Betroffene der Brandserie im Kreuz- und Unionviertel: „Ich bekam Heulkrämpfe“

dzAutos zerstört

In nur 24 Stunden sind 5 Autos in der westlichen Innenstadt in Flammen aufgegangen. Der Wagen von Stephanie Schmitz gehört dazu. Gegenüber dem Brandstifter empfindet die Dortmunderin kalte Wut.

Dortmund

, 12.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Stephanie Schmitz am Montagabend gegen 20 Uhr nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam, erwartete sie die Feuerwehr. Die Brandbekämpfer hatten gerade ein Feuer auf dem Parkplatz von Schmitz‘ Mehrfamilienhaus gelöscht. Ein Wagen war dort in Flammen aufgegangen – Schmitz‘ erst 16 Monate alter Seat Arona. Nun war der weiße Kompakt-SUV (Kaufpreis: 23.000 Euro) nur noch ein qualmendes Wrack.

„Ich bekam eine Mischung aus Tobsuchtsanfällen und Heulkrämpfen“ – so beschreibt die 30-jährige Lehrerin einen Tag später ihre erste Reaktion. „Ich war verzweifelt. Und dann kommt die Wut in einem hoch, dass jemand so etwas vorsätzlich anzündet, um einfach willkürlich jemandem zu schaden.“ Vom Motor ihres Wagens ist nichts mehr übrig, er ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Alle Brandorte im Umkreis von 500 Metern um den Westpark

Das Feuer vor Schmitz‘ Haus zwischen Neuem Graben und Metzer Straße im westlichen Kreuzviertel ist nur einer von insgesamt fünf Autobränden, die sich Sonntag und Montag innerhalb von 24 Stunden in einem Umkreis von 500 Metern rund um den Westpark ereignet haben.

Zuerst brannten am Sonntag zwei geparkte Wagen im Unionviertel, entlang der Langen Straße an den Ecken Rittershausstraße (18.50 Uhr) und Augustastraße (19.10 Uhr). Dann, am Montag, erneut auf dem Parkplatz an der Ecke Lange Straße/Rittershausstraße (19 Uhr), auf dem Parkplatz von Stephanie Schmitz (19.10 Uhr) und dann auf der Sonnenstraße in Höhe Hausnummer 202 (19.30 Uhr). Insgesamt entstand laut Polizei ein Sachschaden von rund 74.000 Euro.

Die Polizei ermittelt in allen Fällen wegen Brandstiftung. Ob alle Feuer von demselben Täter oder denselben Tätern gelegt wurden, ist noch nicht bekannt. Auch wenn sich die Polizei darauf nicht festlegen will, legt die örtliche und zeitliche Nähe der Tatorte diesen Schluss nahe.

Abseits dessen ist bei der Wahl der angezündeten Autos kein klares Muster erkennbar: Bei ihnen handele es sich nicht um Luxusmodelle, sondern um Klein- und Mittelklassewagen, so die Polizei. Eine Recherche an den Brandorten bestätigt diese Einschätzung.

Eines der ausgebrannten Autos im Kreuzviertel, hier an der Sonnenstraße.

Eines der ausgebrannten Autos im Kreuzviertel, hier an der Sonnenstraße. © Thomas Thiel

Auch Schmitz rätselt, wer hinter den Bränden stecken könnte: „Ich habe gar keine Idee, wer das gewesen sein könnte. Hier in der Nachbarschaft sind eigentlich alle relativ nett miteinander.“

Der oder die Täter müssen die Gegend aber zumindest gut kennen, glaubt Schmitz‘ Nachbarin Nadine Hinzmann. „Das ist jetzt nicht ein Parkplatz, den ich als Ortsunkundiger kennen würde“, sagt Hinzmann. Er liegt gute 50 Meter vom Neuen Graben entfernt am Ende einer kleinen Einfahrt, umgeben von mehreren Mehrfamilienhäusern. Fußgängern im Viertel ist er hingegen durchaus bekannt: „Er ist eine beliebte Abkürzung.“

Unbekannte zerkratzten Autos

Bereits vor ein paar Wochen gab es im Viertel Ärger um Autos, berichtet Hinzmann. Da wurde an mehreren Wagen der Lack zerkratzt. Aber ob das etwas mit den aktuellen Bränden zu tun hat, ist nicht bekannt. „Es bleibt ein mulmiges Gefühl“, sagt Hinzmann.

Stephanie Schmitz versucht inzwischen, der Situation etwas Gutes abzugewinnen: „Wenigstens habe ich Vollkasko.“ Sie hofft nun, dass die Versicherung den Schaden komplett übernimmt.

Die Polizei sucht Zeugen der Brände. Hinweise an Tel. (0231) 132 74 41.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt