Die Schule liegt an einer der meist befahrenen Straßen in Dortmund. Die Kinder müssen an langen Autokolonnen vorbeigehen. Das Verhalten einiger Fahrer gefährdet sie besonders.

Saarlandstraßenviertel

, 12.12.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch schnell bei Tiefgelb über die Ampelkreuzung rutschen, mit maximal Beschleunigung auf die schnellere Fahrspur wechseln, Vollgas geben, wenn es die Autolawine erlaubt: Auf der Ruhrallee bestimmt der Verkehr das Geschehen. Dass an der großen Kreuzung mit der Landgrafenstraße die Winfried-Grundschule liegt, nehmen die wenigsten wahr. Das ist ein Problem.

Die Bundesstraße gehört zu den wichtigsten Zufahrtsstraßen in die Dortmunder Innenstadt. Jeden Morgen staut sich dort der Berufsverkehr in die City, nachmittags geht es im Schritttempo in Gegenrichtung wieder zurück.

Knapp 200 Kinder müssen sich täglich an den Autokolonnen vorbei ihren Weg zur Schule direkt neben der Feuerwache bahnen. Es wäre gut, wenn sie mehr gesehen würden, meinen Schulleitung, Eltern und Lehrer. Und da helfen nicht allein die grellen Warnwesten.

Schule fordert auffälligere Hinweisschilder

Die Verantwortlichen wünschen sich seit Langem bessere Hinweisschilder. Was sie besonders umtreibt, ist die Rücksichtslosigkeit einiger Autofahrer. „Einige verlängern die Grünphase für sich“, sagt die kommissarische Schulleiterin Kerstin Borghoff vorsichtig. Und die meisten wüssten eben nichts von der Grundschule. Vor allem durch Abbieger seien die Kinder daher gefährdet. In der dunklen Jahreszeit besonders.

Ein Sorgenpunkt ist auch die Ampelphase: „Die ist für Fußgänger so kurz, dass die Kinder mit ihren kurzen Beinen und schweren Schultaschen gar nicht über die Straße kommen“, sagt Kerstin Borghoff.

Gefährlich: Autofahrer nehmen Grundschule an der Dortmunder Ruhrallee nicht wahr

Die Ruhrallee ist eine viel befahrene Bundesstraße. Die Ampelphase ist kurz. © Foto Archiv

Nachmittags, wenn der Verkehr stadteinwärts nachlasse, seien auch einige Autofahrer zu schnell unterwegs. Aus all diesen Gründen hat sich bereits im Mai 2018 ein Arbeitskreis aus Eltern und Lehrern zum Thema gebildet.

Die vor zwei Jahren installierten Hinweisschilder werden so gut wie nicht wahrgenommen, beobachtet Arbeitskreis-Vorsitzende Monika Scharfenberg. Ihr Sohn hat die Grundschule inzwischen verlassen, aber sie macht sich weiter stark für die Kinder. Sie schlägt vor, die Natursteinmauer vor der Schule bunt anzumalen. Die Schulleiterin könnte sich auch ein großes hinterleuchtetes Metallschild vorstellen, das auch im Dunkeln gesehen wird. „Das ist halt auch eine Geldfrage.“

Daneben wünscht sich der Sicherheitskreis eine längere Ampelphase (Scharfenberg: „Für kleine Schüler ist es totaler Mist, mitten auf einer Bundesstraße zu stehen und zu warten.“), eine farbige Kennzeichnung des Überwegs und einen Rotblitzer an der Kreuzung.

Bezirksvertretung beschließ einstimmig Piktrogramme

Die Gruppe holte sich dafür die Unterstützung bei der Bezirksvertretung (BV) Innenstadt-Ost. Im November trugen sie mit einigen Schülern ihr Anliegen vor: „Helfen Sie uns, unseren Schulweg sicherer zu machen!“ Die Bitte der Grundschülern ließ die Lokalpolitiker nicht kalt. Wie es aussieht, werden aber trotzdem einige Wünsche wohl nicht in Erfüllung gehen.

Eine Blitzanlage müsste von der Unfallkommission beschlossen werden, teilte die Verwaltung mit. In einer der nächsten Sitzungen soll das besprochen werden. Das Ordnungsamt hat aber bereits abgewunken. Eine feste Geschwindigkeitsanlage ließe sich „so ohne Weiteres nicht rechtfertigen“ und eine reine Rotlichtüberwachung mache „nach den bisherigen Erkenntnissen wenig Sinn“, heißt es in einer Einschätzung mit Verweis auf die Blitzsäule an der Continentale-Versicherung wenige Meter oberhalb.

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Auch Markierungen auf der Straße lehnt die Verkehrsbehörde ab: „Etwaige Piktogramme auf der Fahrbahn werden nicht als zielführend erachtet, da diese vor allem durch das hohe Verkehrsaufkommen (häufig Stau) kaum wahrgenommen werden würden.“ Stattdessen sollen zusätzliche besser sichtbare „Achtung Kinder“-Schilder auf dem Mittelstreifen auf die querenden Schüler aufmerksam machen.

Die Bezirksvertretung war dennoch der Meinung, zusätzliche Markierungen auf der Fahrbahn könnten wohl nicht schaden. Schließlich gebe es nicht immer Stau.

Gefährlich: Autofahrer nehmen Grundschule an der Dortmunder Ruhrallee nicht wahr

Der starke Verkehr auf der Bundesstraße ist für Kinder schwer zu überblicken. © Susanne Riese

Die Wunsch-Ausstattung mit sogenannten Dialog-Displays, die den Fahrern entgegenblinken, wird noch geprüft.

Die Polizei betrachtet die derzeitigen Regelungen an sich als ausreichend, da „der Knotenpunkt Ruhrallee/Landgrafenstraße in den letzten Jahren nicht als Unfallhäufungsstelle aufgetreten ist und sich aus verkehrspolizeilicher Sicht als unauffällig darstellt“, wie es in einer Mitteilung an die Verwaltung heißt.

Aber die Polizei finde die Sichtweise der Kinder, Lehrer und Eltern sehr wichtig, so Sprecher Peter Bandermann. „Denn sie sehen das Problem mit anderen Augen. Also sind sie wichtige Gesprächspartner.“

Polizei bietet Unterstützung an

Das Team für Verkehrsunfallprävention der Direktion Verkehr bietet deshalb der Schule einen Themen-Elternabend an. „Gerne erläutert die Polizei den Kindern und Eltern auch direkt auf der Kreuzung die Situationen und richtige Verhaltensweisen, damit sie in Realsituationen dazulernen und sicherer werden.“

Die Schulgemeinde will mit einer Aktion am 13. Dezember (Freitag) auf ihre Situation hinweisen. Ab 7.30 Uhr verteilen die Kinder, begleitet von Lehrern und einer Polizistin, rote und grüne Karten an Autofahrer.

Die Polizei appelliert zugleich an alle motorisierten Verkehrsteilnehmer: „Nehmen Sie Rücksicht auf Schulkinder. Sie lernen noch, mit den Gefahren im Straßenverkehr umzugehen und sind dabei einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt.“

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