Deutlich sichtbar ist der Schaden, den eine Dachlawine an Christoph Regners Auto im Kreuzviertel hinterlassen hat. © Kevin Kindel
Ärger nach Wintereinbruch

Auto durch Dachlawine demoliert: Wer bezahlt für den Schaden?

Sind Schäden durch Dachlawinen anzusehen wie solche durch glatte Gehwege? Ganz so einfach ist es nicht. Christoph Regner hofft, dass er nicht auf den Kosten für sein Auto sitzen bleibt.

Ziemlich genau eine Woche lang lag eine dicke Schneedecke über Dortmund. Am Montag (15.2.) setzte dann das große Tauen ein – und an vielen Stellen rutschten dicke Brocken Schnee und Eis von den Hausdächern.

Zahlreiche Autos sind dabei beschädigt worden. So auch das von Christoph Regner, das an der Querstraße im Kreuzviertel geparkt war. Die Windschutzscheibe ist komplett hinüber, die Motorhaube stark eingedellt, auch das Dach ist beschädigt.

„Beim Joggen bin ich am Mittwoch hier vorbeigekommen“, sagt Regner: „Da war ich ziemlich verdutzt.“ Dieser Schock wich dem Ärger als er von der Eigentümerin des dortigen Hauses zunächst gehört hat, für den Schaden sei er selbst verantwortlich. Nach weiteren Gesprächen hat sich die Stimmung gebessert, aber die Ungewissheit bleibt.

An zahlreichen Stellen, an denen Schnee oder Eiszapfen zumindest von Dächern zu fallen drohten, war die Feuerwehr im Einsatz. Ob die Hausbesitzer die Einsatzkosten bezahlen müssen, sei immer vom Einzelfall abhängig, sagt Feuerwehr-Sprecher Oliver Körner. Er will sich juristisch nicht festlegen, sagt aber: „Grundsätzlich liegt die Sicherungspflicht beim Eigentümer.“

Besitzerin des betroffenen Gebäudes an der Querstraße ist die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Dortmund. Deren Kaufmännischer Leiter Markus Beer sagt am Freitag (19.2.): „Ich konnte dem Geschädigten zum Zeitpunkt unseres Gesprächs keine Zusage machen.“

Das liege aber daran, dass die Gebäude-Haftpflicht-Versicherung den Schaden noch prüfe. „Wir haben alle Unterlagen an die Versicherung weitergereicht“, so Beer.

Die Frage, ob die Verantwortung genau wie bei glatten Gehwegen beim Hausbesitzer liege, könne man nicht so pauschal beantworten, sagt Beer. In Regionen, in denen es regelmäßiger heftig schneit, seien Schneefanggitter etwa vorgeschrieben – in Dortmund aber nicht. Regelmäßige Dachwartungen gebe es aber, um sicherzustellen, dass zum Beispiel keine losen Dachziegel herabfallen können.

Mitschuld laut ADAC möglich

„Die Haftung kann den Hauseigentümer, den Hausverwalter oder den Mieter des Hauses treffen“, teilt der Auto-Verein ADAC zum Thema Dachlawinen mit: „Wenn diese ihre Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt haben.“ Ansonsten brauche man bei großen Schäden eine Vollkaskoversicherung fürs Auto.

„In schneearmen Gebieten kann in normalen Wintern grundsätzlich keine vorsorgliche Schutzmaßnahme verlangt werden“, so der ADAC. Der Verein rät, Autos nicht an Stellen zu parken, an denen mit Dachlawinen oder herabfallenden Eiszapfen zu rechnen ist. Das ist im Dortmunder Kreuzviertel aber sehr schwierig. „Im Falle eines Falles müssen Sie sich sonst beim Schadenersatz eine Mitschuld anrechnen lassen“, heißt es.

Wer als Autobesitzer vor Gericht zieht, müsse nachweisen, dass der Hauseigentümer der Sicherungspflicht nicht nachgekommen ist, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Und das sei mitunter ein schwieriges Vorhaben.

Kreuzviertel-Anwohner Christoph Regner ist selbst Jurist und meint, die Genossenschaft hätte aus einem Dachfenster heraus das Dach begutachten müssen. Wären Warnhinweise sichtbar gewesen, hätte er dort nicht geparkt. Von der Straße aus ist das Dach tatsächlich sehr schwer einsehbar.

Beim Fototermin sagt eine Passantin vor Ort, dass „alle fünf Minuten“ rund ums Haus abrutschende Schneemassen zu hören gewesen seien. „Das kann auch schiefgehen“, sagt Regner: „Zum Glück gab es keinen Personenschaden.“

Der Dortmunder wartet jetzt darauf, dass die Versicherung einen Sachverständigen beauftragt. Es könne sich durchaus um einen wirtschaftlichen Totalschaden handeln, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
Zur Autorenseite
Kevin Kindel

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.