Corona-Muttertag im Seniorenzentrum: „Das waren rührende Szenen“

dzSeniorenheime in Dortmund

Einige Seniorenheime sind den Corona-Lockerungen bereits am Sonntag gefolgt und haben Besuche zum Muttertag erlaubt. In bestimmten Situationen dürfen Angehörige sogar ins Zimmer.

Kirchlinde

, 11.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Lockerungen der vergangenen Woche brachten einige Überraschungen mit sich. Viele Einrichtungen mussten schnell reagieren, um die neuen Vorgaben zum erstmöglichen Termin überhaupt umsetzen zu können.

Peter Boeckel, Leiter des Awo-Seniorenzentrums Kirchlinde, erfuhr aus der Presse, dass er sein Heim ab Sonntag (10.5.) wieder für Besucher zugänglich machen darf.

„Damit hatte ja niemand gerechnet“, sagte er kurz nach Bekanntwerden der Lockerungen. Dennoch hatte das Seniorenzentrum gut vorgesorgt.

Für Besuche, die die Verantwortlichen in ferner Zukunft vermuteten, waren bereits Plexiglas-Wände angeschafft worden. Ware, die derzeit sehr begehrt ist und auf die viele Heime deshalb noch warten müssen. In Kirchlinde konnten so am Muttertag bereits 36 Besuche stattfinden.

Plexiglas störte die Freude keineswegs

„Es war anstrengend und personalintensiv, aber es hat sich gelohnt“, zieht Peter Boeckel Bilanz. „Denn es war sehr schön für unsere Bewohner und ihre Angehörigen – das waren rührende Szenen.“ Die Plexiglas-Scheibe habe die Wiedersehensfreude keineswegs gestört.

Insgesamt vier Besuchsbereiche, die nach jedem Zusammentreffen desinfiziert wurden, hatte das Seniorenzentrum im Vorfeld eingerichtet. Angehörige mussten sich einem Screening unterziehen und Fieber messen lassen. „Dafür hatten alle größtes Verständnis und es ging problemlos vonstatten“, sagte Boeckel.

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Einige Angehörige verzichteten sogar zunächst auf einen Besuch, um in Ruhe im Laufe der Woche vorbeizuschauen. „Jetzt laufen unsere Telefone heiß, weil Termine vereinbart werden müssen.“ Seine Angst, dass auch Besucher kommen, die keinen Termin haben und Einlass fordern, habe sich glücklicherweise nicht bestätigt, so Peter Boeckel.

Bei Bedarf könne sein Team aber noch ein bis zwei weitere Besuchsbereiche einrichten. Doch wie sehen die Möglichkeiten aus, wenn ein Bewohner ans Bett gefesselt ist? „Das ist in unserem Haus nur bei zwei Bewohnern der Fall“, sagt Peter Boeckel. „Diejenigen haben leider keine Angehörigen, deshalb müssen wir uns darüber vorerst keine Gedanken machen.“

Sterbebegleitung ist trotz Corona möglich

Einen anderen Spezialfall haben die Mitarbeiter des Awo-Seniorenzentrums hingegen bereits gedanklich durchgespielt. „Momentan ist es zwar nicht nötig, aber wenn ein Bewohner im Sterben liegt, dürfen Angehörige die Sterbebegleitung im Zimmer machen“, sagt Peter Boeckel.

Schutzkleidung sei dabei zwingend erforderlich. Der Abschied soll jedoch nicht hinter Plexiglas stattfinden. „Sollte der Fall in der Krisenzeit eintreten, werden wir individuelle Lösungen finden“, sagt Peter Boeckel. Beispielsweise spiele es eine Rolle, ob der im Sterben liegende Bewohner in einem Einzel- oder Doppelzimmer untergebracht sei.

Teils gebe es Freundschaften unter den Senioren, die so tief gehen, dass auch die Zimmernachbarn denjenigen auf seinem letzten Weg begleiten möchten. Im Gegensatz dazu gebe es Angehörige, die sich nicht verabschieden möchten oder können.

Das Warten auf Corona-Tests zieht sich hin

Bei einer regulären Doppelzimmer-Unterbringung gebe es für den Notfall immer ein Ausweichzimmer, in das der Sterbende mit seinen Angehörigen ausweichen könne – derzeit auch für den Fall, dass ein Zimmernachbar sich vor einer möglichen Ansteckung durch die Angehörigen des anderen fürchtet.

Da es derzeit keinen konkreten Fall gibt, beschäftigt den Leiter des Seniorenzentrums jedoch vor allem eines: das Warten auf Corona-Tests für seine Mitarbeiter und Bewohner. „Ich hoffe, dass wir welche bekommen“, sagt er. „Denn ich mache mir Sorgen um die Dunkelziffer. Niemand kann ohne Test mit Sicherheit sagen, ob er das Virus hatte oder noch hat, wenn er symptomfrei ist.“

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