Bahn zwei gehört mir. . .

SCHARNHORST Ende der 90er Jahre stand den städtischen Hallenbädern das Wasser bis zum Hals, und das Scharnhorster Bad drohte gar unterzugehen. Da trat der Schwimmverein Derne (SVD) in privater Trägerschaft als Rettungsschwimmer auf den Plan.

03.07.2008, 14:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Wird seit fünf Jahren vom SV Derne betrieben: Das Hallenbad "Die Welle" in Scharnhorst. Archiv</p>

<p>Wird seit fünf Jahren vom SV Derne betrieben: Das Hallenbad "Die Welle" in Scharnhorst. Archiv</p>

Fünf Jahre ist das jetzt her, und "Die Welle" - die ihren Namen dem Partnerschwimmverein "de Welle" im niederländischen Grachten verdankt, ist inzwischen über Dortmunds Grenzen hinaus beliebt.

"Beispielsweise zum Frauenschwimmen am Freitag kommen rund 100 bis 150 Frauen. Musliminnen und Nichtmusliminnen ziehen hier nebeneinander ihre Bahnen", erzählt der Vorsitzende des SVD, Klaus Henter.

"Wir leben und sterben mit dem Bad, daher war für uns schnell klar, dass wir es übernehmen würden", erinnert er sich. Der Pachtvertrag mit der Stadt läuft über 33 Jahre.

Sole-Elektrolyse

Seit 2003 hat sich viel geändert: Sole-Elektrolyse statt Flüssigchlor, fröhliche Blautöne und eine neu gestaltete Caféteria sind zu nennen. Und an 365 Tagen im Jahr ist der Sprung ins kühle Nass möglich. Nur der Donnerstag ist den Vereinen vorbehalten: U.a. haben die Wasserballer hier ihr Training, und es wird auch Unterwasser-Rugby gespielt.

Trotzdem muss der Schwimmverein Derne, der das Bad am Mackenrothweg 20 mit zwei Festangestellten und vielen, hochmotivierten Ehrenamtlichen leitet, jeden Cent umdrehen. Der jährliche städtische Zuschuss von 290 000 Euro reicht vorne und hinten nicht und wurde in den fünf Jahren auch nicht erhöht. "Die Mehrwertsteuererhöhung und die gestiegenen Energiekosten machen uns ganz schön zu schaffen", gibt Henter zu.

"Wir müssen selbst mindestens 200 000 Euro im Jahr erwirtschaften, um überhaupt klar zu kommen." Die kaufmännischen Erfahrungen als Betreiber des Derner Freibades seit 1990 kommen hierbei auch "Der Welle" zu Gute.

Der SV Derne identifiziert sich stark mit dem Stadtteil Scharnhorst. 1700 Schüler kommen in der Woche, auch der Offene Ganztag hat sich angesagt, genauso wie die Kita Mackenrothweg.

"Ganz zu schweigen von den vielen sportlichen, treuen Senioren, die auch manchmal mittwochs bis 22 Uhr den Weg finden. Getreu dem Motto: "Bahn zwei gehört mir", scherzt Henter.

Dass sie ein besonderes Herz für Kinder haben, beweisen die Mitarbeiter der Welle gerade jetzt. "Selbstverständlich haben wir auch in den Sommerferien geöffnet", sagt Henter. Und für alle zu Haus' gebliebenen Kinder findet an jedem Mittwoch von 14 bis 17 Uhr ein Spielfest im Hallenbad statt.

Wie wichtig es gerade für den Nachwuchs ist, dass es genügend Schwimmbäder gibt, macht Henter an einer erschreckenden Zahl deutlich: "25 Prozent der Kinder sind Nichtschwimmer, der Landesdurchschnitt liegt sogar bei 30 Prozent", warnt er. "Die Schulen schaffen das einfach nicht mehr. Unsere Schwimmkurse sind bis Weihnachten ausgebucht, und der Januar 2009 ist auch schon halb voll."

Apropos Identifikation: Natürlich fehlte Klaus Henter als Ideengeber auch nicht beim Runden Tisch der SPD in Scharnhorst, der sich mit den problematischeren Jugendlichen des Stadtteils befasste.

Petra Frommeyer

<p>Klaus Henter (Mitte) und sein Team - hier im Freibad unterwegs - haben aus der Welle in Scharnhorst ein attraktives Bad gemacht. Archiv</p>

<p>Klaus Henter (Mitte) und sein Team - hier im Freibad unterwegs - haben aus der Welle in Scharnhorst ein attraktives Bad gemacht. Archiv</p>

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