Wie leergefegt: der Strand bei der Touristenhochburg El Arenal © Michael Schuh
Mallorca trotz Corona

Am Ballermann herrscht tote Hose

Viele Kneipen im einstigen Party-Eldorado bleiben in Coronazeiten geschlossen. Die klassischen Feier-Touristen steuern Mallorca derzeit nicht an. Aber es gibt auch Ausnahmen - aus Dortmund.

Nein, von dem Mallorca, das ich als junger Mann vor vielen Jahren kennenlernte, findet sich momentan keine Spur. Denn Corona sorgt nicht nur in Deutschland für leere Fußgängerzonen und geschlossene Kneipen, das Virus schafft sogar das schier Unmögliche: Der Ballermann wird zur partyfreien Zone.

Katastrophales Wetter

Zugegeben, das Wetter ist an diesem Samstagnachmittag Mitte April eine echte Katastrophe: Temperaturen unter 10 Grad, immer wieder nieselt es. Doch Hand aufs Herz: Ließ sich ein Kegelclub, von denen früher zu dieser Jahreszeit schon viele die Baleareninsel besuchten, davon Bange machen? Die eindeutige Antwort: nein!

Erst Corona, dann auch noch schlechtes Wetter: Viele Biergärten auf Mallorca waren am Samstag nur äußerst mäßig besucht. © Michael Schuh © Michael Schuh

Wenn man einst nicht am Strand die Sonne genießen konnte, dann setzte man sich eben schon mittags in die Kneipe. Wäre doch gelacht. Aber von solch selbstlosen Aktionen ist in Pandemiezeiten kaum etwas zu spüren. Die meisten Lokale haben erst gar nicht geöffnet; die wenigen, die dem Virus trotzen, sind nur mäßig besucht. Wozu auch öffnen, wenn die Touristen zu Hause bleiben?

Kein Mensch am Strand

Ich spaziere die Promenade von Playa de Palma in Richtung El Arenal entlang. Rechts der menschenleere Strand, links dann und wann mal ein geöffnetes Restaurant oder ein Souvenirladen. Schon im Flugzeug deutete sich an, dass auf dieser Partymeile nicht allzu viel los sein sollte: An Bord waren viele ältere Passagiere sowie Pärchen, die allesamt nicht so aussahen, als ob sie wegen des gesellschaftlichen Amusements anreisen würden.

Wo ansonsten die Hölle los ist, herrscht momentan gähnende Leere: die Schinkenstraße in El Arenal. © Michael Schuh © Michael Schuh

Ein Blick in die Schinkenstraße, ansonsten das Epizentrum deutscher Feierwut, treibt dem Freund solcher Vergnügungen die Tränen in die Augen. Wo sonst die Schlagerhymnen von Ikke Hüftgold oder Tim Toupet für Stimmung sorgen, ist nun kaum ein Mensch ist unterwegs. Selbst der legendäre Bierkönig, diese riesige Kneipe, in der eigentlich immer was los ist, hat seine Pforten erst gar nicht geöffnet.

Ein Paar trotzt der Pandemie

Auf dem Rückweg mache ich Halt im „Roadhouse“, einem Restaurant mit Bar, um etwas zu essen und zu trinken. Warum das so ist, vermag ich nicht zu sagen, aber im „Roadhouse“ ist die aufgrund von Corona begrenzte Anzahl an Tischen auch tatsächlich besetzt. Und hier treffe sie sich dann, jene Unentwegten, die der Pandemie trotzen: Gregor und Malwina.

Sie machen das Beste aus der vertrackten Situation: Malwina und Gregor aus Dortmund. © Michael Schuh © Michael Schuh

Und woher kommt dieses Pärchen, das trotz aller Unwägbarkeiten einfach nur fröhlich sein will? Richtig, aus Dortmund! „Wir sind am heutigen Samstagmorgen von Dortmund aus nach Palma geflogen“, erzählt der 33-Jährige, während er sich ein großes Bier und eine Pizza schmecken lässt. „Und morgen, am Sonntag, fliegen wir um 19.30 Uhr zurück.“

Normalität zurückbekommen

All der Stress mit Hin- und Rückflug für nur eine Übernachtung? Warum? „Ich möchte einfach ein bisschen Normalität zurückbekommen“, sagt Malwina. Und Normalität, das ist für sie eben auch mal im Restaurant zu sitzen und andere Menschen zu sehen.

Allerdings war der eher ungewöhnliche Wochenend-Trip auch außerordentlich preiswert. „Wir haben zu zweit 90 Euro für die Flüge und das Hotelzimmer bezahlt“, berichtet Georg schmunzelnd. „Frühstück inklusive.“

Ein Fläschchen auf dem Balkon

Das ändert jedoch nichts daran, dass hier auf Mallorca alle Gastronomiebetriebe um 17 Uhr schließen müssen und ab 22 Uhr eine Ausgangssperre herrscht. Doch Georg kann das nicht schrecken: „Bevor wir gleich ins Hotel gehen, holen wir uns noch ein leckeres Fläschchen, das wir dann auf dem Balkon trinken.“ Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.