DSW21 im Zwiespalt: Maskenpflicht durchsetzen oder pünktlich sein?

dzBus und Bahn

Maskenverweigerer ärgern viele Fahrgäste in Bus und Bahn. Das konsequente Durchsetzen der Maskenpflicht bei Kontrollen könnte an den dicht getakteten Fahrplänen scheitern.

von Beat Linde

Dortmund

, 28.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer noch häufig sieht man in Bus und Bahn andere Fahrgäste, die ihre Maske entweder gar nicht tragen oder falsch, sodass kein wirklicher Schutz gewährleistet ist. Aber nur in den seltensten Fällen wird solches Verhalten so effektiv geahndet wie es von NRW-Verkehrsminister Wüst unlängst gefordert wurde, etwa mit einem Bußgeld.

Christina R. möchte nicht, dass irgendjemand Bußgeld zahlen muss. Sie möchte nur, dass „wir alle so schnell wie möglich aus der Krise wieder rauskommen“. Deswegen schrieb sie eine E-Mail an DSW21, nachdem sie vergangene Woche in der U41 eine ganze Gruppe beobachtet hatte, die ohne Masken fuhr und diese Beobachtung sich seitdem beinahe jeden Tag wiederholt hat.

Jetzt lesen

In der E-Mail bat sie darum, dass Mitfahrer ohne Maske häufiger vom ÖPNV-Personal aufgefordert werden sollten eine Maske zu tragen oder dass mehr Kontrollen stattfinden sollten.

Antwortschreiben der DSW21 erstaunt

In dem Antwortschreiben der DSW21, das unserer Redaktion vorliegt, wurde ihr erklärt, dass „eine massive Durchsetzung der Maskenpflicht [...] weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Fahrplan hätte und somit auch für alle Fahrgäste. Nicht jeder zeigt sich aktuell einsichtig und das wird auch der Fall sein, wenn Fahrdienst- oder Servicepersonal das Hausrecht durchsetzen wollen.“

Eine Sprecherin der DSW21 präzisiert auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die meisten Kunden ziehen sofort bei der ersten Ermahnung eine Maske an“. Die Mitarbeiter seien aber auch befugt und angewiesen, renitente Maskenverweigerer aus der Bahn zu werfen.

In solchen Fällen komme es dann auf „das richtige Fingerspitzengefühl“ an. Denn klar sei auch, dass größere Auseinandersetzungen, die möglicherweise eskalieren könnten, einen „Eingriff in den Betriebsablauf“ darstellen würden.

Polizei-Einsätze würden zu Verspätungen führen

In der DSW21-Mail heißt es: „Es muss dann die Polizei hinzugezogen und das Eintreffen der [Beamten] abgewartet werden. Die Reaktionszeiten der Ordnungshüter weiten sich entsprechend aus und von einem gut strukturierten Fahrplan verändert sich dieser zu einer reinen Fahrtempfehlung. Das eigentliche Ziel des ÖPNV ist ad absurdum geführt und massive Fahrplanabweichungen vorprogrammiert.“

Bei besagtem Fingerspitzengefühl geht es also um ein Abwägen zwischen der Pünktlichkeit des ÖPNV und der konsequenten Durchsetzung der Maskenpflicht, mit möglichen Polizeieinsätzen und entsprechenden Störungen im Fahrplan.

Eine Abwägung, für die Christina R. wenig Verständnis hat: „Ich habe noch unseren Ministerpräsidenten Armin Laschet im Ohr, als er sagte: ‚Es geht um Leben und Tod‘ und jetzt soll es um Pünktlichkeit gehen?“

Lesen Sie jetzt