor dem Dortmunder Landgericht ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Betrüger begonnen. Der Schaden ist immens.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-jährigen Angeklagten vor, als Teil einer internationalen Betrügerbande zwei ältere Damen in Rheine und Dorstfeld um ihr Erspartes gebracht zu haben.

Anfang Januar sollen sich zwei angebliche Polizisten telefonisch bei der Frau in Rheine gemeldet haben. „Oberkommissar Stein“ und „Polizeimeister Schulz“ wussten zu berichten, dass es in der Nachbarschaft der Seniorin zuletzt zu zwei Einbrüchen gekommen war. Und sie hätten Hinweise darauf, dass ihr Haus als nächstes ins Visier genommen werde, sagten sie der Frau.

„War wie ferngesteuert“

„Ich weiß auch nicht, warum ich darauf hereingefallen bin, aber ich fühlte mich wirklich wie ferngesteuert“, erinnerte sich die Zeugin aus Rheine am Donnerstag im Zeugenstand. Ohne nachzufragen, ließ sie sich von den beiden falschen Polizisten dazu überreden, 25.000 Euro aus ihrem Bankschließfach zu holen und das Geld in Tüten verpackt in ihre Mülltonne zu stecken.

Dort wurde die Beute gegen Abend abgeholt – angeblich von dem Angeklagten. Der sagte dazu zu Prozessbeginn: „In Rheine war ich nicht.“ Die Zeugin erkannte ihn auch nicht wieder.

Erste Tat wird bestritten

Wenige Tage nach dieser Betrugstat sollen sich wiederum zwei falsche Polizisten bei einer Frau in Dorstfeld gemeldet haben. Auch hier war von einer „rumänischen Einbrecherbande“ die Rede, die in der Gegend ihr Unwesen treibe.

Nachdem man einen der Diebe zuletzt hatte festnehmen können, habe der den Ermittlern weitere Details verraten, hieß es am Telefon weiter. Die Dorstfelderin müsse damit rechnen, demnächst bestohlen zu werden.

Wertsachen aus dem Schließfach

In ihrer Aufregung erklärte sich die ältere Dame offenbar zu allem bereit. Erst holte sie Schmuck im Wert von 50.000 Euro aus ihrem Schließfach. Einen Tag später legte sie auch noch ihr gesamtes Erspartes von 70.000 Euro darauf. Die Beute wurde von einer angeblichen Polizistin abgeholt – und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Bei dieser Tat räumte der Angeklagte am Donnerstag zumindest ansatzweise eine Beteiligung ein. Er will die Abholerin mit dem Auto nach Dorstfeld gefahren haben. Angeblich, weil diese keinen Führerschein besitzt.

Vorstrafe wegen Betruges

Dass ihm Betrugstaten jedenfalls nicht wesensfremd sind, zeigt ein Blick in die Vorstrafenakte des Angeklagten. Zuletzt ist er in Hildesheim zu über drei Jahren Haft verurteilt worden. Hintergrund waren sieben Betrügereien als Mitglied einer Bande falscher Polizisten.

Der Prozess vor der 37. Strafkammer des Landgerichts wird fortgesetzt. Der Angeklagte hofft auf eine Bewährungsstrafe.

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