Kaum am Westenhellweg angekommen, steht bei einer Modekette möglicherweise schon die Vergrößerung ins Haus. © Stephan Schütze
Westenhellweg

Alles wie früher in der Dortmunder City? Was die Besucherzahlen verraten

Die Corona-Pandemie hat dem Einzelhandel schwer zugesetzt. Jetzt bessert sich die Lage, die Verbote und Regeln wurden gelockert. Steht jetzt die wirtschaftliche Kehrtwende in Dortmund an?

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Dortmund ist durchgehend auf einem niedrigen Level. Damit kehren auch immer mehr Freiheiten für die Dortmunderinnen und Dortmunder zurück: Zuletzt wurde die Maskenpflicht im Freien am Montag (21. Juni) aufgehoben, nachdem es in den Wochen zuvor bereits weitere Lockerungen gab.

Fast alles ist wieder beim Alten, Shopping ist wie früher „vor Corona“ möglich und der pandemiegebeutelte Einzelhandel kann sich in den Heilungsprozess begeben – oder?

Delta-Variante macht Sorgen

Der Cityring-Vorsitzende Tobias Heitmann verspürt noch keine richtige Vorfreude, was die Lockerungen betrifft: „Ich glaube, einen richtigen Effekt sehen wir erst im Herbst“, erzählt unserer Redaktion. Jetzt stünden erstmal die Sommerferien an und die Menschen würden in den Urlaub fahren.

Erfahrungsgemäß sei in der Innenstadt bereits vor Corona spürbar weniger los gewesen – jetzt komme noch hinzu, dass die Menschen nach Lockdown, Ausgangssperren und Isolation ihren Urlaub nachholen wollten.

Tobias Heitmann ist Vorsitzender des Cityrings in Dortmund und Inhaber der Galerie Zimmermann und Heitmann am Hansaplatz. „Mit dem Wegfall der Testpflicht ist den Kundinnen und Kunden ein großes Hemmnis genommen“, sagt er.
Tobias Heitmann ist Vorsitzender des Cityrings und Inhaber der Galerie Zimmermann und Heitmann am Hansaplatz. „Mit dem Wegfall der Testpflicht ist den Kundinnen und Kunden ein großes Hemmnis genommen“, sagt er. © Zimmermann & Heitmann © Zimmermann & Heitmann

Hundertprozentig sicher über den Erholungseffekt für den Einzelhandel im Herbst ist sich der Cityring-Vorsitzende nicht. „Da gibt es ja noch die Delta-Variante“, sagt Heitmann. Von der ist ein weiterer Infektions-Peak im Herbst zu erwarten, wie Expertinnen und Experten prophezeien.

„Ich hoffe, dass die Politik die beste Entscheidung für den Handel trifft“, so Heitmann – also die Geschäfte nicht wieder schließt. Es gebe ja mittlerweile die Erkenntnis, dass der Einzelhandel kein Infektionstreiber sei.

Trotz Lockerungen wenig los

Dass ein „Nach-Corona-Effekt“ noch nicht wirklich sichtbar ist, zeigen auch Besucherzahlen der Plattform Hystreet, die Passantinnen und Passanten in Fußgängerzonen deutscher Städte misst.

In acht der größten Einkaufsstraßen Deutschlands, zu der auch der Westenhellweg zählt, zeigt sich ein ähnliches Bild: Verglichen mit dem 21. Juni 2019, also vor der Corona-Pandemie, war am 21. Juni 2021 in allen Fußgängerzonen deutlich weniger los.

Auf dem Westenhellweg waren es an diesem Tag 33.300 Besucherinnen und Besucher – vor der Pandemie waren es mehr als doppelt so viele (83.006). Auch auf der Hamburger Spitalerstraße oder dem Berliner Kurfürstendamm haben sich die Besucherzahlen mindestens halbiert. Und Dortmund steht im Vergleich nur hinter der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil.

Aufwärtstrend zu erkennen

Allerdings lässt sich im Vergleich zu der nicht allzu weiten Vergangenheit Dortmunds ein Aufwärtstrend erkennen. Am 16. Dezember 2020 griff der Lockdown, weshalb an diesem Tag nur 8.702 Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs waren.

Seit dem 20. Mai darf Dortmunds nicht-überlebenswichtiger Einzelhandel wieder für Kundschaft aufmachen, zunächst nur mit einem negativen Corona-Test und auf Termin („Click & Meet“). Und direkt war mehr auf dem Westenhellweg los, 19.447 Passantinnen und Passanten waren an diesem Tag shoppen.

Einen weiteren saftigen Sprung machten die Besucherzahlen am 28. Mai – an diesem Tag waren 41.971 auf dem Westenhellweg in der City einkaufen. Wahrscheinlich verdoppelte sich die Zahl nochmal, weil normales Shopping, ohne „Click & Meet“ und Corona-Test möglich wurde.

Positiver Effekt in der Thier-Galerie

Anders als Tobias Heitmann vom Cityring kann Thier-Galerie-Manager Markus Haas von einem positiven Effekt berichten: „In der Tat spüren auch wir, dass die Lockerungen dazu geführt haben, dass die Menschen wieder den Weg zurück in die Städte finden.“

Markus Haas, der Center-Manager in der Thier-Galerie, freut sich auf den Neustart. "Die meisten Kunden waren seit dem 16. Dezember nicht mehr hier", sagt er. © ECE © ECE

Die Leute würden wieder mehr Lust haben einkaufen zu gehen, zu bummeln und sich von Mitarbeitern beraten zu lassen. Dazu sei angemerkt, dass in der Thier-Galerie noch eine Maskenpflicht gilt. Haas hofft, dass in dem Einkaufszentrum ab Juli wieder alle Geschäfte geregelt aufmachen können. Vielleicht sind die Besucherzahlen in der Innenstadt bis dahin auch weiter gestiegen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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