Urheber der falschen SPD-Plakate sind keine Unbekannten für BVB-Fans

dzBundesweite Protest-Aktion

Die Macher der gefälschten SPD-Plakate, die zuletzt unter anderem in Dortmund aufgetaucht waren, haben sich gemeldet. Für BVB-Fans sind es keine Unbekannten.

Dortmund

, 02.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie hingen in Essen, Köln, Bochum, Düsseldorf, Duisburg, Frankfurt am Main und Dortmund. Die Rede ist von gefälschten SPD-Plakaten, die Ende April in deutschen Innenstädten auftauchten. Darauf zu sehen: scheinbar zynische Botschaften der SPD zur Flüchtlingspolitik.

Während auf einem Plakat beispielsweise ein volles Flüchtlingsboot mit den Zeilen „Bleib‘ zuhause“, „Meide soziale Kontakte!“, „Halte Abstand!“ und „Wir zuerst!“ betitelt wurde, zeigte ein anderes Motiv offenbar ein Flüchtlingslager, darunter der Schriftzug: „Großveranstaltungen in Deutschland: Abgesagt!“ „Massenlager in Moria: Jeden Tag!“

SPD distanziert sich von der Aktion

Unmittelbar nach Erscheinen der Plakate distanzierte sich die SPD von den Aushängen. Jetzt ist klar: Es handelte sich dabei augenscheinlich um eine geplante Aktion des Berliner Künstler-Kollektivs „Rocco und seine Brüder“. Dies geht aus einem Bekennerschreiben hervor, das auf dem Instagram-Account der Gruppe veröffentlicht wurde.

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#wirzuerst ? #leavenoonebehind ! Deutschland 2020.

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Darin heißt es unter anderem: „Als Reaktion auf diese Kampagne, die der SPD und der Politik den Spiegel vorhält, schäumen Vertreter der Partei, wie man es lange nicht erlebt hat. Klar wird hier: Getroffene Hunde bellen.“ Verbunden ist das Statement mit der Forderung, Menschen aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria herauszuholen.

Kollektiv auch für gefälschte BVB-Plakate verantwortlich

Doch wer sind die Personen hinter diesem Künstler-Kollektiv, das laut eigener Aussage auch bereits für eine Aktion verantwortlich war, bei der im vergangenen Jahr gefälschte BVB-Plakate in Dortmund verteilt wurden?

Eine Kontaktaufnahme dieser Redaktion blieb erfolglos. Allerdings äußerte sich einer der scheinbar führenden Köpfe Anfang des Jahres anonym in einem Interview gegenüber dem Fernsehsender Arte.

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Demzufolge handelt es sich bei „Rocco und seine Brüder“ um eine Gruppe von Graffiti-Sprayern, die mit ihren verschiedenen politischen Aktionen zur Diskussion anregen wollen. „Einfach nur Buchstaben an die Wände zu sprayen hat uns irgendwann nicht mehr gereicht, deshalb haben wir unseren eigenen Stil entwickelt“, erklärt das mutmaßliche Mitglied des Künstler-Kollektivs.

Gefälschte SPD-Plakate entfernt.

Die gefälschten SPD-Plakate wurden umgehend aus den Vitrinen entfernt. © dpa

So hat die Gruppe unter anderem in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Berliner U-Bahn-Schacht zu einem kompletten Büro umgebaut. „Als Protest gegen den Mietenwahnsinn“, heißt es in dem Interview.

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Hinter den Protesten stecke außerdem jede Menge Aufwand. Für frühere Plakat-Aktionen habe man beispielsweise nicht nur einfache Computer verwendet, sondern eine bestimmte Drucktechnik angewandt.

SPD verurteilt Art und Weise des Protests

Die SPD fordert unterdessen ein entschiedenes Vorgehen der Behörden. Laut Nadja Lüders, Vorsitzende des Dortmunder Unterbezirkes und gleichzeitig Generalsekretärin der Landes-SPD, handelt es sich bei der Aktion um eine Urheberrechtsverletzung, die strafrechtlich zu ahnden sei.

Es sei nicht in Ordnung ein Anliegen so in die Öffentlichkeit zu tragen. „Der richtige Weg dafür in einer Demokratie ist die Diskussion und nicht eine Rechtsverletzung“, betont Lüders.

Die Veröffentlichung des Bekennerschreibens habe am aktuellen Stand der Ermittlungen derweil allerdings bislang nichts verändert, erklärt die Polizei Dortmund auf Anfrage. Der Staatsschutz habe die Untersuchungen übernommen und sei weiterhin auf der Suche nach Zeugen, die möglicherweise etwas zum Tatgeschehen sagen können.

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