Experte macht sich für Baumschnitt nur außerhalb der Brutzeit stark

dzVogel-Brutzeit

Der Baumschnitt an der Straße „Königsheide“ in Mengede hatte im April für Ärger gesorgt. Schließlich hatte die Brutzeit bereits begonnen. Thomas Quittek vom BUND erklärt nun, was erlaubt ist.

Mengede

, 06.05.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rechtslage hinsichtlich des Baumschnitts sei verwirrend, so Thomas Quittek als Sprecher vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) Dortmund. Deshalb habe der BUND auf seiner Internetseite alle Regeln so kurz und verständlich wie möglich zusammengefasst.

Zunächst müsse zwischen dem Forstbetrieb, in dem es keine strengen Regelungen gebe, und dem Baumschnitt außerhalb des Waldes unterschieden werden, so Quittek. „Es gilt aber immer, dass wildlebende Tiere nicht gestört werden dürfen“, sagt der BUND-Sprecher.

Zuletzt hatte es Ärger um den Baumschnitt an der Straße „Königsheide“ in Mengede gegeben. Dort wurden trotz der Vogel-Brutzeit von März bis September noch im April Bäume geschnitten. „Muss das sein?“, fragte der SPD-Ratsvertreter Torsten Heymann.

War der Verkehr gefährdet?

Die Behörde Straßen.NRW, die den Schnitt beauftragt hatte, verwies auf einen nötigen und ganzjährig erlaubten Schnitt zur Verkehrssicherung. Das Dortmunder Umweltamt bestätigte das auf Anfrage. „Maßnahmen, die der Verkehrssicherheit dienen, können auch innerhalb des gesetzlich definierten Schutz-Zeitfensters stattfinden“, sagt Stadt-Pressesprecher Maximilian Löchter.

Der Baumschnitt sei dem Umweltamt im Vorfeld angezeigt worden, aber nicht genehmigungspflichtig. Torsten Heymann hingegen bezweifelte, dass der Schnitt an der Stelle überhaupt nötig war. „Zwischen den Bäumen und der Straße liegen ein Radweg und ein Grünstreifen – die Äste reichten nicht bis an die Straße.“

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Straßen.NRW und das Umweltamt sehen dennoch kein Problem. „Ich vertrete die Ansicht, dass der Baumschnitt während der Brutzeit grundsätzlich ausgesetzt werden sollte, er ist in dieser Zeit immer zweifelhaft“, sagt Thomas Quittek. „Eine offizielle Empfehlung dahingehend gibt es bereits.“

Zumindest sei aber wichtig, auch vor einem erlaubten Pflegeschnitt Hecken, Sträucher und Bäume auf Nester zu kontrollieren. Empfehlenswert sei zudem, nur abschnittsweise zu schneiden, damit Wildtiere eine Ausweichmöglichkeit haben.

BUND kümmert sich um Zweifelsfälle

„Wenn jemand einen Schnitt beobachtet und auch nach der Lektüre unserer Hilfestellung auf der Homepage immer noch berechtigte Zweifel hat, ob das so richtig und erlaubt war, kann das beim Umweltamt der Stadt erfragen“, sagt Thomas Quittek.

Aber auch der BUND helfe im Zweifelsfall. In manchen Fällen gelte es zu prüfen, ob die Pflege tatsächlich nötig war und den Eingriff in die Natur gerechtfertigt habe. Vorsorge hinsichtlich Stürmen und Nachsorge, wenn Bäume Umsturzgefährdet seien, sei richtig und wichtig.

„Aber leider schießen manche Institutionen über das Ziel hinaus“, sagt Quittek. „Stattdessen könnten sie sich verpflichten, Wildtiere in der Brutzeit in Ruhe zu lassen.“

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