Diese Banner an einer B1-Brücke auf Höhe der Westfalenhallen wirbt für eine Dortmunder Band, die vor knapp 20 Jahren zum letzten Mal auf einer Bühne stand. © Oliver Schaper
Comeback nach 20 Jahren

B1-Banner überrascht: Dortmunder Legenden-Band steht vor der Rückkehr

Ein Banner an einer Fußgängerbrücke über die B1 kündigt ein Konzert in der Westfalenhalle im Dezember 2022 an. Es könnte eine der schrägsten Partys werden, die Dortmund je gesehen hat.

Man hält das Plakat an einer Fußgängerbrücke über die B1 zuerst für einen Scherz. „Phantoms Of Future – 2.12.2022 – Westfalenhalle 1“ steht dort in weißen Buchstaben auf schwarzem Grund, über mehrere Meter ausgebreitet. Es ist ein „Hä? Sind die wieder zurück“-Moment bei Tempo 50.

Die Phantoms Of Future sind eine Dortmunder Band um Sänger und Frontmann Sir Hannes Smith, bürgerlich Hannes Schmidt, die in der Rock- und Alternative-Szene in den 80er und 90er-Jahren Eindruck hinterlassen hat.

„Wir haben den Crossover erfunden, waren die ersten, die 1984/85 Wave, Punk und Metal gemischt haben“, sagt Hannes Schmidt, der auch als Sänger der Band The Idiots, Honigdieb sowie als Inhaber des Plattenladens Idiots Records an der Rheinischen Straße bekannt ist.

Gefeierte Abschiedskonzerte in der Live Station

2001 verabschiedeten sich die fünf Dortmunder nach einem Radio-Hit („Sun“), unzähligen Konzerten auf großen Bühnen und einer skurrilen Kollaboration mit BVB-Jungprofi Lars Ricken. An zwei Abenden feierten Fans den Abschied bei Konzerten in der Live Station.

Nun ist die Rückkehr angekündigt – wenn auch mit reichlich Vorlauf. „Ich habe wochenlang von den Phantoms geträumt, habe dann immer wieder alte Sachen gehört. Mir ist aufgefallen, was das für eine starke Band war.“

Der Dortmunder Musiker Sir Hannes Smith möchte 2022 sein 50-Jähriges Bühnenjubiläum mit Tausenden in der Westfalenhalle feiern. © Benito Barajas © Benito Barajas

Bei den anderen vier Bandmitgliedern traf der Vorstoß des Sängers auf die richtige Stimmung. So wird wieder geprobt, es gibt ein Video zu „Sun“, eine neue Single ist auf dem Weg. Und noch 14,5 Monate bis zum ersten Auftritt seit 20 Jahren.

Comeback der Phantoms Of Future ist Teil einer Party zum Bühnen-Jubiläum

Der Comeback-Gig wird Teil eines großen Programms sein, das Hannes Schmidt gerade für Dezember 2022 auf die Beine stellt.

Der Punk-Pionier begeht sein Bühnen-Jubiläum mit einer Art Revue, die den schlichten Namen „Sir Hannes & Friends“ trägt. Statt Showtreppe und Glitzerfrack werden Pogo, Punkrock und Metal-Matten das Bild in der Westfalenhalle 1 bestimmen.

Sir Hannes wird mit allen seinen Bands auf der Bühne stehen. Außerdem sind Bands wie Punk-Legenden Die Kassierer aus Bochum, Sodom aus Gelsenkirchen oder The Bollock Brothers aus England eingeladen. Tickets für „Sir Hannes & Friends“ sind seit Kurzem über www.eventim.de im Vorverkauf (ab 53,20 Euro).

„Es wird kein normales Konzert. Denn es soll nicht nur oben auf der Bühne etwas passieren“, sagt Hannes Schmidt. An der Garderobe, am Einlass, im Umlauf der Westfalenhalle – überall soll etwas los sein am 2.12.22.

Konzert in der Westfalenhalle – und danach in den Kneipen der Stadt

Es gibt ein Ticket-Modell, das eine Aftershow-Party mit Konzerten im FZW enthält. In möglichst vielen Szene-Kneipen im Unionviertel sollen Bands spielen. Auch in denen, die erstmal gar nicht so szenig wirken, wie etwa der DAB-Krug an der Lange Straße.

Die Bühnen-Rechnung beginnt Sir Hannes ab dem Moment, in dem er als Zehnjähriger in der Schule seine erste Theatergruppe mit dem Namen „Frei nach Schnauze“ gründete.

„Vorbild war die WDR-Sendung ,Ein Herz und eine Seele‘ mit Alfred Tetzlaff. Im Prinzip habe ich mich selbst gespielt: Der Junge, der immer anders als der Rest ist“, sagt er.

Einer der Wegbereiter des Punkrock in Deutschland

1976 gründete er seine erste Band Kellergeister, kurz danach markiert seine Band The Idiots den Beginn der deutschen Punkrock-Geschichte.

Es folgt ein Leben voller Aufstiege und Abstürze, mit den Phantoms und der Eröffnung des Plattenladens findet Hannes Schmidt sein Gleichgewicht wieder.

Bis zum Jubiläumskonzert dauert es noch eine Weile. „Aber es ist ja auch noch viel Arbeit, das anzuschieben.“ Rund 10.000 Menschen passen in die große Westfalenhalle. Das ist ambitioniert. Aber das hat Sir Hannes Smith in 50 Jahren Kunst nie davon abgehalten, etwas zu tun.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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