Fußballspiele geraten außer Kontrolle: Nachbarn ärgern sich über Lärm und Urin

dzBolzplatz-Ärger

40 Studenten, die sonntags ab 9 Uhr das runde Leder rollen lassen – das sorgt bei den Anwohnern für Ärger. Die Stadt reagiert in einem Punkt ungewöhnlich auf die Problematik.

Barop

, 10.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist beinahe eine Traditionsveranstaltung. Eine, die den Anwohnern einer Baroper Wohnsiedlung den ruhigen Sonntag raubt. Seit 10 Jahren treffen sich auf einem Bolzplatz an der Heinrich-Staubach-Straße 30 bis 50 junge Männer zum Kicken.

„Es sind hauptsächlich Studenten, die teilweise mit ihren Autos vorfahren und neben dem Lärm auch noch die Parkplätze belegen“, sagt Thomas Meysel. Meysel ist so etwas wie der Sprecher vieler Anwohner in der Siedlung, die so langsam richtig genervt sind.

Fußballspiele geraten außer Kontrolle: Nachbarn ärgern sich über Lärm und Urin

Im Hintergrund der Bolzplatz, im Vordergrund der Spielplatz, der auch als Toilette herhalten muss. © Jörg Bauerfeld

Stadt Dortmund tauscht die Schilder aus

Denn, es ist ja so eine Sache, das Fußballspielen. Laut geht es eh zu, wenn es um Tore und Ehre geht. Wenn dann aber noch 30 bis 50 junge Leute einen ganzen Tag spielen, nervt es die Anwohner in dem Viertel.

Und nicht nur das. „Es gibt ja keine sanitären Anlagen“, sagt Thomas Meysel. Die Notdurft werde auf dem benachbarten Spielplatz verrichtet. Und dafür sei dieser ja nun einmal nicht da. In regelmäßigen Abständen beschwerten sich die Anwohner bei der Polizei oder beim Ordnungsamt, keiner wollte dafür zuständig sein. Städtische Mitarbeiter schauten sich den Platz an. Und „das Einzige, was geändert wurde, ist die Beschilderung am Bolzplatz“, sagt Thomas Meysel. Zunächst habe dort ein Schild „nutzbar bis 16 Jahre“ gehangen.

Schreiben an den Oberbürgermeister

„Nach den ersten Beschwerden wurde dieses Schild auf 18 Jahre geändert und jetzt heißt es plötzlich, dass der Platz bis zum Alter von 27 Jahren bespielt werden kann“, sagt Thomas Meysel.

Das „plötzliche“ Umtauschen der Schilder kam laut Meysel nach der letzten Beschwerde, die die Anwohner im Bereich der Heinrich-Staubach-Straße an die Stadt Dortmund gerichtet hatten. „Wir haben den Oberbürgermeister direkt angeschrieben“, sagt Thomas Meysel. Und der OB antwortete auch per Mail. „Dafür sind wir dankbar“, so Meysel.

Das Jugendamt soll Gespräche geführt haben

Doch geholfen habe das alles nichts. Es soll Gespräche von Mitarbeitern des Jugendamtes mit den jungen Leuten gegeben haben. Die Anwohner bezweifeln das.

Und was ist mit dem Lärm? Der gehe weiter, so Meysel. Die Stadt habe ja nur das Schild „bis 18 Jahre entfernt“ und bekannt gegeben, dass nun Dortmunder bis 27 Jahre den Platz nutzen können.

Auch auf die Idee, Plätze an der Uni am Sonntag zu öffnen, die auch über Sanitäranlagen verfügen, habe man nicht reagiert. „Vielleicht werden wir unsere Probleme noch einmal in der Bezirksvertretung schildern“, sagt Meysel.

Es gehe nicht darum, dass der Platz geschlossen werde, sondern, dass er und seine Nachbarn sonntags auch mal Ruhe haben, so Thomas Meysel, der sich eine kleine Spitze gegen Oberbürgermeister Ullrich Sierau nicht verkneifen kann: „Danke Herr Sierau für diese prompte Art der Unterstützung – wir werden uns bei den nächsten Wahlen dafür erkenntlich zeigen.“

Fragen an die Stadt

So sieht es mit der Nutzung eines Bolzplatzes aus

Wie lange darf auf dem Bolzplatz gebolzt werden?
Sofern es am jeweiligen Standort nicht anders auf den Spielplatzschildern ausgewiesen ist, beginnt die Nachtruhe ab 22 Uhr.

Wie sieht es mit der Altersbegrenzung aus bei einem städtischen Platz?
Bei Bolzplätzen handelt es sich in aller Regel um Spielplätze der Kategorie A, also für alle Altersgruppen bis 27 Jahre. Ausgenommen von der Altersbegrenzung sind Erwachsene, die Kinder oder Jugendliche beaufsichtigen oder begleiten.

Wird das kontrolliert?
In der Regel gibt es keine Kontrollen, wenn keine Beschwerden der Anwohner oder Spielplatzpaten vorliegen oder es keine Hinweise aus dem Tiefbauamt gibt. Die Spielplätze werden einmal wöchentlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Tiefbauamts (Stadtgrün) auf Verkehrssicherheit kontrolliert.
Lesen Sie jetzt