Rund 200 Corona-Teststellen gibt es inzwischen in ganz Dortmund. Drei Standorte stehen nach einem Medienbericht unter besonderer Beobachtung. © Andreas Schröter
Falsche Abrechnung

Betrug mit Corona-Bürgertests? 3 Teststellen in Dortmund unter Verdacht

Ein Unternehmen, das mehrfach in Dortmund vertreten ist, steht in Verdacht, Steuergelder zu kassieren, die ihnen nicht zustehen. Jetzt drohen den Betreibern der Corona-Teststellen Konsequenzen.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Einer der bundesweit größten Anbieter von Corona-Schnelltests soll deutlich mehr Testungen abrechnen als tatsächlich durchgeführt wurden. Das haben Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung ergeben. Die Journalisten haben in verschiedenen Städten die Kunden der Teststellen gezählt und mit Daten des zuständigen Ministeriums verglichen.

Bis zu 18 Euro pro Bürgertest können laut ARD berechnet werden. In Köln sind an einem Tag Mitte Mai rund 80 Personen händisch gezählt worden, abgerechnet worden seien aber 977 Tests für diesen Tag. In Essen wurden 550 Personen gesehen, für 1743 sei bezahlt worden.

Medican ist an drei Hellweg-Baumärkten vertreten

Von dem Betrugsverdacht betroffen ist das Bochumer Unternehmen Medican. Laut Liste der Stadtverwaltung betreibt es drei Teststellen in Dortmund: an der Hannöverschen Straße in Wambel, an der Zeche Crone in Hacheney und an der Brinkhoffstraße am U-Turm.

An der letztgenannten Adresse wies am Freitag (28.5.) allerdings nichts auf eine Teststelle hin – stattdessen befindet sich der dritte Standort an der Borussiastraße in Kley. An allen drei Stellen handelt es sich um Zelte auf Parkplätzen der Baumarkt-Kette Hellweg.

Medican hat am Freitag bis 18 Uhr nicht auf die schriftliche Anfrage unserer Redaktion reagiert, auch telefonisch war niemand zu erreichen. Das städtische Gesundheitsamt hat die Teststellen zwar beauftragt und beim Land NRW im System angelegt – in das Abrechnungssystem sei man aber nicht involviert, sagt Sprecherin Anke Widow.

Sie entkräftet aber ein Argument, das Medican-Chef Oguzhan Can gegenüber der ARD angebracht hatte. Er wird zitiert mit den Worten: „Die Testzahlen stimmen im Ganzen, aber nicht auf die einzelnen Standorte bezogen.“ In einigen Städten würden die Testungen mit mehreren Standorten zusammengefasst übermittelt. Dies erfolge in Absprache mit den Behörden.

Jeder Standort bekommt eine eigene Nummer

Anke Widow sagt dazu: „Die Teststellen erhalten für jeden einzelnen Standort jeweils eine eigene Nummer, unter der sie die Daten beim Land angeben müssen.“ Für die Abrechnung zuständig sei aber die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Deren Sprecherin Vanessa Pudlo erklärt: „Um Bürgertestungen durchzuführen, müssen sich die Tester einmalig beim Gesundheitsamt registrieren.“ Monatlich würden die Anbieter dann ihre Abrechnung bei der KV einreichen.

Durch unterschiedliche Abrechnungszyklen sei der KVWL keine Auswertung möglich. Man könne „keine genaue Quantifizierung der vorgenommenen Bürgertests und der damit entstandenen Kosten vornehmen“. Die KV nehme die Abrechnung nur entgegen und leite sie ans Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) weiter. Das Geld fließt vom BAS wiederum über die KV an die Teststellen.

Überprüfen könne man nur formale Aspekte. „Mehr ist nicht möglich, da die übermittelten Angaben der Anbieter keinen Bezug zu getesteten Personen aufweisen dürfen“, so Pudlo. Datenschutzrechtliche Hürden stehen damit der Finanzkontrolle im Weg. Zum konkreten Fall sagt Vanessa Pudlo deshalb: „Zu möglichen Betrugsversuchen können wir keine Aussage treffen.“

Hellweg prüft Entzug der Erlaubnis

Baumarkt-Sprecherin Catherina Tamler betont währenddessen: „Hellweg steht in keinerlei wirtschaftlicher Verbindung zum Unternehmen Medican und stellt ausschließlich Standfläche auf dem Parkplatz kostenlos zur Verfügung.“

Den geäußerten Verdacht nehme Hellweg sehr ernst und prüfe derzeit den Entzug der Erlaubnis, die Parkplätze als Standfläche zu nutzen.

Die Frage unserer Redaktion, wie die Stadt Dortmund die Arbeit von Medican bewertet, blieb am Freitag in einer schriftlichen Antwort offen. Die Stadt Münster hat gegenüber der ARD angekündigt, dem Unternehmen den Auftrag für die dortigen Teststellen zu entziehen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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