Durchschnittlich 36.213 Menschen waren in Dortmund im vergangenen Jahr arbeitslos. In den Jahren vor war die Arbeitslosigkeit gesunken: von durchschnittlich 37.414 (12,5 Prozent) in 2015 auf durchschnittlich 31.870 in 2019. © dpa
Coronavirus

Arbeitslosigkeit stieg in Dortmund 2020 so stark wie nie zuvor

Auf dem Arbeitsmarkt in Dortmund kam es 2020 zu etlichen traurigen Rekorden. Corona stoppte im März eine positive Entwicklung abrupt. Trotzdem gibt es auch überraschend gute Zahlen.

Vor genau einem Jahr ahnte noch niemand, was über den Dortmunder Arbeitsmarkt im März hereinbrechen würde. Das Jahr startete gut: „Im ersten Quartal konnten wir noch an die positive Entwicklung der letzten Jahre anknüpfen“, erinnert sich Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund. Dann kam die Pandemie.

Die positive Entwicklung brach mit dem Eintreffen des Coronavirus in Europa abrupt ein. Die Arbeitslosigkeit explodierte im April so wie noch nie in Dortmund. Lag die Arbeitslosenquote im März bei 10,3 Prozent (32.704 Arbeitslose), so stieg sie im April auf 11,2 Prozent (35.450 Arbeitslose). „Einen solchen Anstieg um 8,4 Prozent (plus 2746 Arbeitslose) von einem auf den anderen Monat hat es zuvor in Dortmund noch nicht gegeben“, sagt Heike Bettermann. Der corona-bedingte Höchststand der Arbeitslosigkeit wurde im August 2020 mit 38.828 arbeitslosen Menschen erreicht.

Auf das Jahr gesehen waren 2020 im Durchschnitt 36.213 Menschen in Dortmund arbeitslos. Das sind 13,6% mehr als im Vorjahr. Auch dieser Anstieg im Jahresvergleich ist ein Rekord. Die absolute Zahl der Arbeitslosen war in Dortmund aber bereits höher – zuletzt 2015.

Mit dem Lockdown waren keine Arbeitskräfte mehr gefragt

Mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr brach die Arbeitskräftenachfrage deutlich ein. Im April 2020 wurden in Dortmund lediglich 642 Arbeitsstellen als frei gemeldet. „Das war der historisch geringste Wert innerhalb eines Monats“, so Heike Bettermann.

Durch den Einsatz vieler arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und eingebettet in eine robuste Wirtschaftsstruktur, so erläutert Heike Bettermann, sei es aber gemeinsam mit allen anderen Arbeitsmarktpartnern gelungen, 2020 dennoch relativ gut durch die Krise zu kommen.

Dr. Regine Schmalhorst (l.) und Heike Bettermann (l.)
Dr. Regine Schmalhorst (l.), die Leiterin des Jobcenters Dortmund, und Heike Bettermann (r.), die Chefin der hiesigen Arbeitsagentur, sehen, dass Dortmund in der Krise bisher noch ganz gut dasteht. Sowohl in der Grundsicherung als auch im Kurzarbeitergeld sehen sie gute Instrumente, die Menschen in der Krise helfen. © Peter Wulle © Peter Wulle

Die konjunkturelle Kurzarbeit erwies sich als das wichtigste Instrument zur Sicherung einer hohen Beschäftigung während der Pandemie. Mit Beginn des Lockdowns im Frühjahr stieg die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit im März und April explosionsartig an. Alleine innerhalb dieser zwei Monate wurden rund 4.820 Anzeigen mit rund 63.761 betroffenen Personen gestellt.

Insgesamt gingen in Dortmund in der Zeit von Januar bis Dezember 2020 etwa 6.603 Anzeigen von Unternehmen ein. Von der angezeigten Kurzarbeit waren rund 90.567 Personen potenziell betroffen. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 wurden in der Jahressumme 671 Anzeigen für Kurzarbeit mit etwa 12.670 potenziell betroffenen Personen gestellt.

Kurzarbeit erreichte einen Höchststand

Nicht nur die Anzeigen für Kurzarbeit kletterten auf ein absolutes Rekordniveau, auch die tatsächlich realisierte Kurzarbeit erreichte Höchstwerte. Die ersten Auswertungen dazu (bis Juli) zeigen, dass in Dortmund aber nur knapp jeder zweite Antrag (42 Prozent) realisiert wurde. Im April 2020 waren in Dortmund insgesamt 37.816 Menschen in Kurzarbeit. Dies entspricht einer Kurzarbeiterquote von 15,0 Prozent. Somit arbeitete beinahe jede oder jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nicht die volle vereinbarte Arbeitszeit.

Nahezu alle Branchen waren gleichzeitig – jedoch in unterschiedlichem Ausmaß – von Kurzarbeit betroffen. Während in früheren Wirtschaftskrisen häufig ausschließlich Industriebetriebe und deren nahestehenden Branchen wie die Logistik betroffen waren, sind durch die Corona Pandemie auch Branchen betroffen, die früher selten mit Kurzarbeit in Berührung gekommen sind – zum Beispiel die Reisebranche, die Hotellerie, Bäder und Friseure. Die am stärksten von Kurzarbeit betroffenen Branchen 2020 sind der Handel, das Gastgewerbe und das verarbeitende Gewerbe.

Dass die Auswirkungen der Corona-Krise sich besonders bei der Langzeitarbeitslosigkeit zeigen, macht Jobcenter-Leiterin Dr. Regine Schmalhorst deutlich: „Immer mehr Menschen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit, unter anderem weil sie während des Bezugs von Arbeitslosengeld keine neue Beschäftigung aufnehmen konnten und auch weil saisonale Beschäftigungsmöglichkeiten auf Helferniveau, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel oder der Gastronomie, weggefallen sind. So lag der Zuwachs an Langzeitarbeitslosen im Jobcenter im Dezember 2020 um etwa 30 Prozent höher als im Vorjahresmonat.“

Zahl der Beschäftigten ist stabil geblieben

Insgesamt hat die Krise den Dortmunder Arbeitsmarkt nicht so stark getroffen, wie es zu befürchten war. So blieb die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten relativ stabil. Sie betrug im März 251.979 und sank bis zum Juni auf 246.840. Das war aber das Niveau des Vorjahres (Juni 2019: 246.603). Durch Kurzarbeit wurden also viele Arbeitsplätze zunächst gesichert.

Bleibt das so? Für 2021 zeigt sich Agentur-Chefin Heike Bettermann vorsichtig optimistisch, dass sich die Dortmunder Wirtschaft weiter robust zeigen wird. Bis die Arbeitslosenzahl wieder das Vorkrisen-Niveau erreiche, werde es aber dauern: „Wir müssen realistisch bleiben. In vielen Branchen wird es lange brauchen, um die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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