Halb verhungerter Hund aus Wohnung in Eving gerettet – Zweiter Hund wurde verhätschelt

dzTierschutz

Ein trauriges Rätsel: Ein großer Mischlingshund wiegt nur 14 Kilo und sitzt meist angebunden an der Heizung. Doch ein zweiter Hund in der Wohnung ist fit und wohlgenährt.

Dortmund

, 22.07.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein anonymes Schreiben, das die Tierschutzorganisation Arche90 zum Einsatz in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Eving veranlasste. Und tatsächlich fanden die Tierschützer dort bei einer achtköpfigen Familie einen extrem abgemagerten Mischlingshund (vermutlich Hovawart-/Colliemix) vor. Gerade mal 14,2 Kilogramm wiegt das ein Jahr alte Tier. Der Mischling ist extrem dünn, Rippen- und Hüftknochen stehen deutlich hervor. „Ein Skelett“, sagt Einsatzfahrerin Gaby Bayer. Laut Tierärztin müsste der Hund zwischen 25 und 30 Kilo auf die Waage bringen.

In der anonymen Meldung war auch davon die Rede, dass der Hund kaum Bewegung habe und ständig an der Heizung angebunden sei. Als die angemeldeten Tierschützer von Arche90 die Wohnung betraten, war der Hund zwar nicht angebunden, doch die Spuren an seinem Körper bestätigten die Aussage. Der Hund hat kreisrunde Liegeschwielen am Hinterteil. Er roch nach Kot und Urin.

Keine Muskeln aufgebaut

Die Besitzer, so Gaby Bayer, hätten erklärt, der Hund habe einfach nicht gefressen. Sie haben ihn schließlich an Arche90 abgetreten, und die Einsatzfahrer haben ihn in die Tierklinik gebracht. Die Tierärztin dort stellte fest, dass der Hund keine Muskeln aufgebaut hat und auch die Knochen wohl Schaden genommen haben.

Halb verhungerter Hund aus Wohnung in Eving gerettet – Zweiter Hund wurde verhätschelt

Obwohl der Hund bei dem angemeldeten Termin augenscheinlich frisch gebadet war, roch er laut Arche90 stark nach Kot und Urin. © Arche90

Das ausgehungerte Tier stürze sich auf alles Fressbare, berichtet Sabine Keller von Arche90. Beim Tierarzt habe er den Napf leer gefressen, bevor dieser überhaupt auf den Boden gestellt war. Der Hund habe trotz seiner Erfahrungen ein sehr nettes Wesen, sagt Sabine Keller, sei freundlich gegenüber Menschen und auch zu anderen Hunden – bis auf eine Ausnahme. „Er ist futterneidisch.“ Das sei aber verständlich, so Sabine Keller: „Er musste bislang um sein Futter kämpfen.“

Ein neues Zuhause gesucht

Was die Tierschützer verwunderte: In der Wohnung war ein zweiter Hund, ein Jack Russel Terrier. Der sehe aber gut aus und sei wohlgenährt. „Ich weiß nicht, ob das eine neue Art der Tierquälerei ist“, sagt Sabine Keller.

Arche90 sucht nun ein neues Zuhause für den Hund. Wegen des Futterneids sollte das eines sein, in dem keine anderen Hunde und möglichst auch keine Kinder leben, so Sabine Keller. Oder es müssten erfahrene Halter sein, die die Fütterung getrennt vornehmen. Keller: „Manche Tiere behalten ihren Futterneid ein Leben lang.“

Arche90 hatte auch erfolglos versucht, den Hund im Dortmunder Tierheim unterzubringen. Man habe zwar schon Notfälle von der Arche90 übernommen, sagt dazu der Leiter des Tierschutzzentrums, Peter Hobrecht, doch man erwarte auch von Tierschützern, „dass sie nur die Tiere aufnehmen, die sie selbst versorgen können.“

Arche90 sucht dringend Pflegestellen, vor allem für verstörte, vernachlässigte und auch große Hunde. Auch für eine unversorgte Katze brauche man noch dringend eine Pflegestelle, weil die Halter in den Urlaub gefahren sind und sie einfach sich selbst überlassen haben. Wer bereit ist, solch ein Tier aufzunehmen, kann sich an das Infotelefon der Arche90 unter 0231 – 87 53 97 wenden.
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