Zahnärztin Dr. Sabine Wagner warnt davor, die Zahnvorsorge aus Angst vor Corona schleifen zu lassen. © Oliver Schaper
Zahnvorsorge in Dortmund

Aus Angst vor Corona nicht zum Zahnarzt: Das kann teuer und gefährlich werden

Angst vor Corona und daher nicht zum Zahnarzt gehen? Das haben viele Dortmunder 2020 so entschieden. Das kann böse Folgen haben: finanziell und gesundheitlich – auch im Hinblick auf Corona.

Um ein Viertel sind die Patientenzahlen in den Zahnarztpraxen in Dortmund während des ersten Lockdowns zurückgegangen, das geht aus Zahlen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL) hervor: 260.000 Patienten ließen sich im zweiten Quartal 2019 behandeln, im zweiten Quartal 2020 waren es nur 190.000.

„Solche derart großen Schwankungen in den Vergleichszeiträumen sind nicht üblich und somit direkt auf die Corona-Krise zurückzuführen“, sagt Christine Dedeck, Pressereferentin der KZVWL.

Aus Angst davor, sich in der Praxis anzustecken, nicht zum Zahnarzt gehen? Dr. Sabine Wagner, die eine Praxis in Aplerbeck hat und Vorsitzende der KZVWL im Bezirk Dortmund ist, warnt davor: „Die Zahnarztpraxen sind sicher, die Hygieneketten funktionieren. Hier haben Patienten keinerlei Gefährdung – gefährlicher ist es, wenn sie nicht kommen.“

Fehlende Vorsorgeuntersuchungen können gefährlich werden

Denn gleich auf zwei Ebenen bringen ausgelassene Kontrolltermine beim Zahnarzt Probleme, erklärt Dr. Sabine Wagner: Gesundheitlich und finanziell. „Besonders für Diabetiker und ältere Menschen ist es während der Pandemie ganz wichtig, dass sie fit bleiben, da ist die Mundgesundheit das A und O“, sagt Dr. Wagner.

Es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Gesundheitszustand und einer Corona-Infektion, warnt auch die KZVWL in einer Mitteilung: Kranke Zähne verschlechtern den Allgemeinzustand.

Dadurch kann die Anfälligkeit für eine Covid-19-Infektion steigen und eine schwere Verlaufsform begünstigt werden. Besonders chronisch Kranke wie Diabetiker oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien gefährdet.

Mehr Schmerzbehandlungen seit dem Lockdown

Aber auch für alle anderen kann vernachlässigte Zahnvorsorge schmerzhafte Folgen haben: „Schmerzbehandlungen haben deutlich zugenommen“, sagt Dr. Wagner. Während des ersten Lockdowns habe es in der gesamten Region mehr Wurzelhandlungen, Zahnentfernungen und akute Schmerzbehandlungen gegeben, so die KZVWL.

Neben diesem schmerzhaften Effekt kann ein versäumter Vorsorgetermin auch finanziell bitter werden: Um das Bonusheft für die Zahnersatz-Zuzahlung der Krankenkassen aktuell zu halten, muss man einen Vorsorgetermin im Jahr vorweisen können.

„Wir schreiben Patienten, die im aktuellen Jahr noch nicht da waren, regelmäßig an. In diesem Jahr ist das deutlich mehr geworden, hat sich für unsere Praxis verdoppelt“, so Dr. Wagner.

Das Problem zum Jahresende: „Jetzt wird es schon knapp mit Terminen.“ Sie rät ihren Patienten, die den Termin in diesem Jahr nicht mehr nachholen können, sich an die Krankenkasse zu wenden, um vielleicht eine Ausnahme absprechen zu können.

Bonusheft

Regelmäßige Kontrollen für höhere Zuschüsse

  • Jeder gesetzlich Versicherte hat Anspruch auf ein Bonusheft, das man in der Zahnarztpraxis bekommen kann. Hier werden die Vorsorgeuntersuchungen eingetragen.
  • Wer regelmäßige Untersuchungen über 5 Jahre nachweisen kann, bekommt bei Zahnersatz einen höheren Zuschuss von seiner Krankenkasse: 70 statt 60 Prozent. Ab 10 Jahren beträgt der Zuschuss 75 Prozent.
Über die Autorin
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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