Ballett-Star Lucia Lacarra: Corona-Comeback mit erstem eigenem Stück

dzOpernhaus Dortmund

Ballett-Weltstar Lucia Lacarra kommt aus dem spanischen Lockdown mit einer Weltpremiere im Gepäck nach Dortmund zurück. „Fordlandia“ ist dabei weit mehr als ihre erste eigene Produktion.

Dortmund

, 16.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Arbeiterstadt war Fordlandia eine Utopie von Henry Ford. Für Lucia Lacarra ist „Fordlandia“ ein Traum. Der Traum „von besseren Zeiten“, von der Rückkehr auf die Bühne. Und der Traum des Ballett-Weltstars, sich jetzt ein zweites Standbein im Bereich Tanz aufzubauen. „Ich habe das nächste Level erreicht“, sagt die Ballerina.

Lacarra tanzt gemeinsam mit ihrem Partner

„Fordlandia“ ist der erste Ballettabend, den die spanische Tänzerin selbst produziert und organisiert hat. Von der Musik (von Chopin und Pärt bis Johansson) über filmische Elemente bis zur Planung von Gastspielen. Und der Abend wird von ihr und ihrem Partner Matthew Golding allein getanzt.

Die Uraufführung von „Fordlandia“ zeigt das Paar am Samstag (19. 9.), 19.30 Uhr, im Dortmunder Opernhaus. „Dortmund ist meine Heimat. Hier bin ich willkommener, als ich es an der Staatsoper in München war“, sagt Lucia Lacarra, die die Anna Netrebko des Balletts ist. Acht Vorstellungen sind bis 28. 11. geplant.

„Choreografien können andere viel besser“

„Ich liebe es, zu organisieren. Ich bin nicht der kreative Mensch, der Choreografien entwickelt. Das können andere, auch Matthew, besser“, sagt Lucia Lacarra. Wenn sie später nicht mehr tanzen wird, soll Ballettmanagement ihr Leben ausfüllen.

Für „Fordlandia“ hat sie vier Choreografen gebeten, eine Szene zu kreieren, die einen Gefühlszustand von Menschen zeigt, die getrennt sind, aber voneinander träumen.

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In dieser Situation waren Lucia Lacarra und Matthew Golding im März. „Ich war in Spanien bei meiner Familie und meiner fünfjährigen Tochter, als der Lockdown kam. Matthew war in Amsterdam“, sagt die Tänzerin: „Zehn Wochen hatten wir nur in Videokonferenzen und am Telefon Kontakt. Aber wir hatten einen Traum: dieses Stück zu tanzen.“

Organisation aus dem Lockdown heraus

Geplant hatten sie so einen Abend schon im Dezember. „Jetzt haben wir Zeit. Wir machen es jetzt“, habe sie im März gesagt, erzählt Lacarra: „Es war ein Abenteuer“.

In ihrem 10.000-Einwohner-Heimatort in Nordspanien hat sie Kostüme und Musik organisiert, Choreografien besprochen – immer getrieben von der Hoffnung, diese bald mit Matthew Golding tanzen zu dürfen.

Von neoklassizistischem Ballett über modernen Tanz bis zu leidenschaftlichem, spanischen Tanz ist alles dabei. Am 15. Juni endete der Lockdown in Spanien. „Am nächsten Tag bin nach Deutschland geflogen und habe Matthew in Dortmund wiedergesehen.“ Seitdem tanzen sie wieder.

Romantische und atemberaubende Filmszenen am Strand

Der Abend besteht aus sechs Stücken, die ineinander übergehen. „Wir wollten es abwechslungsreich gestalten. Damit es nicht langweilig wird, wenn das Publikum eine Stunde lang nur uns beide sieht. Und wir müssen uns ja auch mal umziehen.“

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Deshalb verschmelzen Tanzszenen mit Filmszenen, die das Paar am Strand in Nordspanien, im Wald im niederländischen Bergen aan Zee und im Dortmunder Schauspielhaus gedreht hat. Traumhaft schöne Bilder sind das, die wie Träume wirken.

Internationale Gastspiele von „Fordlandia“ geplant

Lucia Lacarra freut sich, dass das Theater Dortmund das Opernhaus so behutsam geöffnet hat – mit viel Abstand, damit sich jeder sicher und wohl fühlt. „Die Deutschen sind vorsichtig. Als in Spanien die Theater aufgemacht haben, waren alle Karten innerhalb von einer Stunde verkauft. Die Spanier sagen, jetzt darf ich raus, also gehe ich auch wieder raus‘“, erzählt Lacarra. Mit „Fordlandia“ plant sie auch Gastspiele in Spanien und Holland sowie eine Deutschlandtournee.

„Ich wollte Tänzerin werden, seit ich drei Jahre alt bin“, erzählt Lucia Lacarra. „Im Lockdown hatte ich nur einen Traum: in ,Fordlandia‘ auf einer Bühne zu stehen.“ Am Samstag erfüllt sich dieser Traum. Auch für das Publikum, denn das wird ein traumhaft schöner Abend.

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