600 Jahre alte Urkunden werden im Aplerbecker Amtshaus ausgestellt

dzHistorische Ausstellung

Der Fund von mehr als 100 Urkunden über das Haus Sölde war im vergangenen Jahr eine historische Sensation. Jetzt werden sie ausgestellt und zeigen, was die Menschen früher beschäftigte.

Aplerbeck

, 30.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Rahmen könnte passender nicht sein. Im Saal des historischen Amtshauses am Aplerbecker Marktplatz gibt es von Samstag (31. August) bis zum 8. September eine wohl einmalige Ausstellung. In großen Vitrinen, Leihgaben des Dortmunder Naturkundemuseums, werden 20 äußerst seltene Schriftstücke zu sehen sein. Urkunden aus der Geschichte des Hauses Sölde.

Teilweise sind die Urkunden mehr als 600 Jahre alt. Die Schriften, in mitteldeutscher Sprache verfasst, sind von einem Fachmann in das heutige Schriftbild übersetzt worden. Ralf Otte aus Paderborn hat diese Arbeit übernommen. Zu den ausgestellten Urkunden kommen zudem die dazugehörigen Siegel, die ebenfalls eine echte historische Rarität darstellen.

600 Jahre alte Urkunden werden im Aplerbecker Amtshaus ausgestellt

Die Urkunden sind in einem außergewöhnlich guten Zustand. © Jörg Bauerfeld

Organisiert vom Aplerbecker Geschichtsverein

Die Schriftstücke sind eine Leihgabe an den Aplerbecker Geschichtsverein, der die Ausstellung organisiert hat. Unterstützung gab es hierzu durch das Stadtbezirksmarketing Aplerbeck. „Mit Brief und Siegel“ heißt die Ausstellung, die neben den historischen Schriften auch noch historische Gewänder zeigen wird. Auf einem riesigen Bildschirm gibt es zu dem noch weiter Fotos von Siegeln und Schriftstücken – ein Gesamtpaket, das nicht nur eingefleischte Geschichtsfans begeistern soll.

Eine Urkunde vom „Alten Fritz“

Heimlicher Star unter den Schriftstücken ist eine prächtige Urkunde von Friedrich II. von Preußen, bekannter als der Alte Fritz. Der Alte Fritz hatte sein Siegel unter einen Vertrag gesetzt und damit entschieden, dass einige Morgen Land in Westhofen an den Herrn von Hövel übertragen worden sind. „Mit einem großen Siegel, das einen Durchmesser von acht Zentimetern hat“, sagt Günther Ehlers vom Aplerbecker Geschichtsverein.

AUSTELLUNG MIT BRIEF UND SIEGEL
Öffnungszeiten und Eintritt

  • Die Ausstellung „Mit Brief und Siegel“ findet vom 31. Augsut bis zum 8. September im Aplerbecker Amtshaus am Marktplatz statt.
  • Der Eintritt ist frei.
  • Zu besuchen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Amtshauses.
  • Am Samstag (31. August) und am Sonntag (1. September) ist die Ausstellung von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Aber was hat es mit den alten Schriftstücken auf sich? Zunächst einmal muss man festhalten, dass sich alle Urkunden in einem unglaublich guten Zustand befinden. Das stellten schon Georg Eggenstein und Günther Ehlers vom Aplerbecker Geschichtsverein im vergangenen Jahr fest, als sie aus den Händen der Familie Schulze-Dellwig die Schriftstücke erhielten. Schnell war klar, dass es sich um ganz außergewöhnliche Fundstücke handelte, die die Wirren der vergangenen Jahrhunderte an einem geheimen Ort gut überstanden hatten.

„Natürlich war es auch ein wenig Glück, dass die Urkunden so gut erhalten sind“, sagt Ehlers. Das Problem bei den Originalschriftstücken ist aber, dass sie kaum jemand lesen kann. Das liegt zum einen an der Schrift, zum anderen an der Wortwahl, die heute nicht mehr üblich ist.

Zwei Adelsfamilien werden erwähnt

„Die Urkunden, die ausgestellt werden, betreffen die Adeligenfamilien auf Haus Sölde, die Familie von Hövel, und die Adeligenfamilie auf Haus Ruhr in Wandhofen, die Familie von Neheim“, sagt Günther Ehlers.

Doch: Was steht in den Schriftstücken? Meistens sind es Aufzeichnungen von Geschäften, Verkäufen oder vorhandenen Ländereien der jeweiligen Adelshäuser. Diese Aufzeichnungen geben einen Einblick in das Leben in Sölde vom 14. bis zum 19. Jahrhundert.

600 Jahre alte Urkunden werden im Aplerbecker Amtshaus ausgestellt

© Jörg Bauerfeld

Jetzt wird es nur ein kleiner Teil des außergewöhnlichen Fundes sein, der ab Samstag (31. August) zu sehen sein wird. „Ob die restlichen Urkunden auch noch einmal der Öffentlichkeit vorgestellt werden, kann man nicht mit Gewissheit sagen“, so Ehlers.

Übersetzt werden die Schriftstücke auf jeden Fall. In digitalisierter Form werden sie dann beim Aplerbecker Geschichtsverein ausgewertet. Und wer noch einmal nachlesen möchte, der kann eine Broschüre zum Preis von 2 Euro erwerben, in der die ausgestellten Urkunden noch einmal zu finden sind.

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