Zuletzt hat es in Dortmund-Dorstfeld mehrere Vorfälle gegeben, in denen Stolpersteine beschädigt worden sind, die in Gedenken an von den Nationalsozialisten ermordeten Juden verlegt worden waren. © Quartiersdemokraten
Antisemitismus

Andenken an ermordete Juden in Dorstfeld immer wieder beschädigt

In Dorstfeld werden Stolpersteine, die in Gedenken an vom NS-Regime ermordeten Juden verlegt worden waren, immer wieder beschädigt. Das hat auch den Staatsschutz auf den Plan gerufen.

Gut zwei Monate ist es her, dass neue Stolpersteine in Dortmund verlegt worden sind. Zwei waren es in Dorstfeld, über 20 im gesamten Stadtgebiet. Seit der Verlegung wurden Stolpersteine in Dorstfeld immer wieder mit Farbe beschädigt.

Viermal der Stein auf dem Dorstfelder Hellweg, der an Josef Rosenthal erinnert und zweimal die drei Steine, die in der Arminiusstraße in Erinnerung an die Familie Rosenbaum verlegt worden sind. Sie gedenken ihrer als Opfer der Nationalsozialisten, von denen Juden und Jüdinnen systematisch verfolgt und ermordet worden sind.

„Es ist unerträglich“

Die Quartiersdemokraten machen in einer Pressemitteilung auf die Beschädigungen aufmerksam. „Es ist unerträglich, dass die Steine, die in Erinnerung an die Opfer der Schoah verlegt worden sind, auf diese Weise geschändet werden“, sagt Viviane Dörne von den Quartiersdemokraten. Das Projekt unterstützt die Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit dem

Thema Rechtsextremismus im Stadtteil Dorstfeld.

„Solche Ereignisse zeigen, wie notwendig das Engagement gegen Antisemitismus ist. Sich kontinuierlich auch gegen aktuellen Hass gegen Jüdinnen und Juden zu stellen, erfordert Mut und Entschlossenheit“, sagt Dörne, die die Beschädigung als eindeutig antisemitisch einschätzt. In Dorstfeld ließ sich diese Entschlossenheit zuletzt beobachten.

Nach der ersten antisemitischen Sachbeschädigung kamen Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-King-Gesamtschule, die auch an der Verlegung der Steine am 21. Juni beteiligt waren, zusammen, um die Steine zu reinigen. „Solche Beschädigungen motivieren die Menschen zusätzlich, weiterzumachen und sich zu engagieren“, stellt Dörne in der Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern fest.

WDR-Journalist von Neonazi angegangen

Die Aufmerksamkeit der engagierten Zivilgesellschaft in Dorstfeld würde auch weiterhin dafür sorgen, dass die Namen nicht vergessen würden und das Erscheinungsbild der Stolpersteine unverzüglich in einen würdigen Zustand versetzt wird, unabhängig davon wie oft die Schändung wiederholt werde, heißt es von den Quartiersdemokraten.

Bei der Reinigungs-Aktion am 2. Juli wurden jedoch auch Schülerinnen und Schüler von Neonazis gefilmt. Außerdem wurde ein Journalist des WDR von Rechtsextremen angegangen, berichten die Quartiersdemokraten in ihrer Pressemitteilung.

Die Dortmunder Polizei bestätigt diesen Vorfall. Dem Journalisten sei von einem bekannten Mitglied der rechtsextremen Szene in Dorstfeld das Mikrofon aus der Hand geschlagen worden. Es sei eine Strafanzeige angefertigt worden, heißt es von Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt.

Der Staatsschutz ermittelt wegen der Beschädigungen

Auch in den Fällen der beschädigten Stolpersteine lägen mehrere Anzeigen vor. „Wir wissen um die Bedeutung der Stolpersteine und nehmen diese Vorfälle als Polizei sehr ernst“, sagt Kupferschmidt. Der Staatschutz sei in die Ermittlungen mit eingebunden, weil nicht auszuschließen sei, dass die Taten politisch motiviert seien. Die Täter oder Täterinnen sind bislang unbekannt.

Die Vorfälle seien den Quartiersdemokraten von aufmerksamen Bürgern gemeldet worden. In einem Fall hätten sich Mitarbeiter der EDG bei ihr gemeldet, erzählt Dörne, die sich über das wachsame Auge der Zivilbevölkerung freut. Dass die Quartiersdemokraten die Fälle öffentlich machen, geht auch mit der Hoffnung einher, die Menschen für das Thema weiter zu sensibilisieren.

Neben den Anzeigen, die bei der Polizei gestellt wurden, seien alle Fälle der bundesweiten Meldestelle für antisemitische Vorfälle RIAS e.V. übermittelt worden, sagt Dörne.

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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