In Kruckel wird eifrig an neuer Stromtrasse gebaut - trotz Klage

dzNeue Freileitung

Der Netzbetreiber Amprion ist emsig dabei, die vorhandene Stromtrasse von Kruckel aus Richtung Schanze und Herdecke auszubauen. Auf eigenes Risiko, denn es läuft noch eine Klage.

Kruckel, Schnee

, 25.07.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht um eine insgesamt 126 Kilometer lange Stromtrasse bis zur Landesgrenze Rheinland-Pfalz: Dortmunder bekommen davon vor allem in den Ortsteilen Kruckel und Schanze etwas mit. Amprion baut zwischen Kruckel und Dauersberg in Rheinland-Pfalz eine bereits vorhandene Trasse aus – statt 220 wird die neue Freileitung eine Spannung von 380 Kilovolt führen. Gesetzlich verankert ist das Projekt als „Maßnahme Nr. 19“ im Energieleitungsausbaugesetz von 2009. Das Projekt trage dazu bei, „unser Stromnetz im Zuge der Energiewende noch flexibler und leistungsfähiger zu machen“, heißt es bei Amprion.

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Das Okay der Bezirksregierung kam im April 2019

„Im April 2019 haben wir von der zuständigen Genehmigungsbehörde, der Bezirksregierung Arnsberg, den Planfeststellungsbeschluss erhalten. Die Bauaktivitäten starteten im direkten Anschluss an den Beschluss“, teilt Amprion-Projetleiterin Mariella Raulf auf Anfrage mit. Dennoch baut Amprion aktuell - trotz dieses Beschlusses - auf eigenes unternehmerisches Risiko, da eine Klage anhängig ist. Die mündliche Verhandlung dieser Klage finde am 10. November in Leipzig statt. Man sei aber zuversichtlich, dass das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss bestätige, teilt Amprion auf Anfrage mit.

Die Strommasten im Stadtteil Schnee überragen die Wälder.

Die Strommasten im Stadtteil Schnee überragen die Wälder. © Schaper

59 neue Masten sollen auf der gesamten Strecke 106 alte, die zum Teil noch aus den 1920er-Jahren stammen, ersetzen. Nach dem Ende der Maßnahmen stehen also deutlich weniger Masten in der Landschaft. Pro Mast werden durchschnittlich 75 Tonnen Stahl benötigt, die mit Hilfe von Lkw zu den Arbeitsflächen transportiert werden. Der Mast wird an der Baustelle vormontiert und anschließend Segment für Segment mit einem Autokran in die Höhe gebaut. Das passiere innerhalb von ein bis drei Tagen, so Amprion. Anschließend können die Arbeiten am Mast beginnen. Dafür kalkuliert Amprion mit 10 bis 14 Wochen.

„In unserem Sinn, dass die vorhandene Trasse genutzt wird“

Lena Hültenschmidt, die Zeit ihres Lebens auf dem Schnee wohnt, ist Mitglied der Bürgerinitiative „Rettet den Schnee“. Da geht es über Jahre mit unterschiedlichen Schwerpunkten um alles, was mit Umwelt zu tun hat; und zwischendurch war eben auch mal die Stromtrasse ein Thema. „Es ist in unserem Sinn, dass für den Tier- und Naturschutz die vorhandene Trasse genutzt wird“, findet Hültenschmidt ganz persönlich. Für die Dortmunder und die Dortmunder Wälder sei das die bessere Lösung. Letztlich hat sich die Dortmunder Initiative aus dem Thema rausgehalten, die Herdecker sind weitaus mehr betroffen. Und die sind wenig begeistert vom Ausbau der bestehenden Trasse. Man brachte Alternativen ins Spiel (entlang der Autobahn 45).

Es geht hoch hinaus. Viele der neuen Strommasten stehen schon auf diesem Abschnitt.

Es geht hoch hinaus. Viele der neuen Strommasten stehen schon auf diesem Abschnitt. © Britta Linnhoff

Letztlich blieb es bei der jetzigen Trassenführung. Auch wenn Hültenschmidt dies das kleinere Übel findet. Sie legt Wert auf die Feststellung, „dass ich die Menschen in Herdecke absolut verstehe“, betont sie. Dennoch: „Wenn man die Wahl hat zwischen einer neuen Schneise durch den Wald und einer bestehenden Trasse, dann lieber Letzeres“, findet sie.

Die Initiative „Herdecke unter Strom“ setzt trotz des schon laufenden Ausbaus auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im November. Die Klage richtet sich gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Arnsberg, die den Bau der Stromtrasse erlaubt hat.

Die Herdecker werfen der Bezirksregierung unter anderem vor, nicht ausreichend andere Varianten geprüft zu haben – wie etwa eine Leitung entlang der Autobahnen oder die Verlegung von Erdkabeln. Stand jetzt rechnet Amprion damit, dass die Arbeiten bis zum Jahreswechsel andauern - wenn nicht das Gericht doch noch neue Fakten schafft.

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