Der Dortmunder Immunologe Prof. Carsten Watzl ordnet die Aussetzung der Impfung mit Astra Zeneca ein. © TU Dortmund
Astrazeneca-Impfung

Astrazeneca-Stopp – So schätzt der Dortmunder Experte Prof. Watzl die Lage ein

Bislang hat der Dortmunder Immunologe Prof. Carsten Watzl den Impfstoff von Astrazeneca als gut bezeichnet. Was sagt er, nachdem der Bund die Impfung mit diesem Vakzin vorsorglich ausgesetzt hat?

Der bekannte Dortmunder Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund war bis jetzt immer ein Verfechter des Impfstoffs von Astrazeneca und hat ihn als ebenso gut wie die anderen Impfstoffe bezeichnet, die in Deutschland zugelassen sind.

Nun hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montagnachmittag (15.3.) auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts vorsorglich die Aussetzung der Corona-Schutzimpfungen mit dem Präparat von Astrazeneca angeordnet, nachdem auch in Deutschland in Zusammenhang mit den Astrazeneca-Impfungen Einzelfälle von Thrombosen der Hirnvenen bekannt geworden sind.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde voraussichtlich noch in dieser Woche die neuen Erkenntnisse über Thrombosen der Hirnvenen bewerten und eine Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff treffen, kündigte Spahn an.

Riesenverunsicherung in der Bevölkerung

Bis Montagmorgen habe man nur von normalen Thrombosen gesprochen, sagte Prof. Watzl auf Nachfrage, und deren Anteil sei bei Geimpften nicht höher als bei nicht Geimpften gewesen. Jetzt spreche man von Hirnvenen-Thrombosen, also Gefäßverschlüssen im Gehirn. Betroffen seien drei bis vier Menschen von etwa einer Million.

Watzl: „Selbst wenn es bei 1,6 Millionen Geimpften zwei bis drei solcher Fälle über einen kurzen Impfzeitraum gäbe, wäre das schon gehäuft.“ Und trotzdem: Wenn es aber wirklich einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung gäbe, betont der Wissenschaftler, sei das noch immer eine „sehr seltene Nebenwirkung. Das wird aber leider aktuell nicht kommuniziert.“

In der Bevölkerung gebe es bereits eine Riesenverunsicherung, berichtet der Wissenschaftler. Bei einem ärztlichen Kollegen seien schon zwei Patienten in der Praxis gewesen, die erklärt hätten, sie hätten eine Thrombose erlitten.

In 90 Prozent der Fälle verschwindet Thrombose von selbst

Sollte sich ein ursächlicher Zusammenhang der Hirnvenen-Thrombosen tatsächlich bewahrheiten, müsste man Menschen, die Blutverdünner nehmen, oder anderen Risikopatienten einen anderen Impfstoff injizieren, sagt Watzl. Diese Thrombosen gingen in 90 Prozent der Fälle von allein zurück, bei 10 Prozent könnten sie aber auch tödlich enden.

Wer bereits mit Astrazeneca geimpft worden ist, braucht sich laut Watzl keine Sorgen um die Zweitimpfung zu machen. Da erst zwei, drei Monaten nach der ersten Impfung nachgeimpft werde, sei noch genug Zeit, die Fragen zu klären. Im Fall des Falles könne man auch mit einem anderen Impfstoff nachimpfen. Watzl: „Aber so weit sind wir noch gar nicht.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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