Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit dem Festessen

dzBesondere Spendenaktion

Es sollte eine große Hochzeit werden. Mit einer Braut in Weiß, 500 Gästen und viel Prunk. Stattdessen bewirtete Albin Brcvak (29) Pfingstsonntag Bedürftige. Warum er das tat, hat einen Grund.

Dortmund, Nordstadt

, 09.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es hätte alles so schön sein können. Für Albin Brcvak, seine Familie und Freunde. Monatelang hatten sich alle auf diesen Pfingstsonntag gefreut. Auf die große Hochzeitsfeier des 29-Jährigen und seiner Frau. Doch vor vier Wochen sagte Albin Brcvak die Hochzeitsfeier ab. Ein Festessen gab es trotzdem. Für ganz besondere Gäste.

Kurz vor 16 Uhr betritt Albin Brcvak am Pfingstsonntag die Hochzeitslocation, das Grammophon in der Nordstadt. In Jeans und weißen Turnschuhen, der schwarze Anzug hängt zu Hause im Schrank. Sein Blick wandert durch den Festsaal, dann durchs Fenster Richtung Himmel. „Perfekte Bedingungen“, sagt er. Für eine Hochzeitsfeier, die hier nicht gefeiert wird. So hat es der gelernte Koch und Restaurantfachmann aus Schwelm entschieden.

Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit 
dem Festessen

Auch Albin Brcvaks (3.v.l.) engster Familienkreis kam zum Festessen und begrüßte mit ihm die besonderen Gäste. © Beate Dönnewald

Ein Festessen für 350 Personen

Albin Brcvak schwitzt. Immer wieder wischt er sich über seine Stirn. Ja, er sei angespannt, sagt er. Denn er sei sich gerade gar nicht mehr sicher, ob sein Plan aufgehen wird. Über die Diakonie hat er Obdachlose und Bedürftige zum Festessen eingeladen. Werden sie wirklich kommen? Haben sie rechtzeitig davon erfahren? Im Vorfeld war Albin Brcvak sehr optimistisch. Er hat Essen für 350 Personen bestellt.

Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit 
dem Festessen

So edel und pompös sah der Festsaal aus. © Beate Dönnewald

„Erst mal eine rauchen“, sagt Albin Brcvak, der in Montenegro geboren ist. Dann kommt er zurück und erzählt seine ungewöhnliche Geschichte. Wie aus einer Hochzeit im großen Stil ein Essen für Obdachlose wurde. Persönliches möchte der 29-Jährige weitestgehend aussparen. Verheiratet ist er seit Anfang Dezember 2018. Standesamtlich. Feiern wollte das Paar erst im Sommer. Vor vier Wochen sagte Albin Brcvak alles ab, lud mehr als 400 Gäste wieder aus. Die meisten über Whatsapp. Über seine Beweggründe schweigt er sich aus.

Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit 
dem Festessen

Warmes Essen wie gegrillte Frikadellen, Hähnchenschnitzel und Seelachsfilet sowie diverse Vorspeisen gab es für die Obdachosen. © Beate Dönnewald

Spendenaktion kostet eine „fünfstellige Summe“

Einzig das Essen bestellte Albin Brcvak nicht ab, obwohl es ohne großen finanziellen Verlust möglich gewesen wäre. Er sei Moslem und wolle was Gutes tun, sagt er. Das Zuckerfest wäre dafür perfekt gewesen, so Albin Brcvak, das habe aber terminlich nicht gepasst. Also sei die Idee entstanden, Obdachlose an diesem Pfingstsonntag zu bewirten und ihnen so eine Freude zu machen. Was ihn das kostet? „Eine fünfstellige Summe.“

Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit 
dem Festessen

Albin Brcvak im Gespräch mit einem seiner Gäste. © Beate Dönnewald

Aber Albin Brcvak möchte mit dieser Spendenaktion noch mehr erreichen. Er möchte anderen in ähnlichen Situationen Mut machen. „Das Leben geht weiter. Aus was Gutem kann wieder etwas Gutes entstehen.“ Seine Familie, seine Eltern, seine drei Schwestern stehen voll hinter ihm und seiner Entscheidung. Diese Spendenaktion, sagt seine Schwester Aida Spahic, sei für ihren Bruder wichtig. „Das tut seiner Seele gut, so wird er wieder zur Ruhe kommen.“ Auch die 37-Jährige schaut immer wieder nervös zum Eingang.

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„Ist das edel hier. Fantastisch.“

Um 16.50 Uhr taucht tatsächlich der erste Gast auf. Christian ist einfach nur platt, als er den Festsaal betritt. „Ist das edel hier. Fantastisch.“ Von einer geplatzten Hochzeitsfeier weiß er nichts. „Auf dem Zettel in der Diakonie stand nur Essen für Obdachlose.“ Auch Dieter, Andreas, Wolfgang und Jürgen sind für einen Moment sprachlos. So fein haben sie schon lange nicht mehr gespeist. Das Quartett kommt aus der östlichen Innenstadt. „Wir waren 1,5 Stunden unterwegs.“

Hochzeit geplatzt: Albin Brcvak (29) bewirtet Obdachlose aus der Nordstadt mit 
dem Festessen

Viele der 350 Plätze blieben leer. Albin Brcvak war am Ende trotzdem glücklich und zufrieden. © Beate Dönnewald

Bis zum Schluss bleiben viele der 350 Plätze leer. Der engste Familienkreis ist da, und rund 80 Obdachlose sind gekommen. Sie nehmen sich eine Stunde Zeit fürs Essen, dann machen sie sich wieder auf den Weg. Zurück bleibt ein glücklicher Albin Brcvak. „Das war super. Alle haben sich 1000 Mal bedankt.“ Keiner ist übrigens mit leeren Händen gegangen. Spontan hat Albin Brcvak noch ausreichend leere Behälter organisiert. Darin konnte sich jeder Essen für den nächsten Tag mitnehmen.

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