Hausnummer-Panne: Wie ein Zehn-Euro-Knöllchen jeden Monat 400 Euro kosten kann

dzKuriosität in Brechten

Weil ein „Knöllchen“ über zehn Euro nicht zugestellt werden konnte, erlebte der Brechtener Jürgen Möhrs eine böse Überraschung, die ihn richtig viel Geld kostete - und das gleich zwei Mal.

Brechten

, 19.06.2019, 14:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Möhrs führt eigentlich ein recht beständiges Leben, er hat eine schöne Wohnung, in der er mit seiner Frau zusammen lebt; seit August in Brechten Am Gulloh; zuvor in Kirchlinde. Allerdings: Von Amts wegen sah die Sache zeitweise ganz anders aus: Danach ist er zwischenzeitlich ohne festen Wohnsitz und plötzlich unverheiratet - und das gleich zwei Mal.

Die amtliche Panne bedeutete für den 65-Jährigen nicht nur jede Menge Ärger, sondern auch erhebliche finanzielle Folgen: Wer nicht auffindbar sei, scheinbar ohne festen Wohnsitz, der werde in Steuerklasse sechs eingestuft, so habe man ihm das im Finanzamt erklärt. „Ich hatte plötzlich 400 Euro weniger Pension“, sagt er. Und zwar rückwirkend.

Irgendwann wohnte er auch offiziell wieder da, wo er schon vorher wohnte

„Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so etwas gibt“. Er hat mit Bürgerdiensten und Ordnungsamt telefoniert und mit der Pensionskasse Düsseldorf, von der er seine Pension bezieht. Schließlich habe ihm ein „engagierter Mitarbeiter der Stadt“ helfen können: Er war wieder verheiratet, hatte wieder Steuerklasse 3 und wohnte wieder dort, wo er die ganze Zeit schon wohnte.

Hausnummer-Panne: Wie ein Zehn-Euro-Knöllchen jeden Monat 400 Euro kosten kann

Die Straße Im Gulloh in Brechten: Jürgen Möhrs zog aus Kirchlinde hierher und fühlt sich sehr wohl. © Britta Linnhoff

Richtig klären kann Möhrs die Ursache der skurrilen Geschichte nach seinen Angaben seinerzeit nicht, aber eine Vermutung hat er irgendwann sehr wohl: „Möglicherweise war der Ausgangspunkt der ganzen Geschichte die Tatsache, dass ich im März geblitzt worden bin. Ich nehme an, dass man den Bußgeldbescheid nicht hat zustellen können.“ Denn: Moers wohnt am Gulloh 21. Da ist er gemeldet. Im Gegensatz zu den anderen Wohnungen liegt der Eingang für seine Wohnung aber rechts um die Ecke des Hauses. Und an der Wand dort hängt eine Hausnummer: 19, auch wenn es das gleiche Gebäude ist. Laut Ausweis wohnt Möhrs aber in Nummer 21.

Und genau da beginnt die Aufklärung der Geschichte:

Das Ordnungsamt habe „Anfang April eine Anfrage der Bürgerdienste über den Aufenthalt des Herrn Jürgen Möhrs mit der Bitte um Ermittlung erhalten für die Adresse Am Gulloh 21“, teilt die Stadt mit. Die für den Bereich zuständige Kollegin des Vollzugs- und Ermittlungsdienstes sei an der Örtlichkeit gewesen und habe am Haupteingang des Hauses Herrn Möhrs weder an der Klingel noch am Briefkasten ermitteln können.

Um die Ecke geguckt hat die Frau nicht. Weiter teilt die Stadtverwaltung mit: „Mit diesem Ermittlungsergebnis für Nr. 19 ist der Vorgang am 10. April wieder an die Bürgerdienste zurückgegangen und von dort ist Herr Möhrs als unbekannt abgemeldet worden.“

Möhrs äußert ausdrücklich Verständnis dafür, dass das mit den Nummern irritierend ist. So aber habe er es beim Einzug vorgefunden. Aber es sei für ihn unbegreiflich, wieso man ihn nicht habe finden können. „Da muss man doch nur einmal rechts und links gucken, oder einfach mal die Nachbarn fragen“, sagt er.

Die Geschichte erfährt eine Wiederholung

Er glaubt schließlich, die Sache ist erledigt und fährt erleichtert in Urlaub. Als er wiederkommt, ist er erneut nicht mehr der, der er eigentlich ist: „Ich musste feststellen, ich war erneut abgemeldet.“ Dieses Mal klärt sich alles schnell. Die Verwaltung erklärt dieses zweite Mal damit, dass sich „urlaubsbedingte Überschneidungen“ ergeben hätten.

Die gesamte Situation sei „sicher ungewöhnlich“, heißt es bei der Stadt, sei jedoch der „Gebäudeausschilderung durch den Eigentümer geschuldet“. Um solchen Ärger künftig zu vermeiden, schlägt die Stadt eine „Überprüfung“ vor. Gegebenenfalls müssten sich „Herr und Frau Möhrs ummelden“.

PS: Der Bußgeldbescheid hat Jürgen Möhrs inzwischen erreicht; die ihm zustehende Pension auch.

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