Die Lagerhausstraße am Hafen ist in ihrer gesamten Länge eine begehbare Fotogalerie im öffentlichen Raum. Sie ist Teil der Ausstellung „The Journal“. © Didi Stahlschmidt
16 Ausstellungen

Bei diesem Fotofestival wird die Dortmunder Nordstadt zur Freiluft-Galerie

Das Dortmunder „f² Fotofestival“ zeigt zehn Tage lang 16 Ausstellungen an besonderen Orten zum Thema Identität. Dabei gibt es auch begehbare Open-Air-Galerien - zum Beispiel in der Nordstadt.

Die dritte Ausgabe des internationalen „f² Fotofestival“ in Dortmund und weiteren Ruhrgebietsstädten zeigt vom 17. bis 27. Juni außergewöhnliche und beeindruckende fotografische Arbeiten zum Themenkomplex Identität.

Die besonderen Orte und Hängungen im öffentlichen Raum haben dabei nicht nur etwas mit der Corona-Pandemie zu tun. Die 16 Ausstellungsorte sind teilweise szenisch inszeniert und nehmen die Besucher mit auf eine Reise – bei der Suche nach der eigenen sowie anderen Identitäten und der Frage, was diese ausmacht.

60 große Fotografien im öffentlichen Raum

Dabei sind die unterschiedlichen Fotografien starker Ausdruck und gleichzeitiger Spiegel der Gesellschaft, teils irritierend, teils frustrierend, oftmals unterhaltsam und immer von Menschen geprägt. Und da erstmals einige der Exponate im öffentlichen Raum hängen, wird die Wahrnehmung noch einmal eine andere sein.

So lädt die Ausstellung „The Journal“ zu einem Fotospaziergang durch das Hafenquartier ein. Vom Depot, dem zentralen Ausstellungsort, wird man entlang der Schäfer-, der Speicher, der Lagerhaus- und der Bülowstraße geführt. „Dortmund ist die einzige Stadt mit Hängungen im öffentlichen Raum. Das ist so großartig wie genial, da die Fotografien so anders wirken und wahrgenommen werden“, sagt Björn Hickmann, Projektmanager der Ausstellung.

Insgesamt 60 Großformate von Fotografinnen aus 75 Ländern zeigen emotionale Momentaufnahmen, die während der Pandemie entstanden sind und ihren Alltag darstellen. Persönliches und private Einblicke zeigen die Künstlerinnen gezielt im öffentlichen Raum. Auch um auf ihre teils extrem schwierigen Umstände in der globalen Krise hinzuweisen.

In der Mittelhalle des Depots an der Immermannstraße ist die Ausstellung „Facing Gender“ in Kooperation mit Studierenden der Szenografie gestaltet worden. Somit wird der Rundgang zum Teil des Erlebnisses. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Alle Ausstellungen in Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Herne und Duisburg, die jeweils auch von Online-Vorträgen und Diskussionsrunden begleitet werden, tragen das Überthema Identität. Gesellschaftliche, soziale oder auch kulturelle Hintergründe, Vorurteile, Besonderheiten oder auch Diskurse und Spannungen werden dem Betrachter vorgehalten – oftmals aufrührend, nachdenklich, mal schmerzhaft und dann wieder mit viel Lebensfreude.

Das (Kunst-)Medium Foto wird hier ganz besonders erlebbar und da jeder Mensch eine (vermeintliche) Identität hat, fühlt sich auch jeder und jede angesprochen.

Ein gesellschaftlich wichtiges und aktuelles Thema

Wie bei der Ausstellung „Facing Gender“ in der Mittelhalle des Depots. Zwölf internationale Fotografen setzen sich bei ihren unterschiedlichen Arbeiten mit der Frage nach Geschlechtsidentität auseinander.

„Wir haben hier ein sehr aktuelles und gesellschaftlich wichtiges Thema, das weit über das soziale Geschlecht hinausgeht. Dabei könnte die Ausstellung sogar mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben“, erklärt Kuratorin Juliane Herrmann. Hierbei werden Rollenklischees hinterfragt und es gibt sehr interessante Einblicke in soziale Strukturen rund um Gender und Identität.

Politische, sozialgesellschaftliche wie kulturelle Diskurse werden thematisiert und sind durch den szenischen Aufbau mit Lichtspielen, verwinkelten Blickfeldern oder weißen, von der Decke hängenden und leicht durchsichtigen Stoffbahnen noch einmal ganz anderes erlebbar.

Juliane Herrmann, Kuratorin der Ausstellung „Facing Gender“; führte bei einer Erstbesichtigung im Depot durch die Aufbauten und erklärte einzelne Fotoarbeiten. Nur für das Foto nahm sie die Maske ab, denn in der Mittelhalle herrscht weiterhin Maskenpflicht. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Unter anderem geht es um das Frauenbild in italienischen Medien, um Homosexuelle im Iran, Transgenderpersonen, die während ihrer Transformation begleitet wurden, männliche Dragqueens oder man geht der Frage nach, was sich zum Thema Geschlechtsidentität gewandelt hat – oder eben auch nicht.

Parallel ist in der Galerie im Depot das Projekt „Promised realities“ mit Fotografien von vier Nachwuchstalenten aus Uganda zu sehen. Diese drei Ausstellungen können kostenlos besucht werden und sind über den Festivalzeitraum hinaus noch bis zum 4. Juli zu sehen.

Identität wird an besonderen Orten erlebbar

Für die Ausstellungen im Depot können sich Besucher online ein Zeitfenster buchen, da die Personenanzahl aufgrund von Corona immer noch begrenzt ist.

Der spannende und facettenreiche Mix aus international renommierten Fotografen und dem aufstrebenden Nachwuchs an interessanten Orten macht – einhergehend mit dem wichtigen Thema Identität – die dritte Ausgabe des „f² Fotofestivals“ aus.

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Freier Mitarbeiter
Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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