Basta verhöhnen männliche PS-Protze – aus Abbas “Chiquitita“ wird die „schicke Kita“

dzRuhrhochdeutsch

Die fünf Akteure von Basta gehören zur Crème de la crème der deutschen Vokal-Akrobaten. Beim Ruhrhochdeutsch-Festival bewiesen sie am Mittwoch im Spiegelzelt, warum.

Dortmund

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie kommen aus Köln, sind seit 19 Jahren im Geschäft und pflegen die hohe Schule des A cappella-Gesangs. Die fünf Herren von Basta können nicht nur singen, sie wissen zu arrangieren und in ihren Texten Pointen zu setzen. Was eine gute Show ausmacht, ist ihnen ebenfalls bekannt. Jawohl, Basta gehören zur Crème de la crème der deutschen Vokal-Akrobaten.

Mittwochabend füllten sie das Spiegelzelt des Ruhrhochdeutsch-Festivals und unterhielten das Publikum dermaßen glänzend, dass der Beifall am Ende so prasselnd wie fordernd klang: Klar doch gab es Zugaben.

Im Gepäck hatten die Jungs ihr aktuelles Album „In Farbe“, inklusive der Single-Auskopplung „Reggaeton im Altersheim“: Eine Jux-Nummer in karibischem Flair, über Rentner, die auf ihre alten Tage steil gehen. Alle wollen zum Dancefloor, „und niemand täuscht Demenz vor.“

„Scheiß auf die Arthritis...“

Statt Bingo gibt es Tanz mit DJ Ingo. „Scheiß auf die Arthritis, weil‘s ein geiler Beat is“. Okay, für Basta-Verhältnisse ist die Nummer nur ein flacher Kalauer, aber sprachlich amüsant und musikalisch fordernd, weil die Herren Mundmusiker einen forschen, schweren Beat vorlegen müssen. Noch eine Kostprobe, weil‘s so schön war: „Bald spielen sie auf‘m Friedhof beim Begräbnis „Despacito“.

In den besten Momenten bieten Basta mehr als einen Ulk über fidele Senioren. Dann lugt der Zeitgeist durch die Reime, es werden Geschichten aus dem Leben erzählt, gerne durch die ironische Brille betrachtet, überhöht, verballhornt, ad absurdum geführt.

Da werden männliche PS-Protze abgewatscht, denen der Wagen als Ego-Prothese dient - mit Trio-Gesang im Stil der Swingle Singers, der in alpines Jodeln und Jauchzen kippt.

Überraschende Stilbrüche

Überhaupt hat das Quintett ein Faible für überraschende Stilbrüche. Die Aura wird feierlich, als fünf Kehlen gregorianischen Gesang anstimmen. „Dominuuuus, Dominuuus“ tönt es wie in der Kirchenkantate. Doch Obacht, hinhören: „Dominoo, ich freu mich so auf Domino! Ist die Spielanleitung irgendwo?“ Blödsinn verpackt in einen sakralen Choral.

Zurück zum Zeitgeist. Digitale Apparate der Moderne und die habituellen und sprachlichen Verrenkungen ihrer Besitzer sind ein beliebter Comedy-Stoff, an dem auch Basta nicht vorbeigehen. Der Tag geht los - mit Handy, Laptop auf dem Schoß. Welche Tabs und welche Fenster, und was sagt der Influencer? Einer produziert rhythmischen Sprechgesang, die anderen machen DooWop. Musikalische Kunstfertigkeit paart sich mit schalkhafter Botschaft: „Komm, wir gehen in die Kneipe! Echte Menschen statt Geskype!“

Köstlich, die ABBA-Nummern zu neuen Texten. Aus „Chiquitita“ wird die „schicke Kita“ für Corbinian-Flynn, das verhätschelte Kind wohlmeinender Bildungsbürger.

Ein Abend voller Witz, Pfiff und Musikalität.

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