Rund 800 Menschen nahmen an der anarchistischen Demo am 1. Mai teil. © Robin Albers
Demo am 1. Mai

Anarchistischer 1. Mai: 800 Teilnehmer in der City und Nordstadt

Bei bestem Wetter zog eine Demonstration zum „anarchistischen 1. Mai“ mit rund 800 Teilnehmenden durch die Dortmunder Innenstadt und Nordstadt. Obwohl es kurz vorher ein Verbot gab.

Nach einem Demo-Triple in Dorstfeld am Samstagmorgen – eine Neonazi-Kundgebung und zweimal Gegenprotest – fand am Nachmittag des 1. Mai eine weitere große Demonstration in Dortmund stand.

Es wurde zum „anarchistischen 1. Mai“ aufgerufen. Die Bewegung setzt sich für „mehr Freiheit“ statt „Kapitalismus, Patriarchat und Egoismus“ ein.

Anarchistische Demo bekam Recht

Gegen 16 Uhr versammelten sich dazu bei milden Temperaturen und Sonnenschein mehrere Hundert Menschen im Westpark.

Direkt zu Beginn feierten sich die Demonstranten erstmal selbst: Denn im Vorfeld wurde ein Verbot der Stadt Dortmund ausgesprochen – aus Gründen des Infektionsschutzes, die geplante Laufdemo sei in einer Pandemie nicht hygienegerecht durchzuführen.

Die Anarchisten fanden das unbegründet und politisch motiviert, weshalb sie vor Gericht zogen. Und sie bekamen recht, die Demo durfte wie geplant stattfinden.

Im Westpark gab es im Anschluss zwei antikapitalistische Redebeiträge und einen Auftritt des politischen Rappers Tolzstoi, der besonders viel Beifall bekam. Vermutlich nicht nur wegen seiner Texte, sondern weil es die erste Livemusik seit einer gefühlten Ewigkeit für alle Anwesenden war.

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Demozug vom Westpark zum Hafen

Gegen 16.30 Uhr zog der Demozug, der in der Spitze rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufwies, über die Lange Straße und Möllerstraße auf die Rheinische Straße Richtung Wall. Der Verkehr wurde von der Polizei für den Protest abgesperrt, es kam stellenweise zu Stau, und der Wall war partiell dicht.

Über den Wall in die Nordstadt

Am Dortmunder U vorbei ging es zum Hauptbahnhof. An den Katharinentreppen fand um etwa 17 Uhr eine zweite Kundgebung statt. Nach Reden, die unter anderem die klassistische Gesellschaft kritisierten, ging es weiter über den Wall auf die B54 und von dort auf die Steinstraße / Grüne Straße.

Die von vielen Polizeikräften begleitete Demonstration lief dann begleitet ein kurzes Stück über die Schützenstraße, bevor die Gruppe auf die Feldherrnstraße bog. Der lautstarke Protest zog die Aufmerksamkeit der Anwohner auf sich.

Dann ging es über die Scharnhorststraße, Clemens-Veltum-Straße und Speestraße über die Mallinckrodtstraße zur Lagerhausstraße.

Dort fand in der Nähe des Umschlagplatzes gegen 18.15 Uhr die dritte und letzte Kundgebung der anarchistischen Demo statt. In Reden wurde vor allem die Gentrifizierung des Hafenviertels kritisiert.

Um etwa 18.30 Uhr wurde die Versammlung schließlich beendet. Kurz danach kam es noch zu einer Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei. Wegen Pyrotechnik wurde ein Mann rabiat von rund 50 Beamten festgesetzt, wogegen protestiert wurde. Der Mann wurde nach der Maßnahme wieder freigelassen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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