So müssen sich Zwillingseltern gegen ungefragte Meinungen wehren

dzEltern-Kolumne „Doppelkinder“

Zwillinge sind etwas Besonderes. Zwillingseltern müssen sich vielleicht deswegen sehr oft Gesprächen und Meinungen wildfremder Menschen stellen. Unsere Autorin weiß, wann das aufhört.

Dortmund

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Zweieiige Zwillinge sind praktisch. In den ersten zwei, drei Jahren bevölkern viele Schaulustige den Zwillingskinderwagen, der Aushängeschild des fortpflanzungstechnischen Ausnahmezustands ist. Mit so einer Doppelkarre kannst du dich wirklich nur schwer verstecken.

Günstigsten Falls geht vor dir eine Drillingsmutter mit ihrem Wagen her, aber ich gestehe, dass ich mich nicht erinnern kann, das jemals erlebt zu haben. Dann hagelt es allerhand Kommentare, Meinungen und aufgezwungene Gespräche. Ich habe in den vergangenen dreieinhalb Jahren unfassbar viele Menschen kennengelernt, die jemanden kennen, dessen Cousine zweiten Grades auch Zwillinge hat. Oder so ähnlich.

Ungefragte Meinungen

An diese Informationen kommt man stets völlig unaufgefordert. Genauso wie an Aussprüche wie „Zwillinge? Oh Gott, das hätte ich nicht geschafft!“ – Ich persönlich bin im Vorfeld nicht nach meinen Kapazitäten und Möglichkeiten gefragt worden und hätte, als die Kinder dann auf der Welt waren, kaum entscheiden können, welches von beiden mir denn nun zu viel ist.

Am häufigsten habe ich vermutlich zu hören bekommen: „Zwillinge? Das ist ganz schön viel Arbeit!“ Wenn Sie jemals eine Mutter oder einen Vater mit einem Zwillingskinderwagen sehen, verzichten Sie bitte darauf, diesen von Schlafmangel gezeichneten Geschöpfen Dinge zu erzählen, die sie bereits wissen.

Auf Ansprache verzichten

Verzichten Sie am besten generell darauf, sie in lange Gespräche zu verwickeln, in der Regel sind sie froh, wenn sie mal einfach nur leeren Blickes einen Bürgersteig entlang laufen dürfen. Solange sich der Doppel-Nachwuchs noch im Kinderwagen durch die Gegend schieben lässt, können sich Zwillingseltern der unaufgeforderten Ansprache sicher sein. Da gibt es kein Entkommen.

Umso wohltuender wird die Belanglosigkeit, in der man verschwindet, wenn die Kinder laufen können und obendrein auch noch unterschiedlich aussehen und gekleidet sind. Dann reißt das schier endlose Band der Kommentare irgendwann ab. Ich habe noch keine Zwillingseltern getroffen, die das bedauert haben.

Menschen kommen ins Grübeln

Ab und an bemerke ich Menschen, die, etwa auf dem Spielplatz, meine Söhne so eingehend studieren, dass ich die vergeblichen Schaltversuchen ihrer Synapsen quasi hören kann. Zuweilen ringt sich der eine oder andere Mutige dann zu einer Frage durch: „Ihre sind aber auch nicht weit auseinander, oder?“

„Anderthalb Minuten“, pflege ich dann zu entgegnen. Die Sekunden, bis aus Hören Begreifen wird, sind ein großes Vergnügen. Wenn dann die Zweieiigkeit festgestellt wird, ernte ich dennoch oft Bedauern. Zwei Jungen. Wie schade. Ich habe gelernt: Ein Junge und ein Mädchen wären besser gewesen. Irgendwas ist immer.

UNSERE KOLUMNE „DOPPELKINDER“

AUS DEM LEBEN EINER ZWILLINGSMAMA

In unserer Eltern-Kolumne berichtet Julia Scharnowski aus ihrem Alltag, den sie mit Ehemann und Zwillingssöhnen in Dortmund erlebt. Sie schreibt darüber regelmäßig auf ihrem Blog „Doppelkinder“ und bei Instagram (@juli_scharnowski_mompwr).
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