Baukunstarchiv zeigt kaum bekannte Werke von weltberühmtem Maler

dzErnst Ludwig Kirchner

Als expressionistischer Maler ist Ernst Ludwig Kirchner weltbekannt. Eine Ausstellung im Baukunstarchiv NRW zeigt jetzt das Frühwerk des Künstlers - als der noch etwas anderes werden sollte.

Dortmund

, 30.09.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Eltern von Ernst Ludwig Kirchner hatten große Sorgen vor einem brotlosen Künstlerleben. Bevor der Sohn Künstler werden sollte, musste er erst einmal etwas Ordentliches studieren. Die Wahl fiel - wohl wegen der Nähe zur Kunst - auf Architektur.

Die Zeichnungen und Arbeiten, die dabei in den Jahren 1901 bis 1905 entstanden sind, sind jetzt unter dem Titel „Ernst Ludwig Kirchner - Vor der Kunst die Architektur“ im Baukunstarchiv NRW am Ostwall in Dortmund zu sehen. Und sie lassen bereits die besondere Handschrift des Künstlers erahnen, auch wenn sich Kirchner als Architekturstudent noch streng an die Formen hielt.

Sorgfalt und Farbenpracht

„Die Zeichnungen lassen eine unglaubliche Sorgfalt erkennen“, stellt Prof. Dr. Alexandra Apfelbaum fest, die die Ausstellung gemeinsam mit Christos Stremmenos kuratiert hat. Ab und an - wie bei der Skizze eines Speisezimmers - wird es aber auch schon expressiv, deutet sich der spätere Ausbruch des Malers Ernst Ludwig Kirchner an.

Die Kuratoren Prof. Dr. Alexandra Apfelbaum und Christos Stremmenos in der Kirchner-Ausstellung im Baukunstarchiv NRW.

Die Kuratoren Prof. Dr. Alexandra Apfelbaum und Christos Stremmenos in der Kirchner-Ausstellung im Baukunstarchiv NRW. © Oliver Volmerich

In der Tat: Die Zeichnungen und Entwürfe des jungen Studenten Kirchner etwa zu einem schlossähnlichen Künstlerdomizil, Wohnhäusern, einem Hotel oder einem Museum fallen durch ihre Akribie, Detailverliebtheit und Farbigkeit ins Auge. Wie ein modernes Gemälde wirkt der farbenfrohe Entwurf eines Friedhofs, den Kirchner als Diplomarbeit abgeliefert hat.

Die Zeit des Jugendstils

Es war die Zeit des Neoklassizismus und des Jugendstils. Und das prägt auch die Entwürfe des jungen Architektur-Studenten, die an der Königlich Technischen Hochschule Dresden entstanden sind. Ab und an werden schon Ansätze der frühen Moderne erkennbar.

Die gezeigten Arbeiten, die Kirchner über alle seine Stationen bewahrt hat, reichen von Grundrissen, Schnitten und Perspektiven über aufwendige Innenraum-Gestaltungen mit Lampen und Möbeln.

Erinnerung an Museums am Ostwall

Das reizvolle an der Ausstellungskonzeption ist, dass die Kuratoren die Architekturzeichnungen in Bezug setzen zu Bildern des Malers Ernst Ludwig Kirchner - und das sogar mit Dortmund-Bezug. Denn das heutige Baukunstarchiv ist im alten Museum am Ostwall untergebracht. Kirchner und seine „Brücke“-Künstlerfreunde Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, mit denen er gemeinsam in Dresden studiert hat, sind in der Sammlung des Museums gut vertreten.

Die Bilder sind in der Ausstellung zwar nicht im Original vorhanden, werden aber versteckt in Einbuchtungen und Blickfänge in der oberen Galerie immer wieder eingebettet in das Architekten-Werk.

Nachlass in der Schweiz

Die 95 Original-Arbeiten aus der Zeit des Architektur-Studiums, die den Kern der Ausstellung bilden, gehören zum Nachlass Kirchners, der von der Galerie Henze & Ketterer & Triebold in Riehen bei Basel verwahrt wird. „Es soll auch ein zusammenhängendes Konvolut bleiben“, verspricht Galeristin Alexandra Henze Triebold, die die Leihgaben für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Es ist nicht die erste Ausstellung der Sammlung, aber zum ersten Mal wird sie mit Blick auf die Architektur gezeigt und eingeordnet.

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Höchst spannend war es deshalb auch für Dr. Wolfgang Henze als Nachlassverwalter zu hören, wie die Architektur-Experten des Baukunstarchivs die Arbeiten Kirchners bewerten. Ihr Urteil wäre durchaus in der Lage, die Sorgen von Kirchners Eltern zu zerstreuen. „Kirchner wäre auch ein guter Architekt geworden“, stellt Christos Stremmenos anerkennend fest.

Zu sehen ist die Ausstellung im NRW-Baukunstarchiv am Ostwall 7 bis zum 20. Dezember, dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Zur Ausstellung ist in der Schriftenreihe des Baukunstarchivs NRW ein Katalog unter dem Titel „Ernst Ludwig Kircher - Vor der Kunst die Architektur“ erschienen, der für 34 Euro erhältlich ist.

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