Job-Center, Sparkasse und Versicherungen: Sprengt das Homeoffice alle Server?

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Firmen, Behörden und Institutionen schicken ihre Mitarbeiter zum Arbeiten nach Hause. Das führt zu Problemen. Nicht nur, weil die Datenverbindungen ächzen. Doch es gibt auch kreative Lösungen.

Dortmund

, 23.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die junge Frau muss mal an die frische Luft. Seit Stunden versucht sie, sich in das Firmen-Netzwerk einzuwählen. Immer wieder fliegt sie raus und muss von vorne starten.

Der Zugriff auf ihren Mail-Account funktioniert nicht, ihren Büro-Anschluss auf das Handy umzuleiten braucht eine Ewigkeit und viele Fehlversuche. Der Laptop-Bildschirm ist viel zu klein für die vielen Anwendungen, die sie benötigt, und einen bequemen Schreibtischstuhl hat sie zuhause auch nicht.

Ähnlich wie dieser Mitarbeiterin einer Dortmunder Behörde geht es derzeit vielen. Die Server rauchen, Datenverbindungen sind überlastet, Einwahlkapazitäten erschöpft. Das Modell „Home Office“ hat seine Tücken.

Trotzdem läuft die Arbeit bei Jobcenter und Arbeitsagentur, bei Sparkasse, Krankenkassen und Versicherungen weiter, wie eine kleine Umfrage ergab.

Bei der Stadtsparkasse Dortmund arbeitet bislang nur ein kleiner Teil der Belegschaft im Homeoffice. Das wird sich auch mit der Schließung der Filialen seit Freitag (19.4.) nicht wesentlich ändern, wie Sprecherin Sophie Donat sagt. Ein Großteil der Mitarbeiter werde in Rufbereitschaft versetzt.

Nur die Hauptstelle der Sparkasse ist noch eingeschränkt geöffnet.

Nur die Hauptstelle der Sparkasse ist noch eingeschränkt geöffnet. © Archiv

Wirklich viel zu tun gibt es für die Servicekräfte vermutlich nicht, da Beratung und Geschäftsbetrieb weitgehend heruntergefahren sind. Nur die Hauptstelle bleibt geöffnet, auch dort wird die Belegschaft ausgedünnt.

Einige Mitarbeiter verfügten über einen Heim-Arbeitsplatz, der dem im Büro 1:1 entspreche, so Sophie Donat. Diese Plätze aufzustocken sei nicht so einfach, da wegen der hohen Sicherheitsanforderungen ein spezielles Equipment nötig ist.

Beim Dortmunder Jobcenter arbeiten die meisten Mitarbeiter noch vor Ort, wie Pressesprecher Michael Schneider sagt. Diese säßen aber überwiegend in Einzelbüros und ohne direkten Kundenkontakt. Stattdessen kümmern sie sich um die vielen Anfragen, die derzeit aufschlagen.

Dafür hat das Jobcenter zwei zusätzliche Rufnummern eingerichtet, um „kurz und pragmatisch Anliegen zu klären und die Menschen zu beruhigen“, wie Schneider sagt.

Am Mini-Laptop ist das Arbeiten anstrengend.

Am Mini-Laptop ist das Arbeiten anstrengend. © dpa

Einige Mitarbeiter hat das Jobcenter an einen Heim-Arbeitsplatz versetzt, wenn beispielsweise Kinderbetreuung oder Pflege nötig sind oder Gesundheitsprobleme besonderen Schutz erfordern. „Da gerät die Leistungsfähigkeit der Systeme aber an ihre Grenzen“, sagt Schneider.

Bundesweit komme es immer wieder zu Störungen in der Telefonie. Ansonsten funktioniere das System gut und stabil, sei aber weitgehend ausgeschöpft.

Um die Belastung etwas zu entzerren, hat das Jobcenter die Arbeitszeit ausgeweitet auf die Zeit zwischen 6 und 22 Uhr. „Das hilft manchen auch bei der Betreuungsfrage“, sagt Schneider. Und zieht Bilanz: „Wir kriegen das hier gut gestemmt.“

Auch die Versicherungen stellen ihre Arbeitsweisen um. Die Signal Iduna Gruppe hat bundesweit so viele Mitarbeiter wie möglich nach Hause geschickt. „Aktuell sind rund 60 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mobil aus dem Homeoffice tätig“, teilt Signal Iduna auf Anfrage mit.

Alle Außendienstler seien so ausgestattet, dass sie von zuhause aus ihre Kunden erreichen können. Sie hätten auch die Möglichkeit, einen System-Zugang auf ihrer privaten Hardware einzurichten.

Die IT-Abteilung ist auf jeden Fall gefordert. Ann-Kathrin Wacker aus der Unternehmenskommunikation schreibt: „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, dass bis zu 80 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause arbeiten können. Damit erreichen wir quasi eine 100 Prozent Abdeckung, wenn man Urlaubs- und Krankheitszeiten einrechnet.“

Die BIG Krankenversicherung in Dortmund war von Anfang an konsequent auf digitalen Service ausgerichtet, das kommt dem Versicherer jetzt zugute. Für die Versicherten ändert sich nichts, obwohl im Hintergrund auch bei der BIG wegen der Infektionsgefahr einiges umorganisiert wird.

Mindestens zweimal täglich tage der Krisenstab, so Bettina Kiwitt, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Schon vor der Corona-Krise haben 176 der mehr als 700 Mitarbeiter – davon etwa 650 in Dortmund – tageweise im Homeoffice gearbeitet. Seit dem 16. März bleiben sie ganz zuhause. Im Verwaltungsgebäude sei genügend Platz, damit die verbliebenen Mitarbeiter sich mit sicherem Abstand verteilen können.

Weitere Schritte wurden eingeleitet: Alle Mitarbeiter, die älter als 60 Jahren und/oder chronisch krank sind, sollen in Telearbeit sein. Schrittweise will die BIG diese Maßnahme dann ausweiten auf diejenigen, die Probleme mit der Kinderbetreuung haben oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

„Der Ausbau von Telearbeit für die übrigen Mitarbeiter ist anschließend geplant, sodass die BIG-Mitarbeiter etwa Mitte April zu nahezu 100 Prozent in Telearbeit arbeiten würden“, so Bettina Kiwitt.

Bis dahin helfen flexiblere Arbeitszeiten zwischen 6 bis 24 Uhr, was vor allem von Mitarbeitern mit kleinen Kindern dankend angenommen werde.

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