Anliegerschild entfacht Nachbarschafts-Streit in Dortmund

dzVerkehr in Dortmund

Eine neue Verkehrsregel spaltet einen Dortmunder Ortsteil. Schuld ist eine Kanalbaustelle an einer Hauptverkehrsstraße.

Schüren

, 10.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das weiße, runde Schild mit dem roten Rand ist ein Provisorium. „Anlieger frei“ steht drunter“ und es soll für eine beruhigte Straße sorgen. Steht man aber in der Nachmittagszeit an die Niergartenstraße in Schüren, kommt schnell der Eindruck auf, es handele sich um eine Hauptverkehrsstraße.

Ein Auto nach dem anderen fährt durch die kleine Straße, die die Meinbergstraße mit der Schürener Straße verbindet. Dabei sind die knapp 500 Meter eigentlich seit gut zwei Monaten als Anliegerstraße ausgeschildert. Nur ein Anliegen hat kaum jemand der „Durchfahrer“.

Anliegerschild entfacht Nachbarschafts-Streit in Dortmund

Autofahrer nutzen die Straße als Schleichweg. © Jörg Bauerfeld

Dass Schild spaltet die Bürger in Schüren. Da gibt es auf der einen Seite diejenigen, die hocherfreut über die Aufstellung des Verkehrsschildes sind, und eben die, die das Schild am liebsten sofort beseitigen möchten.

Die Niergartenstraße ist eine wichtige Verbindungsstraße

Das Bizarre: Beide Parteien wohnen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Wie kann das sein?

Schuld an dem Desaster rund um die Niergartenstraße ist die Kanalbaustelle an der Schüruferstraße und die damit verbundene einseitige Sperrung der Adelenstraße. Über die ist nämlich keine Einfahrt auf die Hauptverkehrsachse, der Schüruferstraße, mehr möglich – aber eben über die Niergartenstraße. Und das nutzen die Verkehrsteilnehmer gnadenlos aus.

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Die Anwohner der Niergartenstraße, an der auch ein Kindergarten liegt, gingen auf die Barrikaden und die Bezirksvertretung Aplerbeck beschloss in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt, die Niergartenstraße für die Zeit der Kanalbauarbeiten zu einer Einbahnstraße zu erklären. Jubel auf der einen Seite, Verdruss auf der anderen Seite.

„Es kann nicht sein, dass man einfach die Niergartenstraße zur Anliegerstraße erklärt und Teilen von Schüren damit eine Verkehrsverbindung kappt“, sagt Anwohner Frank Krause.

Denn durch die Verkehrsregel seien die Anwohner der Erlenbachstraße, Schürener Vorstadt und der Schürener Straße zu Umwegen gezwungen. Und es gibt Knöllchen für diejenigen, die sich nicht an das neue Schild halten.

Anwohner hat eine Petition ins Leben gerufen

Jetzt haben Krause und weitere Anwohner eine Petition vorbereitet und Unterschriften gesammelt. Die ist noch, ganz klassisch, analog zu unterschreiben. Mehr als 100 Unterschriften sind es schon. Ziel ist es, den Anliegerbereich zu erweitern oder das Schild entfernen zu lassen.

Der Erfolg scheint eher gering, so Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel (SPD). Eine Erweiterung des Bereiches sei rechtlich nicht möglich. So lange die Kanalbaustelle an der Schüruferstraße sei, werde wohl auch das Schild stehen bleiben. Man werde sich die Verkehrssituation vor Ort aber noch einmal ansehen.

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Zufriedenheit herrscht im Übrigen auch nicht bei den Anwohnern, die sich das „Anliegerschild“ erkämpft haben. „Es hat sich praktisch nichts geändert“, sagt Bettina Mönnekes, die an der Niergartenstraße wohnt. „Der Verkehr ist eher noch stärker geworden.“

Und was ist mit Kontrollen? „Davon gibt es sehr wenige und dann zu Zeiten, an denen nicht so viel Verkehr durch die Straße rollt. Mittags zum Beispiel.“

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